Fieber
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Definition & Überblick
Fieber – in der Fachsprache als Pyrexie bezeichnet – ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom. Es handelt sich um eine kontrollierte Erhöhung der Körperkerntemperatur über den physiologischen Normwert hinaus, gesteuert durch das Thermoregulationszentrum im Hypothalamus des Gehirns. Der Organismus verschiebt dabei bewusst seinen Temperatur-Sollwert nach oben, meist als Abwehrreaktion auf Infektionen, Entzündungen oder andere pathologische Prozesse.
Die normale Körpertemperatur variiert je nach Tierart erheblich: Bei Hunden liegt sie zwischen 38,0 und 39,0 °C, bei Katzen zwischen 38,0 und 39,3 °C, bei Pferden zwischen 37,5 und 38,5 °C und bei Kaninchen zwischen 38,5 und 40,0 °C. Von Fieber spricht man, wenn die rektale Temperatur den jeweiligen artspezifischen Normbereich überschreitet. Eine leichte Erhöhung bis etwa 0,5 °C über der Obergrenze wird als Subfebrilität (subfebrile Temperatur) bezeichnet, während Werte deutlich darüber als manifestes Fieber gelten. Temperaturen oberhalb von 41,0 °C bei Hund und Katze sind als Hyperthermie potenziell lebensbedrohlich.
Wichtig ist die Abgrenzung: Echtes Fieber entsteht durch eine zentral gesteuerte Sollwertverstellung mittels sogenannter Pyrogene (fieberauslösende Substanzen). Eine Hyperthermie hingegen – etwa durch Hitzschlag oder extreme körperliche Belastung – resultiert aus einer Überwärmung ohne zentrale Regulation und erfordert ein grundlegend anderes therapeutisches Vorgehen.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Ursachen für Fieber bei Tieren sind vielfältig. Am häufigsten liegen infektiöse Ursachen zugrunde:
- Bakterielle Infektionen – etwa Abszesse, Wundinfektionen, Pyometra (Gebärmuttervereiterung), Leptospirose oder bakterielle Pneumonie
- Virale Infektionen – darunter Staupe, Parvovirose, Katzenschnupfen, Influenza beim Pferd oder die Myxomatose beim Kaninchen
- Parasitäre Erkrankungen – beispielsweise Babesiose, Leishmaniose oder schwerer Wurmbefall
- Pilzinfektionen – systemische Mykosen, die vor allem bei immungeschwächten Tieren auftreten
Daneben existieren zahlreiche nicht-infektiöse Ursachen: immunmediierte Erkrankungen wie die immunmediierte hämolytische Anämie (IMHA) oder Polyarthritis, Tumorerkrankungen (insbesondere Lymphome und Leukämien), Gewebsnekrosen nach Traumata sowie Medikamentenreaktionen. In der Tiermedizin wird die Abkürzung FUO (Fever of Unknown Origin, Fieber unbekannter Ursache) verwendet, wenn trotz gründlicher Diagnostik keine eindeutige Ursache identifiziert werden kann.
Zu den Risikofaktoren zählen ein geschwächtes Immunsystem (etwa bei Jungtieren, geriatrischen Patienten oder unter immunsuppressiver Therapie), fehlender oder unvollständiger Impfschutz, Freilaufhaltung mit erhöhter Infektionsgefahr sowie chronische Grunderkrankungen.
Symptome & Erkennung
Fieber äußert sich bei Tieren durch eine Reihe typischer Allgemeinsymptome, die Tierhalter aufmerksam beobachten sollten:
- Abgeschlagenheit und Lethargie – das Tier wirkt müde, bewegt sich ungern und zieht sich zurück
- Appetitlosigkeit (Anorexie) und verminderte Wasseraufnahme oder gesteigerte Wasseraufnahme (Polydipsie)
- Erhöhte Atemfrequenz (Tachypnoe) und beschleunigter Herzschlag (Tachykardie)
- Wärmeempfinden – Ohren, Pfoten oder Nase können sich ungewöhnlich warm anfühlen, wobei dies kein zuverlässiger Indikator ist
- Schüttelfrost und Muskelzittern – besonders in der Phase des Fieberanstiegs
- Trockene, warme Nase bei Hunden – ein häufig genanntes, jedoch sehr unspezifisches Zeichen
Je nach Grunderkrankung treten zusätzliche Symptome auf: Husten und Nasenausfluss bei Atemwegsinfektionen, Durchfall und Erbrechen bei gastrointestinalen Infektionen, Lahmheit bei Gelenksentzündungen oder geschwollene Lymphknoten (Lymphadenopathie) bei systemischen Erkrankungen. Fieber kann als einmaliges Ereignis, intermittierend (wiederkehrend mit fieberfreien Intervallen), remittierend (schwankend ohne Normalisierung) oder als Dauerfieber (Febris continua) auftreten – das Verlaufsmuster liefert dem Tierarzt wertvolle diagnostische Hinweise.
Diagnose
Die zuverlässige Fiebermessung erfolgt ausschließlich rektal mit einem digitalen Thermometer. Infrarot-Ohrthermometer, die in der Humanmedizin verbreitet sind, liefern bei Tieren häufig ungenaue Werte und eignen sich nicht als alleinige Methode. Die rektale Messung sollte behutsam mit etwas Vaseline oder Gleitmittel durchgeführt werden.
Hat der Tierarzt Fieber festgestellt, beginnt die ursächliche Diagnostik. Sie umfasst typischerweise:
- Klinische Allgemeinuntersuchung – Abtasten der Lymphknoten, Auskultation von Herz und Lunge, Kontrolle der Schleimhäute und der kapillären Rückfüllzeit
- Blutuntersuchung – großes Blutbild (Hämatologie) mit Differenzialblutbild zur Beurteilung von Entzündungsmarkern, Leukozytose oder Leukopenie; blutchemisches Profil zur Überprüfung der Organfunktionen; Bestimmung von Akute-Phase-Proteinen wie C-reaktivem Protein (CRP)