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Gämse

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Tierart – Säugetiere > Huftiere – Ziegen & Schafe

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Rupicapra rupicapra
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Familie: Hornträger (Bovidae)
  • Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
  • Gattung: Gämsen (Rupicapra)
  • Lebensraum: Gebirgsregionen Europas und Kleinasiens, alpine Matten, Felsfluren, subalpine Wälder
  • Körperlänge: 110–130 cm
  • Schulterhöhe: 70–85 cm
  • Gewicht: 25–50 kg (Böcke schwerer als Geißen)
  • Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Die Gämse ist ein mittelgroßer, kompakt gebauter Gebirgshuftier mit ausgeprägtem Geschlechtsdimorphismus hinsichtlich der Körpermasse: Böcke erreichen ein Gewicht von bis zu 50 kg, während Geißen in der Regel zwischen 25 und 35 kg wiegen. Der Körperbau ist an das Leben in steilem, felsigem Gelände angepasst – die Beine sind verhältnismäßig kurz und kräftig, die Hufe mit weichen, gummiartigen Sohlen versehen, die auf glattem Fels hervorragenden Halt bieten.

Das Fell unterliegt einem deutlichen saisonalen Wechsel. Im Sommer ist es kurz und rotbraun bis gelbbraun gefärbt. Im Winter entwickelt sich ein dichtes, dunkelbraunes bis fast schwarzes Haarkleid mit langer Unterwolle, das die Tiere vor Kälte und Nässe schützt. Entlang des Rückgrats tragen Böcke im Winter besonders lange Grannenhaare, den sogenannten Gamsbart, der traditionell als Hutschmuck Verwendung findet.

Charakteristisch ist die Gesichtszeichnung: Ein heller Grundton mit zwei dunklen Streifen, die von den Ohren über die Augen zur Schnauze verlaufen. Beide Geschlechter tragen Krucken – so der jagdliche Fachausdruck für die nach hinten gebogenen, hakenförmigen Hörner, die aus Keratin bestehen und zeitlebens wachsen. Sie erreichen eine Länge von 15–25 cm, wobei die Hörner der Böcke im Regelfall kräftiger ausgebildet sind und einen stärkeren Haken aufweisen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gämse erstreckt sich über die Gebirgsregionen Europas und Westasiens. Die Art besiedelt die Alpen, die Pyrenäen, den Balkan, die Karpaten, den Kaukasus sowie Teile der Gebirge Kleinasiens. In den Alpen liegt das Hauptverbreitungsgebiet; hier leben die größten Bestände in Österreich, der Schweiz, Südtirol und Bayern.

Als typisches Habitat dienen subalpine und alpine Zonen zwischen 800 und 2.500 Metern Höhe. Die Tiere bevorzugen ein Mosaik aus steilen Felswänden, Geröllhalden, Bergwiesen und lichten Bergwäldern. Im Sommer halten sich Gämsen vorwiegend oberhalb der Waldgrenze auf alpinen Matten und in Felsfluren auf. Im Winter ziehen sie in tiefere Lagen und suchen Schutz in Bergwäldern, die ihnen Deckung vor Lawinen und Schneestürmen bieten.

Neben der Alpengämse (Rupicapra rupicapra) existiert eine zweite Art innerhalb der Gattung: die Pyrenäengämse (Rupicapra pyrenaica), die in den Pyrenäen, dem Kantabrischen Gebirge und den Abruzzen vorkommt. Insgesamt werden bei der Alpengämse mehrere Unterarten unterschieden, darunter die Karpatengämse (R. r. carpatica) und die Kaukasus-Gämse (R. r. caucasica).

Ernährung

Gämsen sind Pflanzenfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum, das sich je nach Jahreszeit und Verfügbarkeit verändert. Im Frühling und Sommer bilden frische Gräser, Kräuter und Alpenkräuter wie Enzian, Klee und Wegerich die Hauptnahrung. Auf den Bergwiesen weiden die Tiere gezielt nährstoffreiche Pflanzen ab.

Im Herbst ergänzen Beeren, Pilze und Früchte den Speiseplan. Während der Wintermonate, wenn Schnee die alpinen Weideflächen bedeckt, weichen Gämsen auf Knospen, Triebe, Flechten, Moose und die Rinde von Laubbäumen und Nadelbäumen aus. In schneereichen Wintern kann die Nahrungssuche erheblichen Energieaufwand erfordern, weshalb die Tiere im Herbst Fettreserven anlegen.

Verhalten & Lebensweise

Gämsen sind überwiegend tagaktiv mit Aktivitätsschwerpunkten in den frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden. Geißen und Jungtiere leben ganzjährig in Rudeln von 15–30 Tieren, die von einer erfahrenen Leitgeiß angeführt werden. Böcke leben außerhalb der Brunftzeit einzelgängerisch oder in lockeren Bockgruppen.

Die Tiere sind äußerst trittsicher und bewegen sich mit großer Geschicklichkeit in steilem, felsigem Gelände. Bei Gefahr stoßen sie einen scharfen Pfeifton aus, der das gesamte Rudel alarmiert. Dieser Warnlaut wird durch Auspressen von Luft durch die Nase erzeugt. Zusätzlich verströmen die hinter den Hörnern gelegenen Brunftfeigen – spezielle Duftdrüsen – ein Sekret, das der Kommunikation dient.

Im Sommer nutzen Gämsen ausgedehnte Streifgebiete in den Hochlagen. Mit Einbruch des Winters verdichten sich die Gruppen in geschützten Waldbiotopen, wo der Energieverbrauch durch reduzierte Aktivität und das dichte Winterfell minimiert wird.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brunft findet von Mitte November bis Anfang Dezember statt. In dieser Phase suchen die Böcke aktiv die Geißenrudel auf und versuchen, einzelne Weibchen von der Gruppe abzutrennen. Zwischen rivalisierenden Böcken kommt es zu Imponierverhalten, Verfolgungsjagden