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Nimmersatt

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Reiher & Störche

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Mycteria ibis
  • Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)
  • Familie: Störche (Ciconiidae)
  • Gattung: Nimmersatte (Mycteria)
  • Lebensraum: Feuchtgebiete, Sümpfe, Flussauen, Überschwemmungsflächen in Afrika südlich der Sahara sowie Madagaskar
  • Größe: 95–105 cm Körperlänge, Flügelspannweite ca. 150–165 cm
  • Gewicht: 1,9–2,3 kg
  • Lebenserwartung: ca. 15–20 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Nimmersatt ist ein mittelgroßer Vertreter der Familie der Störche. Sein Gefieder ist überwiegend weiß, wobei die Schwungfedern und Steuerfedern eine schwarze, teils grünlich-metallisch schimmernde Färbung aufweisen. Im Flugbild zeigt sich dadurch ein deutlicher Kontrast zwischen dem weißen Körper und den dunklen Flügelenden – ein Merkmal, das ihn auch auf größere Entfernung von anderen Wasservögeln unterscheidbar macht.

Besonders auffällig ist der unbefiederte Gesichtsbereich. Die nackte Gesichtshaut ist bei adulten Vögeln rot gefärbt, was dem Nimmersatt ein markantes Erscheinungsbild verleiht. Der kräftige, leicht nach unten gebogene Schnabel ist gelblich bis orangefarben und dient als hochspezialisiertes Werkzeug für die Nahrungssuche im flachen Wasser. Die langen, dunkelgrauen Beine enden in relativ großen Füßen, die typisch für Schreitvögel sind und das Waten in weichem Untergrund erleichtern.

Jungvögel unterscheiden sich deutlich von adulten Tieren: Ihr Gefieder zeigt eine bräunlich-graue Tönung, die Gesichtshaut ist weniger intensiv gefärbt, und der Schnabel erscheint matter. Erst nach etwa zwei bis drei Jahren erlangen sie das vollständige Adultkleid.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Nimmersatts erstreckt sich über weite Teile des subsaharischen Afrikas. Von Senegal und Gambia im Westen über das zentrale Afrika bis nach Äthiopien und Ostafrika reicht sein Vorkommen. Auch im südlichen Afrika – etwa in Mosambik, Simbabwe und Südafrika – ist die Art vertreten. Darüber hinaus besiedelt der Nimmersatt Madagaskar, wo er allerdings in geringerer Dichte vorkommt.

Als Habitat bevorzugt der Nimmersatt flache Gewässer in tropischen und subtropischen Klimazonen. Dazu zählen Sümpfe, Überschwemmungsebenen, Flussufer, Reisfelder, Mangroven und die Ränder von Seen. Entscheidend für die Habitatwahl ist das Vorhandensein seichter, fischreicher Wasserflächen. Saisonale Wanderungen innerhalb Afrikas stehen häufig in direktem Zusammenhang mit dem Wasserstand: Der Nimmersatt folgt dem Wechsel zwischen Regen- und Trockenzeit und sucht gezielt Biotope auf, in denen sich durch sinkende Wasserpegel Fische auf engem Raum konzentrieren.

Ernährung

Der Name „Nimmersatt" leitet sich von dem scheinbar unersättlichen Appetit dieses Vogels ab. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Fischen, ergänzt durch Frösche, Krebstiere, Insektenlarven und gelegentlich kleine Reptilien.

Die Jagdtechnik des Nimmersatts ist unter Störchen ungewöhnlich und wird als Taktilortung bezeichnet. Der Vogel watet dabei langsam durch seichtes Wasser und hält seinen geöffneten Schnabel ins Wasser getaucht. Sobald ein Beutetier den Schnabel berührt, schnappt dieser reflexartig zu – mit einer Reaktionszeit von nur etwa 25 Millisekunden. Dieser Schnappreflex gehört zu den schnellsten bekannten Muskelbewegungen bei Wirbeltieren. Da die Jagd nicht visuell erfolgt, kann der Nimmersatt auch in trübem Wasser und bei Dunkelheit erfolgreich Beute machen. Häufig setzt er zusätzlich einen Fuß ein, um durch Aufstampfen am Gewässergrund Beutetiere aufzuscheuchen.

Verhalten & Lebensweise

Der Nimmersatt ist ein geselliger Vogel, der selten einzeln angetroffen wird. Er bildet oft Gruppen von mehreren Dutzend bis mehreren Hundert Individuen, sowohl bei der Nahrungssuche als auch an den Schlaf- und Brutplätzen. Gemischte Kolonien mit anderen Wasservögeln – etwa Reihern, Kormoranen oder Löfflern – sind häufig.

Die Nahrungssuche findet vorwiegend in den frühen Morgen- und späten Abendstunden statt, teilweise auch nachts. Tagsüber ruhen die Vögel oft in Bäumen oder segeln auf Thermik, um zwischen verschiedenen Nahrungsgebieten zu wechseln. Im Flug erinnert die Silhouette mit dem gestreckten Hals und den ausgebreiteten Flügeln an andere Störche, doch ist der Nimmersatt insgesamt schlanker und leichter gebaut als etwa der Weißstorch (Ciconia ciconia).

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit variiert je nach Region und fällt in der Regel in die Regenzeit oder in den Beginn der Trockenzeit, wenn die Nahrungsverfügbarkeit am höchsten ist. Nimmersatte brüten in Kolonien, die mehrere Hundert Brutpaare umfassen können. Die Nester werden in Bäumen – bevorzugt in Baumkronen über oder nahe dem Wasser – errichtet und bestehen aus Zweigen und Pflanzenmaterial.

Die Balz umfasst rituelle Schnabelklappern, Kopfbewegungen und das Präsentieren von Nistmaterial. Das Weibchen legt in der Regel zwei bis drei, selten vier Eier. Beide Elternteile bebrüten das Gelege über einen Zeitraum von etwa 30 Tagen. Die Nestlinge schlüpfen mit einem weißen Daunenkleid und werden von beiden Altvögeln durch Hervorwürgen vorverdauter Nahrung gefüttert. Nach etwa 50 bis 55 Tagen sind die Jungvögel flügge,