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Fjordpferd

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Rassen > Pferderassen

Steckbrief

  • Herkunft: Norwegen (Vestlandet / Westfjorde)
  • Rassestandard: Norsk Fjordhestsenter; international betreut durch die Fjord Horse International (FHI)
  • Zuchtverband (D): Interessengemeinschaft Fjordpferd e.V. (IGF), Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN)
  • Stockmaß: 135–150 cm
  • Gewicht: 400–550 kg
  • Lebenserwartung: 25–30 Jahre, bei guter Haltung auch darüber
  • Fell/Farben: Ausschließlich Falben in fünf anerkannten Farbvarianten – Braunfalbe (häufigste Variante), Rotfalbe, Graufalbe, Hellfalbe und Gelbfalbe. Charakteristisch ist der dunkle Aalstrich vom Scheitel bis zur Schweifrübe sowie die Zebrastreifen an den Beinen.

Herkunft & Geschichte

Das Fjordpferd zählt zu den ältesten und reinsten Pferderassen Europas. Seine Abstammung lässt sich auf die Wildpferde zurückführen, die nach der letzten Eiszeit die skandinavische Halbinsel besiedelten. Archäologische Funde belegen, dass bereits die Wikinger Pferde dieses Typs züchteten und als robuste Reit-, Pack- und Zugtiere nutzten. Runensteine und Sagas dokumentieren ihre Bedeutung in Krieg und Alltag.

Die gezielte Reinzucht begann in Norwegen im 19. Jahrhundert. 1886 wurde das erste Zuchtbuch eröffnet, und der Hengst Njål 166 gilt als einer der einflussreichsten Begründer der modernen Fjordpferdezucht. Seitdem wurde konsequent auf Typ, Gesundheit und Vielseitigkeit selektiert. Eine Einkreuzung anderer Rassen – etwa des Dole-Gudbrandsdal – wurde früh unterbunden, um den ursprünglichen Charakter zu bewahren.

Im 20. Jahrhundert verbreitete sich das Fjordpferd über ganz Europa und Nordamerika. In Deutschland existiert eine aktive Zuchtbasis, die eng mit dem norwegischen Mutterstutbuch zusammenarbeitet. Der Zuchtverband IGF koordiniert Hengstkörungen und Stutbucheintragungen nach den strengen norwegischen Richtlinien.

Aussehen & Rassemerkmale

Das Fjordpferd verkörpert den Typ eines kompakten, muskulösen Kleinpferdes mit harmonischen Proportionen. Der Kopf ist mittelgroß, breit in der Stirn, mit großen ausdrucksvollen Augen und kleinen, aufmerksamen Ohren. Das Profil ist gerade bis leicht konkav. Der kräftige, gut aufgesetzte Hals geht in einen gut bemuskelten Widerrist und einen breiten, tragfähigen Rücken über.

Typisch ist die Stehmähne, die traditionell in einem Bogen geschnitten wird, sodass der dunkle Aalstrich in der Mitte sichtbar bleibt, eingerahmt von den helleren Außenhaaren. Dieses markante Erscheinungsbild gehört zum Rasseideal und wird bei Schauen bewertet. Die Beine sind trocken, mit kurzen, kräftigen Röhren und harten, dunklen Hufen, die selten beschlagen werden müssen. Leichter Kötenbehang kann vorkommen, ist aber nicht übermäßig ausgeprägt.

Der Rassestandard legt besonderen Wert auf korrekte Gliedmaßenstellung, ein raumgreifendes, taktklares Gangwerk in Schritt und Trab sowie einen insgesamt harmonischen, gedrungenen Körperbau mit deutlicher Geschlechtsausprägung.

Charakter & Wesen

Das Fjordpferd ist für sein ausgeglichenes, freundliches und kooperatives Wesen bekannt. Es gilt als ausgesprochen menschenbezogen, geduldig und nervenstark. Gleichzeitig bringt es eine natürliche Neugier und Arbeitsbereitschaft mit, die es zu einem vielseitig einsetzbaren Partner macht.

Trotz seiner Gelassenheit ist das Fjordpferd keineswegs stumpf. Es zeigt Temperament und Gehfreude, wenn es gefordert wird, bleibt dabei aber stets kontrollierbar und berechenbar. Diese Kombination aus Sanftmut und Leistungsbereitschaft macht die Rasse besonders vertrauenswürdig im Umgang mit Kindern und unerfahrenen Reitern. Im Herdenverband verhält sich das Fjordpferd in der Regel sozial und verträglich. Es baut enge Bindungen zu Bezugspersonen auf und zeigt sich treu und zuverlässig – Eigenschaften, die über Generationen hinweg selektiert wurden.

Haltung & Pflege

Als Robustrasse ist das Fjordpferd hervorragend für die ganzjährige Offenstall- oder Laufstallhaltung geeignet. Es benötigt ausreichend Auslauf und Sozialkontakt zu Artgenossen. Eine reine Boxenhaltung widerspricht seinem Bewegungsbedürfnis und seinem Naturell. Ideal sind große Weideflächen mit Unterstellmöglichkeiten, ergänzt durch Rau- und Saftfutter in den Wintermonaten.

Die Fellpflege ist unkompliziert. Das dichte Winterfell bietet Schutz vor Kälte und Nässe, sollte aber regelmäßig ausgebürstet werden, um Hautprobleme zu vermeiden. Die Stehmähne muss etwa alle sechs bis acht Wochen nachgeschnitten werden, um die rassetypische Form zu erhalten. Die Hufe sollten alle sechs bis acht Wochen vom Hufschmied oder Hufpfleger kontrolliert und bearbeitet werden.

An Beschäftigung bietet sich ein breites Spektrum an: Wanderreiten, Fahren, Dressur- und Springgymnastik bis zur mittleren Klasse, therapeutisches Reiten, Bodenarbeit und Zirkuslektionen. Das Fjordpferd braucht geistige und körperliche Auslastung, um ausgeglichen zu bleiben.

Ernährung

Fjordpferde sind äußerst leichtfuttrig – ein Erbe ihrer kargen skandinavischen Heimat. Die Basis der Ernährung sollte qualitativ hochwertiges Heu bilden, ergänzt durch Mineralfutter. Kraftfutter ist in den meisten Fällen nur bei erhöhter Arbeitsbelastung nötig und sollte sparsam dosiert werden. Besonders auf üppigen Sommerweiden besteht die Gefahr der Überfütterung, die rasch zu Übergewicht und metabolischen Problemen führen kann.

Eine kontrollierte Weidezeit