Grünschenkel
GTierart – Vögel > Wasservögel – Watvögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tringa nebularia
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
- Gattung: Wasserläufer (Tringa)
- Lebensraum: Moore, Feuchtgebiete, Küsten, Flussufer, Wattflächen
- Größe: 30–35 cm Körperlänge, Flügelspannweite 53–60 cm
- Gewicht: 140–270 g
- Lebenserwartung: bis zu 15 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Grünschenkel ist ein mittelgroßer, schlanker Watvogel mit langen Beinen und einem leicht nach oben gebogenen Schnabel. Die namensgebenden Beine sind im Leben allerdings eher graugrün bis olivgrün gefärbt – ein Merkmal, das ihn im Feld von verwandten Arten unterscheidet. Der kräftige Schnabel ist an der Basis grau und wird zur Spitze hin dunkel.
Im Prachtkleid zeigt das Gefieder der Oberseite ein graubraunes Muster mit deutlichen dunklen Flecken und hellen Federsäumen. Die Unterseite ist überwiegend weiß mit feiner dunkler Strichelung an Brust und Flanken. Im Schlichtkleid wirkt der Vogel insgesamt blasser und gleichmäßiger grau. Der weiße Bürzel und der weiße Keil, der sich V-förmig den Rücken hinaufzieht, sind im Flug ein auffälliges Erkennungsmerkmal. Der Schwanz ist weiß mit schmalen dunklen Querbändern.
Gegenüber dem ähnlich gebauten Rotschenkel (Tringa totanus) fehlen dem Grünschenkel die roten Beine und die auffällige weiße Flügelbinde. Vom Dunkelwasserläufer (Tringa erythropus) unterscheidet er sich durch den dickeren, leicht aufgebogenen Schnabel und die insgesamt hellere Grundfärbung.
Lebensraum & Verbreitung
Das Brutgebiet des Grünschenkels erstreckt sich in einem breiten Gürtel über die boreale und subarktische Zone Eurasiens – von Schottland über Skandinavien und das Baltikum bis nach Ostsibirien und Kamtschatka. Als Bruthabitat bevorzugt die Art lichte Nadelwälder mit angrenzenden Mooren, sumpfige Waldlichtungen und Hochmoore mit einzelnen Bäumen.
In Mitteleuropa, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz, tritt der Grünschenkel überwiegend als Durchzügler auf. Während der Zugzeiten im Frühjahr (April–Mai) und Herbst (Juli–Oktober) rastet er an Binnengewässern, Schlammflächen, Fischteichen, Klärteichen und in Flussmündungen. Als Überwinterungsgebiete dienen Küstenregionen und Feuchtgebiete in Afrika südlich der Sahara, am Mittelmeer, am Persischen Golf, in Südasien und in Australien. Der Grünschenkel ist damit ein ausgesprochener Langstreckenzieher.
In Deutschland brütet die Art nicht regelmäßig. Vereinzelte Brutnachweise stammen aus Norddeutschland, doch das Verbreitungsgebiet der Brutpopulation liegt weiter nördlich. An geeigneten Rastplätzen wie dem Wattenmeer, an Binnenseen oder an Fischteichgebieten können zur Zugzeit jedoch größere Ansammlungen beobachtet werden.
Ernährung
Der Grünschenkel ernährt sich von kleinen Fischen, Wasserinsekten und deren Larven, Krebstieren, Würmern, Weichtieren und gelegentlich auch von Amphibienlarven. Bei der Nahrungssuche watet er durch flaches Wasser und stochert mit dem Schnabel im Schlamm oder schnappt Beute von der Wasseroberfläche. Eine charakteristische Jagdmethode besteht darin, den leicht geöffneten Schnabel seitlich durch das Wasser zu ziehen, um kleine Fische und Wirbellose aufzuscheuchen und zu fangen. In Wattgebieten sucht er systematisch Priele und Pfützen nach Garnelen und kleinen Grundeln ab.
Verhalten & Lebensweise
Der Grünschenkel ist überwiegend tagaktiv, sucht bei günstigen Bedingungen aber auch in der Dämmerung nach Nahrung. Außerhalb der Brutzeit zeigt er ein eher einzelgängerisches bis locker geselliges Verhalten. An ergiebigen Nahrungsplätzen können sich kleinere Trupps bilden, doch verteidigt er häufig individuelle Nahrungsreviere gegen Artgenossen.
Sein Ruf ist ein durchdringend klares, dreisilbiges „tjü-tjü-tjü", das er häufig im Flug und bei Störungen äußert. Dieser Ruf gehört zu den charakteristischen Lautäußerungen an mitteleuropäischen Rastgewässern im Spätsommer und ist oft das erste Anzeichen für die Anwesenheit des Vogels. Während der Balz im Brutgebiet trägt das Männchen einen auffälligen Singflug vor, bei dem es in wellenförmigem Flug über dem Brutrevier kreist und melodische, flötende Rufreihen von sich gibt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit beginnt ab Ende April bis Mai. Das Nest ist eine flache Mulde am Boden, häufig auf erhöhtem, trockenem Untergrund in der Nähe von Moorgewässern oder an Waldrändern. Gelegentlich nutzt der Grünschenkel auch alte Nester von Drosseln oder anderen Singvögeln in Bäumen – ein für Watvögel ungewöhnliches Verhalten, das innerhalb der Gattung Tringa nur bei wenigen Arten vorkommt.
Das Gelege besteht aus vier birnenförmigen, gelblich-braunen Eiern mit dunkler Fleckung. Beide Altvögel bebrüten die Eier über einen Zeitraum von 23 bis 25 Tagen. Die Küken sind Nestflüchter: Sie verlassen das Nest kurz nach dem Schlüpfen und suchen selbstständig nach Nahrung, werden aber von den Eltern geführt und vor Feinden gewarnt. Oft übernimmt das Männchen den größeren Anteil der Jungenführung, während das Weibchen das Brutgebiet bereits früher verlässt. Nach etwa 25 bis 30 Tagen sind die