Geschwür
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Definition & Überblick
Ein Geschwür – in der tiermedizinischen Fachsprache als Ulkus (Plural: Ulzera) bezeichnet – ist ein tiefer Gewebedefekt, der über die oberflächlichen Schichten hinausreicht und sich durch den Verlust von Substanz auszeichnet. Im Gegensatz zu einer Erosion, die nur die Oberfläche betrifft, durchdringt ein Geschwür mindestens die Basalmembran und greift tiefere Gewebeschichten an. Je nach Lokalisation und betroffener Tierart unterscheidet die Veterinärmedizin verschiedene Formen: Magengeschwüre (Ulcus ventriculi), Darmgeschwüre (Ulcus duodeni oder intestinale Ulzera), Hornhautgeschwüre (Ulcus corneae), Hautgeschwüre und Maulhöhlengeschwüre.
Geschwüre kommen bei nahezu allen Haus- und Nutztierarten vor. Besonders häufig betroffen sind Pferde und Fohlen (Magenulzera), Hunde und Katzen (Magen-Darm-Geschwüre, Hornhautulzera) sowie Reptilien und Vögel (Hautgeschwüre bei Haltungsfehlern). Die Schwere reicht von oberflächlichen, gut heilenden Defekten bis hin zu lebensbedrohlichen Perforationen innerer Organe.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Entstehung eines Geschwürs ist in der Regel multifaktoriell – mehrere Ursachen wirken zusammen und stören das Gleichgewicht zwischen schützenden und schädigenden Faktoren im Gewebe.
- Medikamente: Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAIDs) wie Phenylbutazon, Meloxicam oder Carprofen gehören zu den häufigsten Auslösern von Magen-Darm-Geschwüren. Sie hemmen die Prostaglandinsynthese und schwächen dadurch die Schleimhautbarriere.
- Stress: Chronischer Stress durch Transport, Stallwechsel, intensive Trainingsbelastung oder Rangordnungskämpfe steigert die Magensäureproduktion und fördert die Ulkusentwicklung – besonders bei Pferden ein weit verbreitetes Problem (Equine Gastric Ulcer Syndrome, EGUS).
- Infektionen: Bakterielle Besiedelung (etwa durch Helicobacter-Spezies bei Hunden und Katzen), virale Erkrankungen oder Pilzinfektionen können Gewebedefekte verursachen oder verschlimmern.
- Trauma und mechanische Reizung: Fremdkörper, Bissverletzungen, Scheuerstellen durch schlecht sitzende Ausrüstung oder chronische Druckbelastung (Dekubitus) führen zu Hautgeschwüren.
- Grunderkrankungen: Tumoren (insbesondere Mastzelltumoren beim Hund, die Histamin freisetzen), Niereninsuffizienz, Lebererkrankungen, Cushing-Syndrom oder Diabetes mellitus erhöhen das Risiko für Ulzerationen erheblich.
- Fütterungsfehler: Lange Nüchternphasen, übermäßige Kraftfuttergaben bei Pferden oder ungeeignete Futterbestandteile reizen die Schleimhaut und begünstigen Magengeschwüre.
- Hornhautgeschwüre: Bei Hunden und Katzen entstehen diese häufig durch mechanische Verletzungen (Kratzer, Fremdkörper), trockenes Auge (Keratoconjunctivitis sicca), Lidfehlstellungen (Entropium) oder Infektionen mit Herpesviren (besonders bei Katzen).
Symptome & Erkennung
Die Symptome eines Geschwürs variieren stark je nach Lokalisation, Tiefe und betroffener Tierart:
- Magengeschwüre: Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, wiederkehrende Koliksymptome (besonders beim Pferd), Zähneknirschen (Bruxismus), vermehrtes Speicheln, stumpfes Fell, Verhaltensänderungen wie Gurtempfindlichkeit, dunkler bis schwarzer Kot (Meläna – Hinweis auf Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt) und im Extremfall Erbrechen von Blut (Hämatemesis) bei Hund und Katze.
- Hautgeschwüre: Offene, oft schlecht heilende Wunden mit unterminiertem Randbereich, Eiterbildung, Gewebsnekrose und übler Geruch. Die Umgebung ist häufig gerötet, geschwollen und schmerzhaft.
- Hornhautgeschwüre: Zukneifen des Auges (Blepharospasmus), verstärkter Tränenfluss (Epiphora), Lichtempfindlichkeit, trübe oder bläulich verfärbte Hornhaut und sichtbare Vertiefung auf der Augenoberfläche.
- Maulhöhlengeschwüre: Fressunlust, vermehrtes Speicheln, Mundgeruch und sichtbare Schleimhautdefekte.
Diagnose
Die Diagnosestellung richtet sich nach der Lokalisation des vermuteten Geschwürs und umfasst in der Regel mehrere Untersuchungsschritte:
- Klinische Untersuchung: Gründliche Allgemeinuntersuchung mit besonderem Augenmerk auf Schmerzhaftigkeit, Körperkondition und Vitalparameter.
- Gastroskopie (Magenspiegelung): Goldstandard bei Verdacht auf Magengeschwüre, insbesondere beim Pferd. Mithilfe eines flexiblen Endoskops werden Speiseröhre, Magen und gegebenenfalls der Zwölffingerdarm direkt dargestellt. Beim Pferd ist hierfür eine Nüchternphase von mindestens 12 bis 16 Stunden notwendig.
- Fluoreszeintest: Bei Hornhautgeschwüren wird ein fluoreszierender Farbstoff (Fluorescein) auf das Auge aufgetragen. Defekte der Hornhautoberfläche nehmen den Farbstoff auf und leuchten unter Blaulicht grün – so lassen sich Größe und Tiefe des Ulkus beurteilen.
- Blutuntersuchung: Blutbild und klinische Chemie geben Hinweise auf Anämie