Camargü
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Steckbrief
- Herkunft: Camargue, Südfrankreich (Rhônedelta)
- Rassestandard: Französisches Nationalgestüt; seit 1968 offiziell als eigenständige Rasse anerkannt; registriert im Stud-Book der Association des Éleveurs de Chevaux de Race Camargue
- Stockmaß: 135–150 cm
- Gewicht: 350–500 kg
- Lebenserwartung: 25–30 Jahre
- Fell/Farben: Ausschließlich Schimmel; Fohlen werden dunkel (schwarz, braun oder grau) geboren und hellen innerhalb der ersten vier bis sechs Lebensjahre auf, bis sie das charakteristische Weiß erreichen
Herkunft & Geschichte
Das Camargue-Pferd zählt zu den ältesten Pferderassen Europas. Seine Abstammung reicht vermutlich bis in die Vorgeschichte zurück, wobei einige Forscher eine Verwandtschaft mit den auf Höhlenmalereien dargestellten Urpferden der Region sehen. Die sumpfige, windgepeitschte Ebene des Rhônedeltas im südfranzösischen Département Bouches-du-Rhône war über Jahrtausende hinweg das natürliche Habitat dieser Pferde. Harte Winter, karge Vegetation, salzige Böden und stehende Gewässer formten eine außerordentlich robuste und anpassungsfähige Rasse.
Im Laufe der Geschichte wurden Camargue-Pferde immer wieder von anderen Rassen beeinflusst – unter anderem durch Berber, die während der maurischen Besetzung Südfrankreichs eingekreuzt wurden, sowie durch spanische und orientalische Blutlinien. Dennoch blieb der Grundtyp erstaunlich konstant. 1968 erkannte das französische Landwirtschaftsministerium die Camargue offiziell als eigenständige Rasse an. Seitdem überwacht der Zuchtverband Association des Éleveurs de Chevaux de Race Camargue den Rassestandard und führt das Zuchtbuch. Heute leben noch immer halbwilde Herden, sogenannte manades, in der Camargue, wo sie von berittenen Hirten, den gardians, betreut werden.
Aussehen & Rassemerkmale
Das Camargue-Pferd ist ein kompaktes, quadratisch gebautes Kleinpferd mit einem markanten, eher schweren Kopf und einem geraden bis leicht konvexen Profil. Die Augen sind groß und ausdrucksstark, die Ohren kurz und breit angesetzt. Der Hals ist mittellang, kräftig und tief angesetzt, was dem Pferd eine gewisse Ursprünglichkeit verleiht.
Der Rumpf ist tief und breit mit gut gewölbten Rippen. Die Kruppe fällt leicht ab und ist muskulös. Besonders auffällig sind die harten, breiten Hufe, die an den feuchten, sumpfigen Untergrund der Heimatregion perfekt angepasst sind – Camargue-Pferde werden traditionell unbeschlagen gehalten. Das Langhaar, also Mähne und Schweif, ist üppig, oft wellig und verleiht der Rasse ihr unverwechselbares, wild-romantisches Erscheinungsbild.
Das Fell ist dicht und widerstandsfähig. Die weiße Schimmelfarbe im Erwachsenenalter ist das unverkennbare Markenzeichen der Rasse. Unter dem weißen Deckhaar ist die Haut stets dunkel pigmentiert, was einen natürlichen Sonnenschutz bietet.
Charakter & Wesen
Camargue-Pferde gelten als intelligent, mutig und bemerkenswert zäh. Ihr Wesen ist geprägt von einer tiefen Gelassenheit, die aus Jahrhunderten der Selbstständigkeit in freier Natur resultiert. Sie sind trittsicher, nervenstark und bewahren auch in ungewöhnlichen Situationen Ruhe – eine Eigenschaft, die sie für die Arbeit mit den halbwilden Stieren der Camargue unverzichtbar macht.
Gegenüber ihrem Besitzer zeigen sie sich treu und kooperativ, ohne dabei unterwürfig zu sein. Sie besitzen einen ausgeprägten Herdentrieb und ein starkes Sozialverhalten. In der Herde sind klare Rangordnungen zu beobachten, die erstaunlich friedlich ausgehandelt werden. Gegenüber Fremden können sie anfangs reserviert wirken, bauen aber bei respektvollem Umgang schnell Vertrauen auf. Ihr lebhaftes Temperament paart sich mit Arbeitswilligkeit und einer bemerkenswerten Ausdauer.
Haltung & Pflege
Die ideale Haltungsform für Camargue-Pferde ist die ganzjährige Offenstallhaltung oder eine großzügige Weidehaltung in der Gruppe. Einzelboxenhaltung widerspricht ihrem ausgeprägten Sozialbedürfnis und sollte vermieden werden. Diese Pferde brauchen Bewegung, frische Luft und den Kontakt zu Artgenossen. Eine Weidefläche mit abwechslungsreichem Terrain – idealerweise mit Zugang zu Wasser – kommt ihrem natürlichen Lebensraum am nächsten.
Die Fellpflege ist unkompliziert. Das dichte Fell schützt vor Wind, Regen und Insekten. Regelmäßiges Striegeln fördert die Durchblutung und stärkt die Bindung. Die üppige Mähne neigt zum Verfilzen und sollte regelmäßig verlesen werden. Besonderes Augenmerk verdient die Hufpflege: Obwohl Camargue-Pferde außerordentlich harte Hufe besitzen, ist eine regelmäßige Kontrolle und Korrektur durch den Hufschmied alle sechs bis acht Wochen unerlässlich. Beschäftigung durch abwechslungsreiche Ausritte, Arbeit am Rind oder leichte Dressurarbeit hält die Pferde geistig und körperlich fit.
Ernährung
Camargue-Pferde sind ausgesprochene Leichtfutterer. Ihr Stoffwechsel ist auf karge, rohfaserreiche Kost eingestellt. Hochwertiges Heu und Weidegras bilden die Ernährungsgrundlage. Kraftfutter sollte nur bei erhöhter Arbeitsbelastung oder in besonderen Situationen wie Trächtigkeit und Laktation zugefüttert werden. Eine übermäßige Energiezufuhr durch zu gehaltvolles Futter oder zu fette Weiden kann schnell zu Übergewicht und damit verbundenen Stoffwechselerkrankungen führen.
Mineralfutter und ein Salzleckstein sollten ganzjährig zur Verfügung stehen, um den Bedarf an Spurenelementen zu dec