T Tierlexikon.net
← Lexikon

Diabetes

D

Tiermedizin & Gesundheit > Krankheiten – allgemein

Definition & Überblick

Diabetes mellitus – umgangssprachlich Zuckerkrankheit – ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper den Blutzucker (Glukose) nicht mehr ausreichend regulieren kann. Das Hormon Insulin, das in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet wird, spielt dabei die zentrale Rolle: Es sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen und dort als Energiequelle genutzt wird. Fehlt Insulin oder reagieren die Zellen nicht mehr angemessen darauf, steigt der Blutzuckerspiegel dauerhaft an – mit weitreichenden Folgen für den gesamten Organismus.

Die Erkrankung betrifft vor allem Hunde und Katzen, kommt jedoch auch bei Pferden, Meerschweinchen, Kaninchen und anderen Tierarten vor. Bei Hunden wird überwiegend der Typ-1-Diabetes diagnostiziert, bei dem die Betazellen zerstört werden und kein Insulin mehr produziert wird (absoluter Insulinmangel). Katzen leiden hingegen häufiger unter Typ-2-Diabetes, bei dem die Körperzellen eine Insulinresistenz entwickeln – das vorhandene Insulin wirkt also nicht mehr ausreichend. Unbehandelt führt Diabetes mellitus zu schweren Organschäden und kann lebensbedrohlich verlaufen.

Ursachen & Risikofaktoren

Die Entstehung von Diabetes mellitus ist multifaktoriell, das heißt, mehrere Ursachen wirken in der Regel zusammen:

  • Genetische Veranlagung: Bestimmte Hunderassen wie Samojede, Australian Terrier, Zwergschnauzer und Zwergpudel zeigen eine erhöhte Prädisposition. Bei Katzen besteht eine rassespezifische Häufung unter anderem bei Burma-Katzen.
  • Übergewicht (Adipositas): Besonders bei Katzen ist Fettleibigkeit der wichtigste Risikofaktor. Überschüssiges Fettgewebe fördert die Insulinresistenz erheblich.
  • Pankreatitis: Chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse können die insulinproduzierenden Betazellen dauerhaft schädigen.
  • Hormonelle Einflüsse: Bei unkastrierten Hündinnen kann das Hormon Progesteron während der Läufigkeit oder Trächtigkeit eine Insulinresistenz auslösen (gestationsassoziierter Diabetes). Erkrankungen wie das Cushing-Syndrom (Hyperadrenokortizismus) oder eine Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen erhöhen das Risiko ebenfalls.
  • Medikamente: Die langfristige Gabe von Glukokortikoiden (Kortison) kann einen Diabetes mellitus begünstigen oder verschlimmern.
  • Alter: Hunde erkranken überwiegend im mittleren bis höheren Lebensalter (ab circa 7 Jahren), Katzen meist ab einem Alter von etwa 8 Jahren.

Symptome & Erkennung

Die klassischen Leitsymptome des Diabetes mellitus sind bei Hund und Katze weitgehend identisch und werden in der Tiermedizin als die „vier großen P" zusammengefasst:

  • Polyurie: vermehrtes Urinieren – da die Nieren überschüssige Glukose über den Harn ausscheiden, wird vermehrt Wasser mitausgeschieden.
  • Polydipsie: gesteigerter Durst – als Folge des erhöhten Flüssigkeitsverlustes trinken betroffene Tiere auffällig viel.
  • Polyphagie: gesteigerter Appetit – obwohl genügend Glukose im Blut vorhanden ist, gelangt sie nicht in die Zellen, sodass der Körper Hunger signalisiert.
  • Gewichtsverlust: Trotz gesteigerter Futteraufnahme nehmen die Tiere ab, da der Körper mangels verwertbarer Glukose auf Fett- und Muskelreserven zurückgreift.

Weitere mögliche Anzeichen sind Mattigkeit, stumpfes Fell, wiederkehrende Harnwegsinfektionen und bei Katzen eine plantigrade Fußung – ein auffälliges Absinken der Hinterläufe bis auf die Sprunggelenke, das auf eine diabetische Neuropathie hinweist. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zur diabetischen Ketoazidose kommen, einem lebensbedrohlichen Zustand mit Erbrechen, Apathie, Austrocknung und einem typischen süßlich-fruchtigen Atemgeruch durch Ketonkörper im Blut.

Diagnose

Die Diagnose stützt sich auf das klinische Bild in Kombination mit Laboruntersuchungen. Ein einzelner erhöhter Blutzuckerwert reicht nicht aus, da insbesondere Katzen unter Stress eine vorübergehende Hyperglykämie (Stresshyperglykämie) entwickeln können.

  • Blutuntersuchung: Neben dem aktuellen Blutzuckerspiegel wird der Fructosamin-Wert bestimmt. Fructosamin entsteht durch die Bindung von Glukose an Serumproteine und spiegelt den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der vergangenen ein bis drei Wochen wider – ein zuverlässigerer Parameter als eine Einzelmessung.
  • Urinuntersuchung: Der Nachweis von Glukosurie (Zucker im Urin) und gegebenenfalls Ketonurie (Ketonkörper im Urin) erhärtet die Diagnose.
  • Weiterführende Diagnostik: Blutbild, Organprofil, Schilddrüsenwerte und bildgebende Verfahren wie Ultraschall des Abdomens helfen, Begleiterkrankungen wie Pankreatitis, Cushing-Syndrom oder Harnwegsinfektionen abzuklären.

Behandlung & Therapie

Diabetes mellitus ist eine behandelbare Erkrankung, erfordert jedoch ein hohes Maß an Engagement seitens der Tierhalter. Die Therapie ruht auf mehreren Säulen:

  • Insulintherapie: Die meisten diabetischen Hunde und viele Katzen benötigen Insulininjektionen, die in der Regel zweimal täglich unter die Haut (subkutan) verabreicht werden. Die Dosierung wird individuell angepasst und über