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Islandpferd

I

Rassen > Pferderassen

Steckbrief

  • Herkunft: Island
  • Rassestandard: FEIF (International Federation of Icelandic Horse Associations)
  • Zuchtverband: FEIF, in Deutschland vertreten durch den IPZV (Islandpferde-Reiter- und Züchterverband e.V.)
  • Stockmaß: 125–148 cm
  • Gewicht: 300–450 kg
  • Lebenserwartung: 25–35 Jahre
  • Fell/Farben: Dichtes Doppelfell mit üppiger Mähne und Schweif; sämtliche Fellfarben kommen vor, darunter Fuchs, Rappe, Brauner, Falbe, Schecke, Schimmel, Windfarben und zahlreiche seltene Farbvarianten
  • Besonderheiten: Gangpferd mit bis zu fünf Gangarten (Schritt, Trab, Galopp, Tölt, Pass)

Herkunft & Geschichte

Das Islandpferd zählt zu den ältesten und reinsten Pferderassen der Welt. Seine Abstammung geht auf die Pferde zurück, die skandinavische Siedler – vor allem norwegische Wikinger – im 9. und 10. Jahrhundert mit nach Island brachten. Diese Tiere stammten überwiegend von nordeuropäischen Pony- und Kleinpferderassen sowie von keltischen Ponys ab, die über die Britischen Inseln nach Island gelangten.

Bereits im Jahr 982 n. Chr. erließ das isländische Parlament Althing ein Importverbot für Pferde, das bis heute lückenlos gilt. Kein anderes Pferd darf nach Island eingeführt werden, und ein Islandpferd, das die Insel einmal verlassen hat, darf nicht zurückkehren. Diese strikte Regelung hat dazu geführt, dass die Rasse über mehr als tausend Jahre ohne jegliche Fremdbluteinkreuzung existiert – eine in der Pferdezucht einzigartige genetische Reinheit.

In Island war das Pferd über Jahrhunderte das wichtigste Transportmittel und unverzichtbar für Viehtrieb, Reisen und den Alltag der Bevölkerung. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Islandpferd international zum beliebten Freizeit- und Sportpferd. Der 1969 gegründete Zuchtverband FEIF koordiniert heute die Zucht und den Sport in über 20 Mitgliedsländern weltweit.

Aussehen & Rassemerkmale

Das Islandpferd ist ein kompaktes, kräftiges Kleinpferd mit harmonischen Proportionen. Trotz seines vergleichsweise geringen Stockmaßes wird es traditionell als Pferd und nicht als Pony bezeichnet – eine Unterscheidung, auf die die Islandpferde-Gemeinschaft großen Wert legt.

Der Kopf ist ausdrucksvoll, oft leicht ramsnasig, mit wachen Augen und kleinen, beweglichen Ohren. Der Hals ist gut aufgesetzt und muskulös, der Rumpf tief und breit mit guter Rippenwölbung. Die Beine sind kurz, trocken und stabil mit harten Hufen, die durch die Zucht auf vulkanischem Lavagestein über Jahrhunderte selektiert wurden. Mähne und Schweif sind außerordentlich dicht und lang.

Das Winterfell ist dicht und doppelschichtig, mit weicher Unterwolle und schützendem Deckhaar – eine Anpassung an das raue isländische Klima. Im Sommer wird dieses Fell komplett gewechselt, und das Sommerfell erscheint deutlich kürzer und glatter.

Das herausragende Rassemerkmal sind die zusätzlichen Gangarten. Neben den drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp beherrschen Islandpferde den Tölt – eine gelaufene Viertaktgangart, die dem Reiter ein nahezu erschütterungsfreies Sitzen ermöglicht. Viele Islandpferde zeigen zusätzlich den Rennpass, eine laterale Zweitaktgangart, die im Renntempo bis zu 45 km/h erreichen kann. Pferde mit allen fünf Gangarten werden als Fünfgänger bezeichnet und sind in der Zucht besonders geschätzt.

Charakter & Wesen

Islandpferde gelten als ausgesprochen menschenbezogen, kooperativ und verlässlich. Ihr Wesen wird oft als freundlich, neugierig und selbstbewusst beschrieben. Sie zeigen eine bemerkenswerte Nervenstärke und Gelassenheit, sind dabei aber keineswegs phlegmatisch – unter dem Sattel können sie temperamentvoll und leistungsbereit sein.

Die Rasse zeichnet sich durch eine hohe Eigenständigkeit aus, die auf die jahrhundertelange Haltung in halbwilden Herden auf Island zurückgeht. Islandpferde sind trittsicher, mutig und treffen in schwierigem Gelände selbstständig Entscheidungen. Gleichzeitig sind sie lernwillig, treu und bauen eine enge Bindung zu ihren Bezugspersonen auf. In der Herde zeigen sie ein ausgeprägtes Sozialverhalten mit klaren Strukturen.

Spätreife ist ein typisches Rassemerkmal: Islandpferde werden in der Regel erst mit vier bis fünf Jahren angeritten. Dafür bleiben sie oft bis ins hohe Alter reitbar und leistungsfähig.

Haltung & Pflege

Die ideale Haltung für Islandpferde ist die ganzjährige Offenstallhaltung oder der Laufstall mit permanentem Zugang zu Auslauf und Weide. Die Rasse ist für Boxenhaltung weniger geeignet, da sie viel Bewegung und sozialen Kontakt zu Artgenossen benötigt. Eine Haltung in der Gruppe entspricht dem natürlichen Bedürfnis dieser herdenorientierten Pferde.

Die Fellpflege ist unkompliziert, erfordert aber während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst besondere Aufmerksamkeit. Regelmäßiges Bürsten unterstützt den Haarwechsel und fördert die Durchblutung. Die harten Hufe sind vergleichsweise pflegeleicht; viele Islandpferde können barhuf geritten werden, wobei ein regelmäßiger Hufschmied-Termin alle sechs bis acht Wochen selbstverständlich ist.

Neben dem täglichen Auslauf brauchen Islandpferde abwechslungsreiche Beschäftigung. Ausritte im Gelände, Gangarten-Training und gelegentliche Turnierbesuche halten sie körperlich und geistig fit.

Ernährung