Hufrehe
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Definition & Überblick
Hufrehe – in der veterinärmedizinischen Fachsprache als Laminitis bezeichnet – ist eine schmerzhafte, oft folgenschwere Erkrankung der Huflederhaut (Lamina dermalis) bei Pferden, Ponys und Eseln. Bei dieser Krankheit kommt es zu einer Entzündung und Schädigung des sogenannten Hufbeinträgers, jener empfindlichen Gewebestruktur, die das Hufbein (Os pedis) mit der inneren Hufwand verbindet. Im gesunden Zustand halten verzahnte Lamellen aus Horn und Lederhaut das gesamte Körpergewicht des Pferdes im Hornschuh. Wird diese Verbindung durch die Entzündung geschwächt oder zerstört, kann sich das Hufbein absenken oder rotieren – ein Vorgang, der als Hufbeinrotation oder Hufbeinsenkung (Sinker) bezeichnet wird und im schlimmsten Fall zum Durchbruch des Hufbeins durch die Sohle führt.
Hufrehe ist ein tiermedizinischer Notfall. Sie betrifft überwiegend die Vorderhufe, kann jedoch alle vier Gliedmaßen gleichzeitig befallen. Man unterscheidet eine akute Phase (Stunden bis wenige Tage), eine subakute Phase und die chronische Rehe, bei der bereits strukturelle Veränderungen am Hufbein eingetreten sind. Die Prognose hängt entscheidend davon ab, wie schnell die Behandlung eingeleitet wird.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Hufrehe ist keine eigenständige Krankheit im engeren Sinne, sondern vielmehr die Folge verschiedener auslösender Grunderkrankungen und Stoffwechselstörungen. Zu den häufigsten Ursachen zählen:
- Fütterungsrehe (Überlastungsrehe durch Kohlenhydrate): Die mit Abstand häufigste Form entsteht durch übermäßige Aufnahme von leicht fermentierbaren Kohlenhydraten – etwa durch unkontrollierten Zugang zu Kraftfutter (Getreide), Brot oder fruktanreichem Weidegras im Frühjahr und Herbst. Im Dickdarm kommt es zu einer massiven Fehlgärung, bei der Milchsäure und Endotoxine freigesetzt werden, die über den Blutweg die Huflederhaut schädigen.
- Equines Metabolisches Syndrom (EMS): Übergewichtige Pferde mit Insulinresistenz sind besonders gefährdet. Die chronisch erhöhten Insulinspiegel (Hyperinsulinämie) können direkt die Durchblutung in den Huflamellen beeinträchtigen und eine Rehe auslösen.
- Equines Cushing-Syndrom (PPID): Die Pituitary Pars Intermedia Dysfunction ist eine hormonelle Erkrankung älterer Pferde, bei der die Nebennierenrindenhormone dauerhaft erhöht sind. Betroffene Tiere entwickeln häufig wiederkehrende Reheschübe.
- Belastungsrehe: Entsteht durch einseitige, übermäßige Gewichtsbelastung eines Hufes, etwa wenn das Pferd ein verletztes Bein entlastet und das gegenüberliegende Bein dauerhaft überlastet wird.
- Toxinbedingte Rehe: Schwere Infektionen wie Gebärmutterentzündung (Endometritis), Kolik mit Darmnekrose oder die Aufnahme giftiger Pflanzen (z. B. Schwarze Walnuss) setzen Endotoxine frei, die das Lamellengewebe schädigen.
- Medikamentenrehe: Langfristige oder überdosierte Gabe von Kortikosteroiden kann als Nebenwirkung eine Hufrehe begünstigen.
Besondere Risikofaktoren sind Übergewicht, Bewegungsmangel, bestimmte Rassen (Ponys, Kaltblüter, iberische Rassen), vorausgegangene Reheschübe sowie saisonale Weidehaltung bei hohem Fruktangehalt des Grases.
Symptome & Erkennung
Die Symptome der Hufrehe variieren je nach Schweregrad und betroffenem Stadium, sind jedoch bei aufmerksamer Beobachtung meist deutlich erkennbar:
- Typische Rehestellung: Das Pferd verlagert das Gewicht nach hinten auf die Hinterhand und streckt die Vorderbeine weit nach vorn, um die schmerzhaften Vorderhufe zu entlasten. Diese charakteristische Körperhaltung ist eines der auffälligsten Anzeichen.
- Starke Lahmheit: Besonders auf hartem Boden zeigen betroffene Pferde einen steifen, kurztaktigen Gang. Im schweren Fall weigern sie sich, sich überhaupt zu bewegen.
- Vermehrte Wärme der Hufe: Die betroffenen Hufe fühlen sich bei Berührung deutlich wärmer an als normal.
- Verstärkte Pulsation der Mittelfußarterien: Die digitale Pulsation – normalerweise kaum spürbar – ist bei Rehepferden im Fesselbereich deutlich fühlbar und kräftig pochend.
- Empfindlichkeit bei Druck auf die Sohle: Besonders im Zehenbereich reagiert das Pferd schmerzhaft auf Druck, etwa durch eine Hufuntersuchungszange.
- Häufiges Liegen: Schwer betroffene Pferde legen sich auffällig oft hin, um die Hufe zu entlasten.
- Angespannte Gesichtszüge: Schmerzgesicht mit erweiterten Nüstern, starrem Blick und angespannter Kaumuskulatur – erkennbar anhand der sogenannten Horse Grimace Scale.
Bei chronischer Rehe zeigen sich zusätzlich sichtbare Veränderungen am Huf: divergierende Ringe an der Hufwand (sogenannte Reheringe), eine verbreiterte weiße Linie, eine konvexe (vorgewölbte) Hufsohle sowie ein verändertes Hufwachstum mit flacher, verbreiterter Zehe.
Diagnose
Die Diagnosestellung stützt sich auf eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren:
- Klinische Untersuchung: Beurteilung der Kör