Entzündung
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Definition & Überblick
Eine Entzündung (lateinisch Inflammatio) ist eine komplexe Abwehrreaktion des Körpers auf schädliche Reize. Sie stellt keinen eigenständigen Krankheitszustand dar, sondern ist eine grundlegende biologische Antwort des Immunsystems, die bei sämtlichen Tierarten vorkommt – von Hund, Katze und Pferd über Vögel bis hin zu Reptilien und Kleinsäugern. Das Ziel dieser Reaktion ist es, den auslösenden Reiz zu beseitigen, geschädigtes Gewebe abzubauen und die Heilung einzuleiten.
In der Tiermedizin wird zwischen akuter Entzündung und chronischer Entzündung unterschieden. Die akute Form setzt rasch ein, zeigt deutliche Symptome und klingt idealerweise innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen ab. Die chronische Form entwickelt sich schleichend oder entsteht aus einer unzureichend ausgeheilten akuten Entzündung. Sie kann über Wochen, Monate oder sogar Jahre bestehen und zu dauerhafter Gewebeschädigung führen.
Die medizinische Benennung entzündlicher Erkrankungen folgt einem einheitlichen Schema: An den lateinischen oder griechischen Namen des betroffenen Organs wird die Endung -itis angehängt. So bezeichnet Arthritis eine Gelenkentzündung, Dermatitis eine Hautentzündung, Otitis eine Ohrentzündung, Gastritis eine Magenentzündung und Pneumonie (Pneumonitis) eine Lungenentzündung.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Auslöser entzündlicher Prozesse beim Tier sind vielfältig und lassen sich in mehrere Hauptgruppen einteilen:
- Infektiöse Ursachen: Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten zählen zu den häufigsten Auslösern. Beispiele sind bakterielle Wundinfektionen, virale Atemwegserkrankungen oder Pilzbefall der Haut (Dermatomykose).
- Physikalische Ursachen: Traumata wie Prellungen, Knochenbrüche, Verbrennungen, Erfrierungen oder Fremdkörper (etwa Grannen im Gehörgang) lösen eine lokale Entzündungsreaktion aus.
- Chemische Ursachen: Kontakt mit Giftstoffen, ätzenden Substanzen oder bestimmte Medikamentennebenwirkungen können Gewebe schädigen und Entzündungen hervorrufen.
- Immunologische Ursachen: Allergien und Autoimmunerkrankungen führen zu überschießenden oder fehlgeleiteten Entzündungsreaktionen, bei denen das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift.
Zu den Risikofaktoren gehören ein geschwächtes Immunsystem (etwa durch Stress, Mangelernährung oder Vorerkrankungen), hohes oder sehr junges Alter, mangelnde Hygiene, offene Wunden ohne Versorgung, chronische Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus sowie rassebedingte Prädispositionen. Hunde mit ausgeprägten Hautfalten neigen beispielsweise zu wiederkehrenden Hautfaltenekzemen (Intertrigo), Katzen mit Brachyzephalie zu chronischen Entzündungen der oberen Atemwege.
Symptome & Erkennung
Bereits in der Antike definierte der römische Mediziner Celsus die fünf klassischen Kardinalsymptome einer Entzündung, die auch in der Veterinärmedizin unverändert gelten:
- Rubor (Rötung): Durch die verstärkte Durchblutung des betroffenen Gewebes erscheint die Haut oder Schleimhaut gerötet.
- Calor (Überwärmung): Die betroffene Stelle fühlt sich im Vergleich zur Umgebung deutlich wärmer an.
- Tumor (Schwellung): Flüssigkeitsaustritt aus den Blutgefäßen ins Gewebe (Ödem) führt zu einer sichtbaren und tastbaren Schwellung.
- Dolor (Schmerz): Durch die Schwellung und freigesetzte Entzündungsmediatoren wie Prostaglandine und Histamin entsteht eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit.
- Functio laesa (gestörte Funktion): Das betroffene Organ oder Körperteil kann seine Funktion nicht mehr uneingeschränkt erfüllen – ein entzündetes Gelenk wird geschont, ein entzündeter Darm verursacht Durchfall.
Neben diesen lokalen Zeichen können systemische Symptome auftreten: Fieber (Pyrexie), Appetitlosigkeit, Mattigkeit, erhöhte Atem- oder Herzfrequenz und allgemeines Unwohlsein. Tierbesitzer bemerken häufig zunächst Verhaltensänderungen wie Rückzug, verminderte Spielfreude, vermehrtes Lecken oder Beknabbern bestimmter Körperstellen, Lahmheit oder veränderte Nahrungs- und Wasseraufnahme.
Diagnose
Die tierärztliche Diagnostik bei Verdacht auf eine Entzündung folgt einem strukturierten Vorgehen. Am Beginn steht die klinische Untersuchung mit Adspektion (Betrachtung), Palpation (Abtasten) und Messung der Körpertemperatur. Bereits hierbei lassen sich die Kardinalsymptome häufig objektivieren.
Zur weiteren Abklärung stehen zahlreiche diagnostische Verfahren zur Verfügung:
- Blutuntersuchung: Das große Blutbild zeigt bei Entzündungen typischerweise eine Leukozytose (erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen). Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein (CRP) beim Hund oder das Serum-Amyloid A (SAA) bei Katze und Pferd ermöglichen eine quantitative Beurteilung des Entzündungsgeschehens.
- Bildgebende Verfahren: Röntgen, Ultraschall (Sonografie), Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) machen entzündliche Veränderungen an inneren Organen, Gelenken und Knochen sichtbar.
- Zytologische Untersuchung: Abstriche, Feinnadelaspirate oder Tupferproben werden mikroskopisch auf Entzündungszellen, Erreger und Zellveränderungen untersucht.