Dülmener
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Steckbrief
- Herkunft: Dülmen, Westfalen (Nordrhein-Westfalen), Deutschland
- Rassetyp: Wildbahnpony / Primitivpferderasse; keine FCI-Klassifizierung (Pferd), geführt beim Zuchtverband für das Dülmener Pferd
- Stockmaß: 125–135 cm
- Gewicht: 300–400 kg
- Lebenserwartung: 25–30 Jahre
- Fell/Farben: Überwiegend Falben, Mausfalben und Braunfalben, seltener Braune oder Rappen; häufig mit Aalstrich und Zebrastreifen an den Beinen; dichtes, robustes Fell mit ausgeprägtem Winterhaar
Herkunft & Geschichte
Die Geschichte des Dülmener Pferdes reicht weit zurück. Bereits im 14. Jahrhundert finden sich urkundliche Erwähnungen wildlebender Pferde im Merfelder Bruch bei Dülmen in Westfalen. Diese Wildpferdpopulation gilt als die letzte ihrer Art in Kontinentaleuropa. Über Jahrhunderte hinweg lebten die Tiere in den weiten Bruch- und Heidelandschaften des Münsterlandes weitgehend sich selbst überlassen, was eine natürliche Selektion und damit eine außergewöhnliche Robustheit begünstigte.
Als die Lebensräume der Wildpferde durch landwirtschaftliche Nutzung und Besiedlung immer weiter schrumpften, übernahm die herzogliche Familie von Croÿ im Jahr 1847 die Verantwortung für die verbliebene Herde. Seitdem lebt die Population auf einem rund 350 Hektar großen, eingezäunten Areal im Merfelder Bruch. Die Tiere werden dort ganzjährig im Freien gehalten und erfahren nur minimale menschliche Eingriffe.
Ein traditionelles Ereignis von überregionaler Bekanntheit ist der alljährliche Wildpferdefang am letzten Samstag im Mai. Dabei werden die einjährigen Hengste aus der Herde gefangen und anschließend versteigert. Dieser Brauch dient der Regulation des Herdenbestands und verhindert zugleich Inzucht. Heute umfasst die Herde im Merfelder Bruch je nach Jahr zwischen 300 und 400 Tiere. Der Zuchtverband für das Dülmener Pferd setzt sich für den Erhalt der Rasse und ihrer genetischen Vielfalt ein.
In der Abstammung der Dülmener finden sich Einflüsse verschiedener Primitivpferdetypen. Gelegentlich wurden im 19. und frühen 20. Jahrhundert Hengste anderer Rassen – darunter Konik, Exmoor-Pony und Welsh-Pony – eingekreuzt, um die genetische Basis zu verbreitern. Dennoch hat das Dülmener seinen urtümlichen Charakter weitgehend bewahrt.
Aussehen & Rassemerkmale
Das Dülmener ist ein kompaktes, eher kleinrahmiges Pony mit deutlichen Merkmalen einer Primitivpferderasse. Der Kopf ist mittelgroß mit geradem bis leicht konkavem Profil, wachen Augen und kleinen, aufmerksamen Ohren. Der Hals ist kräftig und eher kurz, der Rumpf tonnenförmig mit guter Rippenwölbung. Die Beine sind trocken, stabil und mit harten, widerstandsfähigen Hufen versehen, die in der Regel keinen Hufbeschlag benötigen.
Besonders charakteristisch sind die Falbfarben mit dem typischen Aalstrich entlang der Wirbelsäule und den gelegentlich auftretenden Zebrastreifen an den Vorderbeinen – beides Merkmale, die an die Urform des Wildpferdes erinnern. Das Langhaar ist dicht und üppig, Mähne und Schweif sind voll und bieten natürlichen Schutz gegen Witterungseinflüsse. Im Winter bildet sich ein dichtes, plüschiges Winterfell aus.
Charakter & Wesen
Dülmener sind von Natur aus wachsam, intelligent und besitzen einen ausgeprägten Herdeninstinkt. Da die Tiere über Generationen hinweg weitgehend ohne intensiven Menschenkontakt aufgewachsen sind, zeigen sie anfänglich oft eine gewisse Scheu. Mit geduldiger, einfühlsamer Arbeit lassen sie sich jedoch gut an den Menschen gewöhnen und entwickeln dann ein treues und zuverlässiges Wesen.
Ihr Temperament ist ausgeglichen, dabei aber durchaus lebhaft und verspielt, besonders in jungen Jahren. Dülmener verfügen über eine hohe Lernbereitschaft und zeigen sich bei konsequenter, ruhiger Ausbildung kooperativ. Ihr naturnahes Aufwachsen hat ihnen ein starkes Selbstbewusstsein und eine gute Trittsicherheit verliehen. Sie sind genügsam, ausdauernd und besitzen eine bemerkenswerte Nervenstärke.
Haltung & Pflege
Das Dülmener ist ein Pferd, das für die ganzjährige Offenstallhaltung oder großzügige Weidehaltung prädestiniert ist. Boxenhaltung in geschlossenen Ställen entspricht nicht den Bedürfnissen dieser Rasse. Ein ausreichend großer Auslauf mit Artgenossen ist essenziell, da Dülmener ausgeprägte Herdentiere sind und Einzelhaltung zu Verhaltensproblemen führen kann.
Die Fellpflege ist unkompliziert. Das dichte Fell reinigt sich weitgehend selbst, regelmäßiges Striegeln und Bürsten stärkt jedoch die Bindung zum Menschen und hält Haut und Fell gesund. Die Hufe sollten regelmäßig kontrolliert und ausgeschnitten werden, ein Beschlag ist bei artgerechter Haltung in der Regel nicht notwendig. Beschäftigung in Form von Bodenarbeit, leichten Reiteinheiten oder Gelände-Touren sorgt für geistige Auslastung.
Ernährung
Als extrem genügsame Rasse stellt das Dülmener keine hohen Ansprüche an die Fütterung. Gutes Weidegras und qualitativ hochwertiges Heu bilden die Grundlage der Ernährung. Kraftfutter ist in den meisten Fällen überflüssig und kann bei diesen leichtfuttrigen Ponys schnell zu Übergewicht und damit verbundenen Gesundheitsproblemen führen.
Mineralfutter und ein Salzleckstein sollten ganzjährig zur Verfügung stehen, um eine ausreichende Versorgung mit Spurenelementen und Mineralstoffen sicherzustellen. Im Winter kann die Heuration entsprechend erhöht werden, um den erhöhten Energi