T Tierlexikon.net
← Lexikon

Hovawart

H

Rassen > Hunderassen – Sennen- & Schutzhunde

Steckbrief

  • Herkunft: Deutschland
  • FCI-Gruppe: Gruppe 2 – Pinscher und Schnauzer, Molosser, Schweizer Sennenhunde und andere Rassen; Sektion 2.2: Molossoide, Berghunde (ohne Arbeitsprüfung im internationalen Standard, in Deutschland mit Arbeitsprüfung)
  • FCI-Standard Nr.: 190
  • Größe: Rüden 63–70 cm, Hündinnen 58–65 cm
  • Gewicht: Rüden 30–40 kg, Hündinnen 25–35 kg
  • Lebenserwartung: 12–14 Jahre
  • Fell: Langes, leicht gewelltes Stockhaar mit wenig Unterwolle
  • Farben: Blond, Schwarz, Schwarzmarken (schwarz mit goldblonden Abzeichen)

Herkunft & Geschichte

Der Name „Hovawart" leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen ab: „Hova" bedeutet Hof und „Wart" steht für Wächter. Bereits im Mittelalter wurden unter dieser Bezeichnung Hunde erwähnt, die als zuverlässige Wach- und Schutzhunde auf Bauernhöfen und Gutshöfen dienten. Eine der frühesten Erwähnungen findet sich im „Schwabenspiegel" aus dem 13. Jahrhundert, wo der Hovawart als besonders wertvoller Hofhund beschrieben wird.

Die planmäßige Zucht des modernen Hovawarts begann in den 1920er-Jahren durch den Zoologen und Kynologen Kurt Friedrich König. Er verfolgte das Ziel, den mittelalterlichen Hofhund anhand überlebender Landschläge aus dem Harz und dem Schwarzwald zu rekonstruieren. In die Zucht flossen unter anderem Deutsche Schäferhunde, Neufundländer, Leonberger und Kuvasz ein, um gewünschte Eigenschaften wie Wachsamkeit, Robustheit und ein ausgeglichenes Wesen zu festigen. 1937 erfolgte die offizielle Anerkennung der Rasse durch den damaligen Reichsverband für das Deutsche Hundewesen. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) erkannte den Hovawart 1955 als eigenständige Rasse an.

In Deutschland wird die Zucht heute vor allem durch die Rassezuchtgemeinschaft Hovawart (RZG), den Hovawart-Zuchtgemeinschaft Deutschland (HZD) und den Hovawart-Club (HC) betreut, die alle dem VDH als Zuchtverband angeschlossen sind. Die strenge Zuchtordnung mit verpflichtender Gesundheitsuntersuchung und Wesensprüfung gilt international als vorbildlich.

Aussehen & Rassemerkmale

Der Hovawart ist ein kräftiger, mittelgroßer bis großer Gebrauchshund mit harmonischen Proportionen. Sein Körperbau ist etwas länger als hoch, was ihm eine elegante, aber kraftvolle Silhouette verleiht. Der Kopf ist kräftig mit einer breiten, leicht gewölbten Stirn und einem gut ausgeprägten Stop. Die dreieckigen Hängeohren sind hoch angesetzt und reichen bis zu den Lefzenwinkeln.

Das Fell ist das auffälligste Merkmal der Rasse. Es ist lang, fest anliegend, leicht gewellt und besitzt nur wenig Unterwolle. An Brust, Bauch, Rückseite der Vorderläufe und an der Rute bildet das Haar längere Befederungen. Der Rassestandard lässt drei Farbschläge zu: Blond, Schwarz und Schwarzmarken. Der schwarzmarkene Schlag zeigt ein tiefschwarzes Deckhaar mit goldblonden Abzeichen über den Augen, an der Brust, den Läufen und unter der Rute – ein Muster, das an den Rottweiler oder Dobermann erinnert.

Die Rute wird sichelförmig getragen und reicht mindestens bis zum Sprunggelenk. Der Gang des Hovawarts ist raumgreifend und elastisch, mit kräftigem Schub aus der Hinterhand.

Charakter & Wesen

Der Hovawart ist ein selbstbewusster, ausgeglichener Hund mit ausgeprägtem Schutzinstinkt. Seine Abstammung als Hofwächter bestimmt sein Wesen bis heute: Er ist wachsam, territorial und seiner Familie gegenüber tief verbunden und treu. Gleichzeitig zeigt er keinerlei Neigung zu grundloser Aggression – ein gut sozialisierter Hovawart unterscheidet zuverlässig zwischen tatsächlicher Bedrohung und Alltagssituationen.

Charakteristisch ist sein ausgeprägter Eigenständigkeit. Anders als etwa der Deutsche Schäferhund, der sich stark am Führungsmenschen orientiert, trifft der Hovawart situationsabhängig eigene Entscheidungen. Das macht ihn zu einem anspruchsvollen Begleiter, der eine klare, konsequente, aber niemals harte Erziehung braucht. Drill und Kadavergehorsam sind bei dieser Rasse vollkommen kontraproduktiv.

Innerhalb der Familie zeigt sich der Hovawart verspielt, kinderfreundlich und anhänglich. Er bindet sich stark an alle Familienmitglieder und braucht den engen Anschluss an seine Menschen. Zwingerhaltung oder stundenlanges Alleinsein sind für diese Rasse nicht akzeptabel. Bemerkenswert ist auch seine späte Reife – viele Hovawarte sind erst mit zwei bis drei Jahren geistig voll ausgereift.

Haltung & Pflege

Der Hovawart gehört nicht in eine kleine Stadtwohnung. Ideal ist ein Haus mit eingezäuntem Garten, den er als sein Revier betrachten und bewachen kann. Er braucht täglich ausreichend Auslauf und Beschäftigung – mindestens zwei Stunden körperliche und geistige Aktivität sind das Minimum. Fährtenarbeit, Rettungshundeausbildung, Obedience oder Mantrailing eignen sich hervorragend, um den intelligenten Hund artgerecht auszulasten.

Die Fellpflege ist unkomplizierter, als das lange Haar vermuten lässt. Durch die geringe Unterwolle neigt das Fell kaum zum Verfilzen. Regelmäßiges Bürsten – ein bis zwei Mal pro Woche – reicht im Normalfall aus. Während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst sollte häufiger gebürstet werden. Baden ist nur selten nötig, da das Fell von Natur aus schmutzabweisend ist.

Eine frühzeitige, umfassende Sozialisierung ist bei dieser Rasse besonders wichtig. Der junge Hovawart sollte möglichst viele Menschen, Tiere, Umgebungen und Alltagss