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Ibis

I

Tierart – Vögel > Wasservögel – Reiher & Störche

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Threskiornithinae (Unterfamilie)
  • Ordnung: Pelecaniformes (Pelikanartige)
  • Familie: Threskiornithidae (Ibisse und Löffler)
  • Anzahl der Arten: ca. 29 rezente Arten in 13 Gattungen
  • Lebensraum: Feuchtgebiete, Sümpfe, Flussniederungen, Küsten, Grasland
  • Größe: 46–110 cm (je nach Art)
  • Gewicht: 0,5–5 kg
  • Lebenserwartung: 16–25 Jahre (in Gefangenschaft bis über 30 Jahre)

Aussehen & Merkmale

Das auffälligste Merkmal aller Ibisse ist der lange, sichelförmig nach unten gebogene Schnabel. Dieses Werkzeug dient dem Aufspüren von Nahrung im Schlamm und unterscheidet die Ibisse deutlich von den nah verwandten Löfflern (Plataleinae), deren Schnabel am Ende spatelförmig verbreitert ist. Der Körperbau ist schlank und hochbeinig, was die Vögel als typische Watvögel ausweist. Die Beine sind kräftig, die Zehen teilweise mit kurzen Schwimmhäuten verbunden.

Das Gefieder variiert je nach Art erheblich. Der Heilige Ibis (Threskiornis aethiopicus) trägt ein überwiegend weißes Federkleid mit schwarzen Flügelspitzen und einem unbefiederten, schwarzen Kopf und Hals. Der Scharlachibis (Eudocimus ruber) fällt durch sein leuchtend rotes Gefieder auf, das auf Carotinoide in der Nahrung zurückgeht. Der Waldrapp (Geronticus eremita) hingegen zeigt ein dunkles, metallisch glänzendes Gefieder mit einem kahlen, rötlichen Gesicht und einem struppigen Federschopf am Hinterkopf. Geschlechtsdimorphismus ist bei den meisten Arten gering ausgeprägt – Männchen sind tendenziell etwas größer als Weibchen, das Gefieder unterscheidet sich jedoch kaum.

Lebensraum & Verbreitung

Ibisse besiedeln nahezu alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über tropische, subtropische und gemäßigte Klimazonen. Die größte Artenvielfalt findet sich in Afrika, Südasien und Südamerika. In Europa ist der Waldrapp die einzige historisch heimische Art; er war bis ins 17. Jahrhundert in den Alpen verbreitet, verschwand dann aber durch Bejagung und Habitatverlust fast vollständig. Seit einigen Jahren laufen Wiederansiedlungsprojekte in Österreich, Deutschland und Italien.

Als Biotope bevorzugen die meisten Arten Feuchtgebiete: Süßwassersümpfe, überflutete Wiesen, Flussufer, Reisfelder, Mangrovenwälder und flache Küstenabschnitte. Einige Arten wie der Waldrapp oder der Glattnackenibis (Geronticus calvus) nutzen dagegen trockene Habitate wie Felssteppen und Bergregionen. Der Braune Sichler (Plegadis falcinellus) gilt als die Art mit dem weltweit größten Verbreitungsgebiet und kommt auf allen Kontinenten außer Antarktika vor.

Ernährung

Ibisse sind Allesfresser mit einem Schwerpunkt auf tierischer Kost. Sie ernähren sich von Insekten und deren Larven, Würmern, Krebstieren, Schnecken, kleinen Fischen und Amphibien. Manche Arten nehmen auch pflanzliche Bestandteile wie Samen, Beeren oder Algen auf. Bei der Nahrungssuche stochern die Vögel mit ihrem langen, gebogenen Schnabel systematisch im weichen Untergrund – eine Technik, die als taktile Suche bezeichnet wird. Die Schnabelspitze ist mit empfindlichen Nervenzellen ausgestattet, die Beutetiere bei Berührung registrieren. Einige Arten suchen auch auf trockenem Grasland oder frisch gepflügten Äckern nach Nahrung und folgen dabei mitunter landwirtschaftlichen Maschinen.

Verhalten & Lebensweise

Ibisse sind ausgesprochen gesellige Vögel. Sie leben, fressen und brüten in großen Gruppen, oft gemeinsam mit anderen Wasservögeln wie Reihern, Kormoranen und Löfflern. Die Schwarmbildung bietet Schutz vor Prädatoren und erleichtert das Auffinden ergiebiger Nahrungsquellen. Die meisten Arten sind tagaktiv und fliegen in charakteristischen V-Formationen oder langen Reihen zwischen Schlaf- und Futterplätzen hin und her.

Viele tropische Ibisarten sind Standvögel, während Populationen in gemäßigten Breiten Zugverhalten zeigen. Der Braune Sichler etwa unternimmt saisonale Wanderungen über beträchtliche Distanzen. Das Wiederansiedlungsprojekt für den Waldrapp in Europa hat gezeigt, dass Zugrouten bei dieser Art nicht angeboren, sondern erlernt sind – Jungvögel mussten mithilfe von Ultraleichtflugzeugen auf die Zugstrecke von Bayern nach Italien geführt werden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Ibisse brüten in Kolonien, die je nach Art wenige Dutzend bis mehrere Tausend Brutpaare umfassen können. Die Balz beinhaltet Schnabelbewegungen, gegenseitiges Putzen des Gefieders und Verbeugungen. Die Paare führen in der Regel eine monogame Saisonehe. Das Nest wird aus Zweigen und Pflanzenmaterial errichtet, bevorzugt in Bäumen, Büschen oder auf Felsvorsprüngen in der Nähe von Wasser.

Das Gelege besteht aus zwei bis fünf Eiern, die von beiden Elternteilen über einen Zeitraum von etwa 21 bis 28 Tagen bebrütet werden. Die Küken schlüpfen als Nesthocker und sind anfangs mit dünnem Daunengefieder bedeckt. Beide Eltern füttern den Nachwuchs durch Hervorwürgen vorverdauter Nahrung. Nach etwa sechs bis sieben Wochen sind die Jungvögel flügge. Die Geschlechtsreife tritt in der Regel mit zwei bis drei Jahren ein.

Bedrohung & Schutzstatus

Der Gefährdungsgrad variiert unter den Ibisarten stark. Weit verbreitete Arten wie der Heilige Ibis