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Isländer

I

Rassen > Pferderassen

Steckbrief

  • Herkunft: Island
  • Rassestandard: FEIF (Internationale Vereinigung der Islandpferdezuchtverbände); in Deutschland betreut durch den IPZV (Islandpferde-Reiter- und Züchterverband)
  • Stockmaß: 125–145 cm
  • Gewicht: 300–400 kg
  • Lebenserwartung: 25–35 Jahre, häufig deutlich über 30
  • Fell/Farben: Dichtes Doppelfell mit Unterwolle; sämtliche Grundfarben und über 100 Farbbezeichnungen in der isländischen Tradition, darunter Füchse, Rappen, Braune, Schimmel, Schecken, Falben, Windfarben und Isabell

Herkunft & Geschichte

Der Isländer zählt zu den ältesten und reinsten Pferderassen der Welt. Seine Abstammung geht auf die Pferde zurück, die norwegische Wikinger zwischen dem 9. und 10. Jahrhundert bei der Besiedlung Islands mit auf die Insel brachten. Vereinzelt gelangten auch keltische Ponys aus den Britischen Inseln nach Island. Seit dem Jahr 982 verbietet ein isländisches Gesetz – das sogenannte Einfuhrverbot – jeglichen Import von Pferden auf die Insel. Dieses Gesetz besteht bis heute und hat dafür gesorgt, dass die Rasse über mehr als tausend Jahre ohne jede Fremdbluteinkreuzung erhalten blieb.

Auf Island war das Pferd über Jahrhunderte das einzige Transportmittel. Es trug Menschen, Waren und Post durch die raue Vulkanlandschaft, über reißende Gletscherflüsse und durch eisige Stürme. Diese extreme natürliche Selektion formte ein außergewöhnlich robustes, trittsicheres und genügsames Pferd. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreitete sich der Isländer über Skandinavien in ganz Europa und Nordamerika. Heute betreut der internationale Zuchtverband FEIF die Zucht weltweit, während der deutsche IPZV als einer der größten nationalen Zuchtverbände fungiert.

Aussehen & Rassemerkmale

Obwohl der Isländer mit einem Stockmaß von durchschnittlich 135 cm unter der klassischen Pferdeschwelle liegt, wird er bewusst nicht als Pony bezeichnet – sowohl aus kultureller Tradition als auch wegen seiner Rittigkeit und Tragkraft, die einem Großpferd in nichts nachsteht.

Der Kopf ist ausdrucksvoll mit geradem oder leicht konvexem Profil, wachen Augen und kleinen, aufmerksamen Ohren. Der Hals ist gut aufgesetzt, muskulös und wird im Tölt hoch getragen. Der Rumpf ist kompakt und tief, mit kräftiger Brust und gut gefederter Rippenwölbung. Die Beine sind kurz, trocken und mit harten Hufen ausgestattet, die auf Islands steinigem Untergrund häufig unbeschlagen bleiben. Mähne und Schweif sind üppig und dicht.

Das wohl herausragendste Rassemerkmal sind die Gangarten. Neben Schritt, Trab und Galopp beherrschen Isländer den Tölt – einen lateralen Viertaktgang ohne Schwebephase, der dem Reiter außergewöhnlichen Sitzkomfort bietet. Viele Isländer zeigen darüber hinaus den Rennpass, einen schnellen Zweitaktgang für kurze Strecken, bei dem Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h erreicht werden. Pferde, die alle fünf Gangarten sicher beherrschen, werden als Fünfgänger bezeichnet und sind in Zucht und Sport besonders geschätzt.

Charakter & Wesen

Der Isländer gilt als ausgesprochen menschenbezogen, zuverlässig und charakterstark. Typisch für die Rasse ist ein freundliches, neugieriges Wesen gepaart mit Nervenstärke und einer gewissen Eigenständigkeit. Isländer sind kooperativ, dabei aber keineswegs unterwürfig – sie denken mit und fordern eine partnerschaftliche Beziehung zum Reiter ein.

Im Umgang zeigen sie sich in der Regel gelassen, verspielt und unkompliziert. Gleichzeitig bringen sie unter dem Sattel erstaunlich viel Temperament und Leistungsbereitschaft mit. Diese Kombination aus Ruhe im Alltag und Energie im Einsatz macht den Isländer zu einem vielseitigen Partner. Sein Mut und seine Trittsicherheit im Gelände sind legendär – Eigenschaften, die auf die jahrhundertelange Selektion unter extremen Bedingungen zurückgehen.

Haltung & Pflege

Isländer sind für eine naturnahe Haltung prädestiniert. Ganzjährige Offenstallhaltung oder Laufstall mit freiem Zugang zu Paddock und Weide entspricht dem Wesen dieser robusten Rasse am besten. Sie benötigen ausreichend Auslauf und profitieren enorm von Sozialkontakt zu Artgenossen – Einzelhaltung ist für Isländer nicht artgerecht.

Die Fellpflege ist unkompliziert. Das dichte Winterfell mit Unterwolle schützt zuverlässig vor Kälte, Nässe und Wind. Im Frühjahr und Herbst ist regelmäßiges Bürsten während des Fellwechsels sinnvoll, um den Prozess zu unterstützen. Auf Eindecken kann in der Regel verzichtet werden. Die harten Hufe erfordern einen erfahrenen Hufschmied oder Hufpfleger, der mit der Rasse vertraut ist. Viele Freizeitisländer laufen unbeschlagen.

Für die Beschäftigung bieten sich neben dem klassischen Ausreiten im Gelände auch Gangpferdesport, Geschicklichkeitstraining und Bodenarbeit an. Isländer brauchen geistige Auslastung ebenso wie körperliche Bewegung.

Ernährung

Als Rasse, die auf kargen Weiden und unter harten klimatischen Bedingungen entstand, ist der Isländer ein äußerst guter Futterverwerter. Das bedeutet in der Praxis: Die Gefahr der Überfütterung ist real und eine der häufigsten Haltungsfehler. Grundlage der Ernährung sollte qualitativ hochwertiges Raufutter sein – Heu und gegebenenfalls Heulage, je nach Energiebedarf des einzelnen Pferdes. Kraftfutter ist bei normal beanspruchten Freizeitpferden meist nicht erforderlich. Mineralfutter und Salzlecksteine ergänzen die Ration sinnvoll.

Fette Weiden mit energiereichem Gras können problemat