Kämmen
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Definition & Überblick
Unter Kämmen versteht man das regelmäßige Durcharbeiten des Fells oder Gefieders eines Tieres mit einem geeigneten Kamm oder einer Bürste. Diese grundlegende Pflegemaßnahme dient dazu, lose Haare, Verfilzungen, Schmutz, Parasiten und abgestorbene Hautschuppen zu entfernen. Gleichzeitig wird die Durchblutung der Haut angeregt und die natürliche Talgproduktion gefördert, was zu einem gesunden, glänzenden Fell beiträgt.
Das Kämmen gehört zu den wichtigsten Routinen in der Pflege und Hygiene von Haustieren – insbesondere bei Hunden, Katzen, Kaninchen und Pferden. Es ist weit mehr als eine kosmetische Maßnahme: Regelmäßiges Kämmen ermöglicht dem Tierhalter, Hautveränderungen, Zecken, Flöhe, Wunden oder Knoten frühzeitig zu erkennen. Damit leistet es einen direkten Beitrag zur Gesundheitsvorsorge und zum Wohlbefinden des Tieres. Aus Sicht des Tierschutzes ist eine angemessene Fellpflege Teil der artgerechten Haltung, da vernachlässigtes Fell zu Schmerzen, Hauterkrankungen und eingeschränkter Bewegungsfreiheit führen kann.
Grundlagen & Voraussetzungen
Bevor man mit dem Kämmen beginnt, sollte man die Fellstruktur des jeweiligen Tieres kennen. Tiere unterscheiden sich erheblich in Haarlänge, Haardichte und Unterwolle. Langhaarige Rassen wie Perserkatzen, Yorkshire Terrier oder Angorakaninchen benötigen deutlich intensivere Pflege als kurzhaarige Artgenossen.
Die Wahl des richtigen Werkzeugs ist entscheidend:
- Grober Kamm (weite Zinken): Geeignet zum Entwirren von langem Fell und als erster Durchgang bei verfilztem Haar.
- Feiner Kamm (enge Zinken): Ideal zum Entfernen von Parasiten wie Flöhen und Läusen sowie für kurzes, dichtes Fell.
- Entfilzungskamm / Entfilzungsharke: Speziell für Knoten und stark verfilzte Stellen, schneidet Verfilzungen schonend auf.
- Unterwollkamm (Furminator): Entfernt abgestorbene Unterwolle während des Fellwechsels effektiv.
- Flohkamm: Sehr eng stehende Zinken, die Flöhe und Flohkot aus dem Fell herausfiltern.
Grundsätzlich sollte das Tier vor dem ersten Kämmen an das Werkzeug und die Berührungen gewöhnt werden. Bei jungen Tieren empfiehlt es sich, die Fellpflege früh in den Alltag zu integrieren – idealerweise bereits im Welpen- oder Jungtieralter. So wird das Kämmen zu einer positiven Routine und nicht zu einer stressigen Prozedur.
Praktische Umsetzung
Der ideale Zeitpunkt zum Kämmen ist, wenn das Tier entspannt ist – etwa nach einem Spaziergang oder nach dem Auslauf im Gehege, wenn sich das Tier beruhigt hat. Eine ruhige Umgebung ohne Ablenkung erleichtert die Prozedur erheblich.
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- 1. Sichtprüfung: Das Fell zunächst mit den Händen abtasten. So lassen sich Verfilzungen, Knoten, Zecken oder Hautveränderungen ertasten, bevor man mit dem Kamm arbeitet.
- 2. Grobes Entwirren: Mit einem groben Kamm oder den Fingern vorsichtig größere Knoten lösen. Dabei immer vom Haaransatz weg arbeiten – niemals am Fell reißen.
- 3. Systematisches Kämmen: In Wuchsrichtung des Fells arbeiten, Partie für Partie. Beim Rücken beginnen, dann Flanken, Bauch, Beine und zuletzt die empfindlichen Stellen wie Achseln, Leisten, Ohrenbereich und Schwanz.
- 4. Unterwolle bearbeiten: Besonders während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst mit einem Unterwollkamm die abgestorbene Unterwolle entfernen.
- 5. Belohnung: Nach der Prozedur das Tier mit einem Leckerli oder ruhigem Streicheln belohnen, um eine positive Verknüpfung herzustellen.
Die Häufigkeit richtet sich nach der Felllänge: Langhaarige Tiere sollten täglich bis jeden zweiten Tag gekämmt werden. Bei kurzhaarigem Fell reicht oft einmal pro Woche. Während des Fellwechsels erhöht sich der Pflegebedarf bei allen Felltypen.
Häufige Fehler
- Zu starker Druck: Viele Halter drücken den Kamm zu fest auf die Haut, was zu Mikroverletzungen und Schmerzen führt. Der Kamm sollte sanft und gleichmäßig durch das Fell gleiten.
- Falsches Werkzeug: Ein zu feiner Kamm bei langem, dichtem Fell reißt Haare aus und verursacht Schmerzen. Umgekehrt ist ein grober Kamm bei kurzem Fell wirkungslos.
- Verfilzungen ignorieren: Kleine Knoten wachsen schnell zu festen Filzplatten heran, die nur noch durch Scheren entfernt werden können. Im schlimmsten Fall entstehen darunter Ekzeme und Hautentzündungen.
- Empfindliche Stellen auslassen: Achseln, Leisten, Bereich hinter den Ohren und die Hosen an den Hinterbeinen werden oft vernachlässigt – genau dort verfilzt das Fell jedoch am schnellsten.
- Kämmen als Zwang: Wer das Tier festhält und gegen seinen Willen kämmt, erzeugt dauerhaften Stress und Abwehrverhalten. Besser ist es, die Beschäftigung mit der Fellpflege schrittweise aufzubauen.
Tipps für Anfänger
Wer zum ersten Mal ein Tier regelmäßig kämmen möchte, sollte mit kurzen Einheiten von zwei bis drei Minuten beginnen und die Dauer langsam steigern. Das Tier muss lernen, dass