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Nachtreiher

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Reiher & Störche

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Nycticorax nycticorax
  • Ordnung: Pelecaniformes (Ruderfüßer)
  • Familie: Ardeidae (Reiher)
  • Gattung: Nycticorax
  • Lebensraum: Sümpfe, Flussufer, Seen, Feuchtgebiete, Mangroven
  • Größe: 58–65 cm Körperlänge, Flügelspannweite 105–112 cm
  • Gewicht: 500–800 g
  • Lebenserwartung: bis 15 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft über 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Nachtreiher ist ein mittelgroßer, gedrungen wirkender Reiher mit vergleichsweise kurzem Hals und kurzen Beinen. Adulte Vögel zeigen ein kontrastreiches Gefieder: Die Oberseite des Kopfes und der Rücken sind schwarz mit grünlichem Metallglanz, die Flügel grau und die Unterseite weißlich bis cremefarben. Auffällig sind die großen, bei adulten Tieren leuchtend roten Augen. Während der Brutzeit tragen beide Geschlechter zwei bis drei lange, weiße Schmuckfedern am Hinterkopf, die als Nackenschopf herabhängen. Der Schnabel ist kräftig, schwarz und spitz zulaufend – typisch für die Familie der Ardeidae.

Jungvögel unterscheiden sich deutlich von den Altvögeln. Ihr Gefieder ist braun mit hellen Tropfenflecken auf der Oberseite und einer dicht gestrichelten Unterseite. Diese Tarnfärbung bietet im Dickicht der Uferzonen guten Schutz. Erst im dritten Lebensjahr erlangen Nachtreiher das vollständige Adultkleid. Die Beine sind bei adulten Vögeln gelbgrün, während der Balzzeit können sie sich rötlich verfärben.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Nachtreihers gehört zu den größten aller Reiherarten. Er besiedelt weite Teile Europas, Asiens, Afrikas sowie Nord- und Südamerikas. In Europa liegt der Verbreitungsschwerpunkt im Mittelmeerraum, in Südosteuropa und entlang großer Flusstäler wie Donau, Po und Rhône. In Mitteleuropa brütet die Art vereinzelt, etwa in Österreich, der Schweiz und in Süddeutschland. Die europäischen Populationen sind überwiegend Zugvögel, die in Afrika südlich der Sahara überwintern.

Als Habitat bevorzugt der Nachtreiher dichte Ufervegetation an stehenden oder langsam fließenden Gewässern. Geeignete Biotope sind Auenwälder, Schilfgürtel, Teichlandschaften, Reisfelder und Mangroven. Entscheidend ist das Vorhandensein von Bäumen oder hohem Gebüsch als Schlaf- und Nistplatz in unmittelbarer Gewässernähe. In Südeuropa besiedelt er gelegentlich auch städtische Parkanlagen mit Teichen.

Ernährung

Der Nachtreiher ist ein opportunistischer Jäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Fische bilden den Hauptbestandteil der Nahrung, ergänzt durch Amphibien, Krebstiere, Insekten und deren Larven. Gelegentlich erbeutet er auch kleine Säugetiere, junge Vögel und Eidechsen. Die Jagdmethode entspricht dem typischen Reiher-Muster: Der Vogel steht regungslos am Ufer oder im Flachwasser und stößt blitzschnell mit dem Schnabel zu, sobald Beute in Reichweite kommt. Mitunter bewegt er die Zehen im Wasser, um versteckte Beutetiere aufzuschrecken – eine Technik, die bei mehreren Reiherarten beobachtet wird.

Verhalten & Lebensweise

Wie der wissenschaftliche Gattungsname Nycticorax (griechisch für „Nachtrabe") andeutet, ist diese Art vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen Nachtreiher in dichtem Geäst, oft gesellig in Gruppen von mehreren Dutzend Individuen. In der Abenddämmerung fliegen sie zu ihren Nahrungsgebieten, wobei sie im Flug häufig ein heiseres, raues „kwak" ausstoßen – ein Ruf, der ihnen im Englischen den Namen „Black-crowned Night Heron" und regional auch die Bezeichnung „Quakreiher" eingebracht hat.

Außerhalb der Brutzeit zeigt der Nachtreiher ein ausgeprägtes Geselligkeitsverhalten. Die Schlafplatzgemeinschaften können mehrere hundert Vögel umfassen und werden oft mit anderen Reiherarten wie dem Seidenreiher oder dem Kuhreiher geteilt. Ein festes Revier verteidigt der Nachtreiher nur in der unmittelbaren Nestumgebung während der Brutzeit.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nachtreiher brüten kolonial, häufig in gemischten Kolonien zusammen mit anderen Reiherarten, Kormoranen oder Löfflern. Die Balz beginnt in Mitteleuropa ab April. Das Männchen besetzt einen Nistplatz und führt dort Balzrituale durch, darunter das Sträuben der Schmuckfedern und rhythmische Verbeugungen. Nach der Paarbildung errichtet das Paar gemeinsam ein Nest aus Reisig, das in Bäumen oder Sträuchern in Höhen von zwei bis zwanzig Metern angelegt wird.

Das Gelege umfasst drei bis fünf blassgrüne Eier, die von beiden Elternvögeln über einen Zeitraum von 21 bis 22 Tagen bebrütet werden. Die Nestlinge sind Nesthocker und werden von beiden Eltern durch Hervorwürgen vorverdauter Nahrung gefüttert. Nach etwa drei Wochen beginnen die Jungvögel, auf den Ästen rund um das Nest zu klettern. Im Alter von sechs bis sieben Wochen sind sie flügge, werden jedoch noch einige Zeit weiter versorgt. Die Geschlechtsreife tritt mit zwei bis drei Jahren ein.

Bedrohung & Schutzstatus

Global stuft die IUCN den Nachtreiher als „Least Concern" (nicht gefährdet) ein. Der weltweite Bestand wird auf mehrere Millionen Individuen geschätzt und gilt als stabil. Regional sieht die Situation allerdings differenzierter aus: In Mitteleuropa ist die Art