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Criollo

C

Rassen > Pferderassen

Steckbrief

  • Herkunft: Südamerika (Argentinien, Uruguay, Brasilien, Paraguay, Chile)
  • Rassestandard: Zuchtverband der Criollozüchter (Asociación de Criadores de Caballos Criollos, gegründet 1918 in Buenos Aires); internationaler Dachverband FICCC
  • Stockmaß: 140–152 cm
  • Gewicht: 400–550 kg
  • Lebenserwartung: 25–35 Jahre
  • Fell/Farben: Kurzes, dichtes Deckhaar mit dichter Unterwolle; alle Grundfarben erlaubt, besonders häufig Falben, Graufalben, Braunfalben, Füchse und Braune; Tobiano-Schecken je nach Zuchtverband teilweise ausgeschlossen

Herkunft & Geschichte

Die Abstammung des Criollo reicht bis in das frühe 16. Jahrhundert zurück, als spanische Konquistadoren iberische Pferde – vorwiegend Berber, Andalusier und Sorraias – nach Südamerika brachten. Viele dieser Pferde verwilderten in der weiten Pampa und mussten sich über Jahrhunderte ohne menschliche Selektion an extreme klimatische Bedingungen anpassen. Gnadenlose Hitze, Kälte, Trockenheit und karge Vegetation formten einen Pferdetyp, der durch natürliche Auslese eine außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit entwickelte.

Die Gauchos – die Rinderhirten der südamerikanischen Grasländer – erkannten früh den Wert dieser harten, ausdauernden Pferde und begannen, sie gezielt als Arbeitspferde einzusetzen. 1918 wurde in Argentinien die erste offizielle Züchtervereinigung gegründet, die einen verbindlichen Rassestandard festlegte. Heute unterhalten Argentinien, Uruguay, Brasilien, Paraguay und Chile eigene Zuchtverbände, die unter dem internationalen Dachverband FICCC (Federación Internacional de Criadores de Caballos Criollos) zusammenarbeiten.

Berühmt wurde die Rasse durch den Schweizer Abenteurer Aimé Tschiffely, der 1925 mit zwei Criollo-Wallachen – Mancha und Gato – in rund zweieinhalb Jahren von Buenos Aires nach Washington, D.C. ritt. Dieser legendäre Distanzritt über mehr als 16.000 Kilometer gilt bis heute als eindrucksvoller Beweis für die Leistungsfähigkeit und Zähigkeit des Criollo.

Aussehen & Rassemerkmale

Der Criollo ist ein kompaktes, muskulöses Pferd mit deutlich erkennbarem iberischen Erbe. Der Kopf ist mittellang und breit, häufig mit geradem oder leicht konvexem Profil. Die Augen stehen weit auseinander und verleihen dem Pferd einen aufmerksamen, intelligenten Ausdruck. Der Hals ist kräftig und gut aufgesetzt, der Widerrist ausgeprägt, aber nicht übermäßig hoch.

Besonders charakteristisch ist der breite, tiefe Rumpf mit gut gewölbten Rippen, der auf eine enorme Lungenkapazität hinweist. Die Kruppe ist muskulös und leicht abfallend. Die Beine sind trocken, kurz und stabil mit ausgeprägten Gelenken und harten, widerstandsfähigen Hufen, die häufig ohne Beschlag auskommen. Die Mähne und der Schweif sind voll, aber nicht übermäßig üppig.

Im Rassestandard wird besonderer Wert auf Funktionalität gelegt: Der Criollo soll als Arbeitspferd überzeugen, nicht als Schaupferd. Übertriebene Größe oder filigrane Strukturen sind im Standard ausdrücklich unerwünscht.

Charakter & Wesen

Der Criollo zeichnet sich durch einen ausgeglichenen, nervenstärken Charakter aus. Er ist treu, kooperativ und entwickelt eine tiefe Bindung zu seiner Bezugsperson. Gleichzeitig bewahrt er eine gewisse Eigenständigkeit, die aus seiner Geschichte als halbwildes Weide- und Arbeitspferd resultiert.

Im Umgang zeigt er sich unkompliziert, mutig und gelassen. Auch in unbekannten Situationen reagiert er besonnen statt panisch. Diese Nervenstärke macht ihn zu einem äußerst verlässlichen Partner im Gelände. Trotz seiner Ruhe ist der Criollo wachsam und aufmerksam; auf der Weide zeigt er ein ausgeprägtes Herdenverhalten und erweist sich als kluger, lernfähiger Partner.

In der Arbeit ist er willig, ausdauernd und bemerkenswert genügsam. Er benötigt keine aufwendige Motivation, sondern arbeitet ruhig und stetig mit. Diese Eigenschaften machen ihn nicht nur zum idealen Ranchpferd, sondern auch zu einem geschätzten Freizeitpartner für ambitionierte Reiter.

Haltung & Pflege

Der Criollo ist prädestiniert für eine naturnahe Haltung. Offenstallhaltung oder ganzjährige Weidehaltung mit Unterstand entsprechen seinem Wesen am besten. Er braucht ausreichend Auslauf und den Kontakt zu Artgenossen – Einzelboxenhaltung ohne Sozialkontakte ist für diese gesellige Rasse ungeeignet.

Die Fellpflege ist unkompliziert. Das kurze, dichte Fell mit seiner natürlichen Unterwolle schützt ihn vor Kälte, Nässe und Sonne. Regelmäßiges Bürsten reicht aus, um Haut und Fell gesund zu halten. Besonderes Augenmerk sollte auf die Hufpflege gelegt werden: Obwohl die Hufe von Natur aus hart und widerstandsfähig sind, ist eine regelmäßige Kontrolle und Bearbeitung durch den Hufschmied alle sechs bis acht Wochen empfehlenswert.

Hinsichtlich der Beschäftigung benötigt der Criollo abwechslungsreiche Aufgaben. Er eignet sich hervorragend für Distanzritte, Wanderritte, Rinderarbeit, Working Equitation und klassisches Geländereiten. Mentale und körperliche Auslastung beugen Langeweile und Unarten vor.

Ernährung

Die Fütterung des Criollo sollte seiner Herkunft als genügsames Steppenpferd Rechnung tragen. Hochwertiges Heu bildet die Grundlage der Ration. Kraftfutter ist bei normaler Arbeitsbelastung in den meisten Fällen nicht nötig oder nur in geringen Mengen zuzufüttern. Die Rasse neigt bei energiereicher Fütterung rasch zu Übergewicht, was langfris