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Kabardiner

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Rassen > Pferderassen

Steckbrief

  • Herkunft: Nordkaukasus (Kabardino-Balkarien, Russland)
  • Rassestandard: WBFSH-registriert; russischer Zuchtstandard unter dem Staatlichen Zuchtbuch der Russischen Föderation
  • Stockmaß: 150–160 cm
  • Gewicht: 400–500 kg
  • Lebenserwartung: 25–30 Jahre
  • Fell/Farben: Überwiegend Dunkelbraune, Braune, Rappen; selten Füchse. Abzeichen sind rassetypisch kaum vorhanden. Das Fell ist dicht, mit üppigem Langhaar an Mähne und Schweif.

Herkunft & Geschichte

Der Kabardiner zählt zu den ältesten Gebirgspferderassen der Welt. Seine Abstammung lässt sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen, als die Kabardiner – ein tscherkessisches Volk im Nordkaukasus – durch gezielte Selektion ein außergewöhnlich trittsicheres und widerstandsfähiges Reitpferd hervorbrachten. Die Zucht wurde über Jahrhunderte von den Bergvölkern Kabardino-Balkariens betrieben, wobei die rauen klimatischen Bedingungen des Kaukasus als natürlicher Filter dienten. Nur die robustesten und leistungsfähigsten Pferde kamen zur Weiterzucht.

Im Laufe der Geschichte floss gelegentlich orientalisches Blut ein, insbesondere von arabischen und persischen Pferden, die über Handelsrouten in den Kaukasus gelangten. Diese Einkreuzungen verfeinerten den Typ, ohne die legendäre Härte der Rasse zu beeinträchtigen. Im 18. und 19. Jahrhundert war der Kabardiner das bevorzugte Kavalleriepferd der kaukasischen Krieger und erlangte bei russischen Militärs hohe Wertschätzung.

Während der Sowjetzeit wurde die Zucht staatlich organisiert und in Gestüten wie Malkinski und Kabardinsk systematisch weitergeführt. Durch Kreuzung mit Vollblütern entstand die Variante des Anglo-Kabardiners, die mehr Schnelligkeit mitbringt, aber etwas an Gebirgstauglichkeit einbüßt. Der Zuchtverband in Russland führt bis heute ein separates Zuchtbuch für beide Typen. International wird die Rasse zunehmend bekannt, bleibt aber außerhalb der GUS-Staaten vergleichsweise selten.

Aussehen & Rassemerkmale

Der Kabardiner ist ein mittelgroßes, kompaktes und muskulöses Pferd mit trockenem, sehnigem Fundament. Der Kopf ist markant, oft leicht ramsnasig, mit breiter Stirn, großen, aufmerksamen Augen und mittelgroßen, beweglichen Ohren. Der Hals ist mittellang, gut aufgesetzt und leicht gebogen, was dem Pferd eine edle Silhouette verleiht.

Der Rumpf zeigt eine gut bemuskelte, leicht abfallende Kruppe, einen tiefen Brustkorb und eine kräftige Lende. Die Schulter ist schräg gelagert, was dem Pferd einen raumgreifenden und dabei bemerkenswert sicheren Gang verleiht. Besonders auffällig sind die extrem harten, meist dunklen Hufe, die den Kabardiner auch ohne Beschlag über felsiges Terrain tragen können. Die Beine sind trocken und sehnig, mit deutlich ausgeprägten Gelenken und kurzen, stabilen Fesseln.

Das Fell ist dicht und passt sich den Jahreszeiten an: Im Winter bildet der Kabardiner ein beachtliches Winterfell aus, das ihn gegen Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt schützt. Mähne und Schweif sind üppig und dicht. Weiße Abzeichen kommen beim reinrassigen Kabardiner kaum vor – sie gelten sogar als unerwünscht im Rassestandard.

Charakter & Wesen

Wer einen Kabardiner kennt, schätzt vor allem seinen verlässlichen, ruhigen Charakter. Diese Pferde sind ausgesprochen treu, menschenbezogen und entwickeln eine enge Bindung zu ihrer Bezugsperson. Dabei sind sie keineswegs unterwürfig, sondern zeigen einen eigenständigen, intelligenten Geist. In unbekanntem Gelände treffen Kabardiner oft eigene Entscheidungen – eine Eigenschaft, die im Gebirge überlebenswichtig ist und von erfahrenen Reitern hoch geschätzt wird.

Trotz ihrer Gelassenheit sind Kabardiner wachsam und reagieren schnell auf Veränderungen in ihrer Umgebung. Sie gelten als mutig, nervenstark und äußerst ausdauernd. Hektik und Nervosität sind dieser Rasse weitgehend fremd. Im Umgang mit anderen Pferden zeigen sie sich verträglich und sozial, wobei Hengste durchaus ein selbstbewusstes Auftreten haben können.

Haltung & Pflege

Der Kabardiner ist ein Pferd, das Bewegung und Raum braucht. Boxenhaltung ohne ausreichenden Auslauf wäre seiner Natur völlig zuwider. Ideal ist eine Offenstallhaltung oder Robusthaltung mit großzügiger Weide und einem Unterstand. Die Rasse ist extrem wetterfest und kommt mit harten Wintern ebenso zurecht wie mit sommerlicher Hitze.

Die Fellpflege ist unkompliziert. Regelmäßiges Striegeln genügt, um die Durchblutung der Haut zu fördern und das dichte Fell in gutem Zustand zu halten. Besondere Aufmerksamkeit verdienen Mähne und Schweif, die zum Verfilzen neigen. Die harten Hufe brauchen dennoch regelmäßige Kontrolle durch einen Hufschmied, auch wenn viele Kabardiner barhuf gehen können.

An Beschäftigung eignen sich vor allem Geländeritte, Distanzreiten und Wanderreiten – Disziplinen, in denen der Kabardiner seine natürlichen Stärken voll ausspielen kann. Auch für die Arbeit mit Rindern oder als Packpferd ist er hervorragend geeignet.

Ernährung

Der Kabardiner ist ein genügsamer Futterverwerter, der auf kargen Weiden hervorragend gedeiht. Hochwertiges Heu bildet die Grundlage der Fütterung. Kraftfutter ist nur bei erhöhter Arbeitsbelastung notwendig und sollte sparsam eingesetzt werden, da Kabardiner bei zu reichhaltiger Fütterung schnell zu Übergewicht neigen. Mineralfutter und Salzlecksteine ergänzen die Ration, insbesondere in Regionen mit mineralstoffarmen Böden. Frisches