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Graureiher

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Reiher & Störche

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Ardea cinerea
  • Ordnung: Pelecaniformes (Ruderfüßer)
  • Familie: Ardeidae (Reiher)
  • Gattung: Ardea
  • Lebensraum: Feuchtgebiete, Flussauen, Seen, Teiche, Küstenregionen
  • Größe: 84–102 cm Körperlänge, Flügelspannweite 155–195 cm
  • Gewicht: 1.000–2.000 g
  • Lebenserwartung: 15–25 Jahre in freier Wildbahn, in Ausnahmefällen über 30 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Graureiher ist einer der größten einheimischen Vögel Mitteleuropas und nach dem Kranich der zweitgrößte regelmäßig in Deutschland brütende Schreitvogel. Sein Gefieder ist überwiegend aschgrau auf der Oberseite, während Brust und Bauch weißlich gefärbt sind. An Hals und Brust fallen schwarze Längsstreifen auf, die je nach Individuum unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Ein markantes Erkennungsmerkmal ist der breite schwarze Überaugenstreif, der sich vom Auge bis zum Hinterkopf erstreckt und in einem langen, schmalen Federschopf endet.

Der Schnabel ist kräftig, dolchartig und gelblich bis orangefarben. Die langen Beine sind grünlich-braun und ermöglichen dem Graureiher das Waten in flachen Gewässern. Im Flug ist die Art gut an den langsam schlagenden, bogenförmig gehaltenen Flügeln und dem eingezogenen Hals zu erkennen – ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu Kranichen und Störchen, die mit gestrecktem Hals fliegen. Jungvögel sind insgesamt matter gefärbt, ihnen fehlt der Federschopf, und ihr Schnabel erscheint eher graugrün.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Graureihers erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Er besiedelt Europa von Skandinavien bis zum Mittelmeerraum, große Teile Asiens bis nach Japan sowie Teile Afrikas. In Mitteleuropa ist er ganzjährig anzutreffen, wobei Populationen aus nördlicheren Regionen im Winter in wärmere Gebiete ziehen. Der Graureiher gilt daher als Teil- oder Kurzstreckenzieher.

Als Habitat bevorzugt die Art flache, stehende oder langsam fließende Gewässer mit offenen Uferbereichen. Dazu zählen Flussauen, Überschwemmungsgebiete, Teichlandschaften, Seen, Gräben, feuchte Wiesen und Küstengebiete wie Wattflächen und Flussmündungen. Zunehmend besiedelt der Graureiher auch urbane Räume – Parks, Zierteiche und Kläranlagen werden regelmäßig zur Nahrungssuche aufgesucht. Entscheidend für die Wahl des Biotops ist die Verfügbarkeit fischreicher, flacher Gewässer in Kombination mit geeigneten Baumbeständen als Brutplätze.

Ernährung

Der Graureiher ist ein opportunistischer Jäger, dessen Nahrungsspektrum breit gefächert ist. Fische bilden den Hauptanteil der Nahrung, darunter Arten wie Plötze, Barsch, Karpfen und Stichlinge. Darüber hinaus erbeutet er Amphibien, vor allem Frösche und Molche, sowie Kleinsäuger wie Wühlmäuse und junge Ratten, die er auf Wiesen und Äckern jagt.

Ergänzt wird der Speiseplan durch Insekten, Krebstiere, Reptilien wie Ringelnattern und gelegentlich Jungvögel anderer Arten. Die typische Jagdmethode besteht im geduldigen Lauern am Gewässerrand: Der Reiher steht reglos, oft über Minuten, und stößt dann blitzschnell mit dem Schnabel zu. Alternativ schreitet er langsam durchs Flachwasser und stöbert Beute auf. Die sogenannte Stoßtechnik nutzt dabei die Hebelwirkung des langen, S-förmig gehaltenen Halses, der ruckartig vorschnellen kann.

Verhalten & Lebensweise

Der Graureiher ist vorwiegend tag- und dämmerungsaktiv, kann aber auch nachts auf Nahrungssuche gehen, insbesondere bei Vollmond oder in Gebieten mit erhöhtem Störungsdruck durch Menschen. Außerhalb der Brutzeit ist er meist einzelgängerisch unterwegs, verteidigt jedoch kein festes Revier, sondern nutzt bevorzugte Nahrungsplätze, die er gegenüber Artgenossen mit Drohgebärden – aufgestelltem Gefieder, Schnabelklappern und heiseren Rufen – beansprucht.

Der charakteristische Ruf ist ein raues, lautes „frääänk", das häufig im Flug zu hören ist. An gemeinsamen Schlafplätzen, die außerhalb der Brutzeit von Dutzenden bis Hunderten Individuen genutzt werden, verhalten sich die Vögel dagegen relativ friedlich. Im Winter versammeln sich Graureiher gelegentlich an ergiebigen Nahrungsquellen und zeigen dabei eine lockere Geselligkeit.

Fortpflanzung & Aufzucht

Graureiher sind Koloniebrüter. Die Brutkolonien, sogenannte Reiherhorste, befinden sich meist in hohen Baumkronen – bevorzugt auf Eichen, Buchen, Kiefern oder Pappeln – in der Nähe von Gewässern. Eine Kolonie kann wenige Nester bis über hundert umfassen. Einzelbruten kommen vor, sind aber seltener.

Die Balz beginnt bereits im Februar. Das Männchen besetzt zunächst ein Nest aus dem Vorjahr oder beginnt mit dem Nestbau und lockt mit auffälligen Balzritualen ein Weibchen an. Dabei werden Hals und Federschopf aufgestellt, der Schnabel wird in die Höhe gereckt, und das Männchen stößt tiefe, schnarchende Laute aus. Nach der Paarbildung wird das Nest gemeinsam fertiggestellt – eine sperrige Plattform aus Zweigen und Reisig mit einem Durchmesser von bis zu einem Meter.

Das Weibchen legt in der Regel drei bis fünf bläulich-grüne Eier, die von beiden Elternteilen etwa 25 bis 26 Tage bebrütet werden. Die Nestlinge sind zunächst mit grau