Mähnenspringer
MTierart – Säugetiere > Huftiere – Ziegen & Schafe
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Ammotragus lervia
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hornträger (Bovidae)
- Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
- Gattung: Ammotragus
- Lebensraum: Felsige Gebirgs- und Wüstenregionen Nordafrikas
- Körperlänge: 130–170 cm
- Schulterhöhe: 75–110 cm
- Gewicht: 40–145 kg (Böcke deutlich schwerer als Weibchen)
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre (in Gefangenschaft bis 24 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Der Mähnenspringer ist ein kräftig gebauter Vertreter der Ziegenartigen, der auf den ersten Blick sowohl an Ziegen als auch an Schafe erinnert. Das kurze, dichte Fell ist sandfarben bis rötlich-braun und passt sich hervorragend an die steinigen, trockenen Lebensräume an. An der Unterseite von Hals, Brust und Vorderbeinen trägt das Tier eine auffällige, lang herabhängende Mähne aus weichem Haar, die dem Mähnenspringer seinen deutschen Namen verleiht. Diese Behaarung kann bei älteren Böcken bis fast auf den Boden reichen.
Beide Geschlechter tragen nach hinten geschwungene, seitlich abgeflachte Hörner. Bei den Böcken werden diese bis zu 80 cm lang und weisen ausgeprägte Querrillen auf. Die Hörner der Weibchen sind kürzer und schlanker, erreichen aber immerhin 40 cm Länge. Der kurze Schwanz endet in einer dunklen Quaste. Die Hufe sind schmal und hart, was dem Tier eine außerordentliche Trittsicherheit auf felsigem Untergrund verleiht.
Böcke sind deutlich größer und massiger als Weibchen. Ausgewachsene männliche Tiere bringen bis zu 145 kg auf die Waage, während Weibchen selten mehr als 70 kg wiegen. Dieser ausgeprägte Geschlechtsdimorphismus zeigt sich auch in der Länge der Mähne und der Hornentwicklung.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Mähnenspringers erstreckt sich über die Gebirgsregionen Nordafrikas – vom Atlasgebirge in Marokko und Algerien über das Aïr-Gebirge im Niger bis in die Bergregionen Libyens, Ägyptens, Tschads und des Sudans. Das bevorzugte Habitat sind trockene, felsige Gebirgszüge, Schluchten und Steilhänge in Höhenlagen zwischen 200 und 4.000 Metern. Der Mähnenspringer kommt sowohl in echten Wüstengebirgen als auch in halbtrockenen Savannenrandgebieten vor.
Durch gezielte Aussetzungen hat sich die Art im 20. Jahrhundert auch außerhalb Afrikas etabliert. In Spanien, insbesondere in Südostspanien (Murcia, Almería), existieren stabile verwilderte Populationen, die auf Jagdgatter-Entlassungen zurückgehen. Ebenso gibt es eingebürgerte Bestände im Südwesten der USA, etwa in New Mexico und Texas. Diese Neozoen-Populationen stehen teilweise in Konkurrenz zu einheimischen Arten wie dem Dickhornschaf.
Im natürlichen Verbreitungsgebiet ist der Mähnenspringer an extrem wasserarme Biotope angepasst. Die Tiere können ihren Flüssigkeitsbedarf über längere Perioden allein durch die Feuchtigkeit in ihrer Nahrung decken.
Ernährung
Der Mähnenspringer ist ein reiner Pflanzenfresser mit einer ausgesprochen opportunistischen Ernährungsstrategie. Die Nahrung setzt sich aus Gräsern, Kräutern, Blättern, Flechten und Rinde zusammen. In der kargen Vegetation seines Lebensraumes frisst er praktisch alles Verfügbare, darunter auch dornige Büsche und trockene Pflanzenteile, die andere Huftiere meiden.
Die Art kann lange ohne freies Trinkwasser auskommen. In der Trockenzeit reicht den Tieren der Wassergehalt ihrer pflanzlichen Nahrung aus. Wenn Wasserquellen verfügbar sind, suchen Mähnenspringer diese jedoch regelmäßig auf, bevorzugt in den kühleren Morgen- oder Abendstunden.
Verhalten & Lebensweise
Mähnenspringer sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, was eine Anpassung an die extremen Temperaturen ihres Habitats darstellt. Während der heißen Mittagsstunden ruhen sie im Schatten von Felsvorsprüngen oder in Höhlungen. In Regionen mit geringerem menschlichem Druck zeigen sie auch tagaktive Verhaltensweisen.
Die Tiere leben in kleinen Gruppen von 5 bis 20 Individuen, bestehend aus mehreren Weibchen, deren Jungtieren und einem dominanten Bock. Jüngere Böcke bilden mitunter eigene Junggesellengruppen oder streifen einzelgängerisch umher. Die Gruppen bewohnen feste Streifgebiete, die aber nicht aktiv als Revier gegen Artgenossen verteidigt werden.
Die Kletterfähigkeiten des Mähnenspringers sind herausragend. Er bewegt sich selbst in nahezu senkrechten Felswänden sicher und kann aus dem Stand über zwei Meter hoch springen. Bei Gefahr fliehen die Tiere in unzugängliches Gelände, wo sie sich reglos an Felsen pressen – die Tarnfarbe des Fells macht sie dort nahezu unsichtbar.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in den Herbst, zwischen September und November. Während der Brunft tragen die Böcke rituelle Kämpfe aus, bei denen sie mit gesenkten Köpfen aufeinander zulaufen und die Hörner gegeneinanderschlagen. Diese Kommentkämpfe dienen der Rangordnung und enden selten mit ernsthaften Verletzungen.
Nach einer Tragzeit von etwa 150 bis 160 Tagen bringt das Weibchen ein bis drei Jungtiere zur Welt, wobei Zwillinge am häufigsten vorkommen. Die Lämmer wiegen bei der Geburt rund 2 bis 4 kg und sind sofort steh- und lauffähig. Sie werden etwa drei bis vier Monate ges