Flughaut
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Definition & Überblick
Als Flughaut (lat. Patagium) bezeichnet man eine dünne, elastische Hautmembran, die zwischen Körper und Extremitäten oder zwischen einzelnen Gliedmaßenabschnitten aufgespannt ist und der aktiven Flugbewegung oder dem passiven Gleiten dient. Die Flughaut stellt eine der bemerkenswertesten evolutionären Anpassungen im Tierreich dar und ist unabhängig voneinander in mehreren Tiergruppen entstanden – ein klassisches Beispiel für konvergente Evolution. Funktionell handelt es sich um eine Tragfläche biologischen Ursprungs, die den aerodynamischen Auftrieb erzeugt, der für den Flug oder Gleitflug erforderlich ist.
In der vergleichenden Anatomie unterscheidet man grundsätzlich zwischen der Flughaut echter Flieger (Fledertiere, ausgestorbene Flugsaurier) und der Gleitmembran von Gleittieren (Gleithörnchen, Gleitbeutler, Flugdrachen). Obwohl letztere streng genommen keinen aktiven Schlagflug ermöglicht, wird sie umgangssprachlich und in der zoologischen Literatur ebenfalls als Flughaut bezeichnet.
Aufbau & Struktur
Die Flughaut besteht aus einer doppellagigen Hautfalte, zwischen deren beiden Epidermis- und Dermisschichten sich Bindegewebe, elastische Fasern, glatte Muskulatur, Blutgefäße und Nerven befinden. Dieser Grundaufbau variiert je nach Tiergruppe erheblich:
- Epidermis: Eine dünne, bei Fledermäusen nahezu haarlose Oberhaut, die dennoch mechanisch widerstandsfähig ist und sich nach kleinen Verletzungen erstaunlich schnell regeneriert.
- Dermis: Die Lederhaut enthält ein dichtes Netzwerk aus Kollagenfasern und elastischen Fasern (Elastin), die der Membran sowohl Reißfestigkeit als auch Dehnbarkeit verleihen.
- Muskulatur: In die Flughaut eingelagerte glatte Muskelfasern (bei Fledertieren als Musculi plagiopatagiales bezeichnet) ermöglichen eine aktive Regulierung der Membranspannung während des Fluges.
- Gefäßversorgung: Ein ausgedehntes Netz aus Arterien, Venen und Kapillaren durchzieht die Membran. Bei Fledertieren dient dieses Gefäßnetz zusätzlich der Thermoregulation.
- Innervation: Zahlreiche sensorische Nervenendigungen, darunter Mechanorezeptoren (Merkel-Zellen, freie Nervenendigungen), registrieren Luftströmungen und Vibrationen. Bei Fledermäusen befinden sich an den Flughäuten feine Tasthaare, die als aerodynamische Sensoren fungieren.
Bei den Fledertieren (Chiroptera) gliedert sich die Flughaut in mehrere anatomisch definierte Abschnitte: das Propatagium (Vorflughaut, zwischen Schulter und Handgelenk), das Plagiopatagium (Seitenflughaut, zwischen Arm, verlängerten Fingern und Körperseite), das Dactylopatagium (Fingerflughaut, zwischen den einzelnen Fingern) sowie das Uropatagium (Schwanzflughaut, zwischen den Hinterextremitäten und dem Schwanz).
Funktion
Die primäre Funktion der Flughaut ist die Erzeugung von aerodynamischem Auftrieb. Durch das Aufspannen der Membran zwischen den Skelettstrukturen entsteht eine große Tragfläche bei vergleichsweise geringer Körpermasse – ein günstiges Verhältnis von Flügelfläche zu Körpergewicht (Flächenbelastung).
Bei aktiv fliegenden Arten wie den Fledertieren erlaubt die flexible Membran eine hochdynamische Formveränderung der Tragfläche während jeder Flügelschlagphase. Die eingelagerte Muskulatur und die langen, dünnen Fingerknochen (Digiti II–V) ermöglichen eine differenzierte Steuerung von Wölbung (Camber), Anstellwinkel und Flügelspannweite. Dies verleiht Fledertieren eine Manövrierfähigkeit, die jene der Vögel in vielen Aspekten übertrifft.
Bei Gleittieren wie dem Riesengleiter (Dermoptera) oder den Gleithörnchen (Pteromyini) dient die Flughaut ausschließlich dem passiven Gleitflug. Die Membran wird beim Absprung durch Abspreizen der Extremitäten entfaltet und ermöglicht kontrollierte Gleitstrecken von teils über 100 Metern.
Zusätzliche Funktionen umfassen die Thermoregulation über die großflächige, gut durchblutete Membran, den Beutefang bei insektivoren Fledermäusen (das Uropatagium dient als Kescher) sowie die taktile Wahrnehmung von Luftströmungen.
Unterschiede zwischen Tierarten
- Fledertiere (Chiroptera): Die am stärksten spezialisierte Flughaut im Säugetierreich. Die gesamte Hand ist in die Tragfläche integriert, wobei vier stark verlängerte Finger (Digiti II–V) als Spannelemente dienen. Einzig der Daumen (Pollex) bleibt frei und trägt eine Kralle.
- Gleithörnchen (Pteromyini): Die Gleitmembran (Plagiopatagium) spannt sich zwischen Vorder- und Hinterextremität. Ein knorpeliger Styliformknochen am Handgelenk vergrößert die Fläche zusätzlich. Keine Einbeziehung der Finger.
- Riesengleiter (Dermoptera): Besitzen die proportional größte Gleitmembran aller Säugetiere. Sie erstreckt sich vom Hals über die Extremitäten bis zur Schwanzspitze und schließt sogar die Zehen mit ein.
- Flugdrachen (Draco): Bei diesen südostasiatischen Eidechsen wird die Gleitmembran nicht von den Extremitäten, sondern von stark verlängerten Rippen aufgespannt – ein morphologisch völlig anderer Lösungsansatz.
- Flugsaurier