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Durchfall

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Tiermedizin & Gesundheit > Krankheiten – allgemein

Definition & Überblick

Durchfall – in der Tiermedizin als Diarrhö bezeichnet – beschreibt eine erhöhte Frequenz des Kotabsatzes bei gleichzeitig veränderter Kotkonsistenz: Der Kot ist breiig, wässrig oder schleimig und weicht deutlich von der arttypischen Norm ab. Durchfall ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom, das auf eine Vielzahl zugrunde liegender Störungen hinweisen kann.

Betroffen sind praktisch alle Tierarten – Hunde, Katzen, Pferde, Kaninchen, Vögel, Reptilien und Nutztiere. Während eine einzelne, kurze Episode bei einem ansonsten munteren erwachsenen Tier oft harmlos verläuft, kann anhaltender oder schwerer Durchfall besonders bei Jungtieren, Senioren und Kleinsäugern rasch lebensbedrohlich werden. Der Grund: Massiver Flüssigkeits- und Elektrolytverlust führt innerhalb weniger Stunden zu einer gefährlichen Dehydratation (Austrocknung).

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen akutem Durchfall, der plötzlich auftritt und meist innerhalb weniger Tage abklingt, und chronischem Durchfall, der länger als zwei bis drei Wochen anhält oder wiederholt auftritt. Beide Formen erfordern unterschiedliche diagnostische und therapeutische Herangehensweisen.

Ursachen & Risikofaktoren

Die Ursachen für Diarrhö beim Tier sind außerordentlich vielfältig. Grob lassen sie sich in folgende Gruppen einteilen:

  • Infektiöse Ursachen: Viren (z. B. Parvovirus beim Hund, Coronavirus bei der Katze, Rotaviren beim Kalb), Bakterien (Salmonellen, Campylobacter, Clostridien), Parasiten (Giardien, Kokzidien, Spulwürmer, Bandwürmer) und Pilze.
  • Alimentäre Ursachen (fütterungsbedingt): Abrupter Futterwechsel, Futterunverträglichkeiten, verdorbenes Futter, Aufnahme von Fremdkörpern oder Müll (sogenanntes Dietary Indiscretion, häufig beim Hund).
  • Futtermittelallergie: Immunologische Reaktion auf bestimmte Proteine oder Kohlenhydrate im Futter, die zu chronisch-rezidivierendem Durchfall führt.
  • Toxische Ursachen: Vergiftungen durch Pflanzen, Schwermetalle, Medikamente oder Haushaltschemikalien.
  • Organische Erkrankungen: Entzündliche Darmerkrankungen (IBD – Inflammatory Bowel Disease), Pankreasinsuffizienz (exokrine Pankreasinsuffizienz, EPI), Leber- und Nierenerkrankungen, Tumore des Magen-Darm-Trakts.
  • Stress und psychische Belastung: Transportstress, Umgebungswechsel, Vergesellschaftung neuer Tiere.
  • Medikamenten-Nebenwirkungen: Antibiotika, nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAIDs) und bestimmte Wurmkuren können die Darmflora stören.

Zu den Risikofaktoren gehören junges oder hohes Alter, ein geschwächtes Immunsystem, mangelnder Impfschutz, Haltung in größeren Tiergruppen (Zwinger, Tierheim, Stall) sowie unregelmäßige Entwurmung.

Symptome & Erkennung

Das Leitsymptom ist die veränderte Kotkonsistenz: von leicht aufgeweicht über breiig und schleimig bis hin zu wässrig. Zusätzlich können folgende Begleiterscheinungen auftreten:

  • Erhöhte Absatzfrequenz – das Tier setzt deutlich häufiger Kot ab als gewöhnlich.
  • Beimengungen – Blut (frisches Blut deutet auf den Dickdarm, dunkles, teerartiges Blut, sogenannte Meläna, auf den Dünndarm oder Magen hin), Schleim oder unverdaute Futterbestandteile.
  • Erbrechen – häufig gleichzeitig vorhanden, dann spricht man von Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung).
  • Appetitlosigkeit (Anorexie) und Gewichtsverlust.
  • Apathie, Mattigkeit und verminderte Aktivität.
  • Dehydratation – erkennbar an stehenden Hautfalten, trockenen Schleimhäuten, eingesunkenen Augen und verlängerter kapillärer Rückfüllzeit.
  • Fieber oder Untertemperatur – je nach Grundursache.
  • Bauchschmerzen (Abdominalalgie) – das Tier zeigt eine aufgekrümmte Haltung, reagiert empfindlich bei Berührung des Bauches oder presst häufig.

Bei Kaninchen und anderen Kleinsäugern ist Durchfall ein besonders ernstes Warnsignal, da ihr empfindliches Verdauungssystem schnell entgleist und eine Dysbiose (Störung der Darmflora) rasch tödlich verlaufen kann.

Diagnose

Die Diagnostik beginnt mit einer gründlichen Anamnese: Der Tierarzt fragt nach Fütterung, Haltungsbedingungen, Impfstatus, Entwurmungshistorie, Dauer und Charakter des Durchfalls sowie möglichem Kontakt zu erkrankten Tieren oder Giftstoffen. Es folgt eine klinische Allgemeinuntersuchung mit Beurteilung des Hydratationsstatus, Abtasten des Abdomens und Messung der Körpertemperatur.

Je nach Verdachtsdiagnose kommen weiterführende Untersuchungen zum Einsatz:

  • Kotuntersuchung (Koproskopie): Mikroskopische Untersuchung auf Parasiteneier, Oozysten und Giardien-Antigene; bakteriologische Kultur bei Verdacht auf pathogene Keime.
  • Blutuntersuchung: Blutbild und Serum