Kardätsche
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Definition und Überblick
Die Kardätsche ist eine großflächige, weiche Bürste mit kurzen, dicht stehenden Borsten, die zur täglichen Fellpflege von Pferden eingesetzt wird. Sie gehört zur Grundausstattung jedes Putzzeugkastens und zählt neben dem Striegel, dem Hufkratzer und dem Schweifkamm zu den unverzichtbaren Werkzeugen der Pferdepflege. Ihre zentrale Aufgabe besteht darin, feinen Staub, Hautschuppen und gelösten Schmutz aus dem Fell zu entfernen, nachdem gröbere Verunreinigungen bereits mit dem Striegel vorbehandelt wurden. Der Begriff leitet sich vom italienischen Wort cardare ab, das so viel wie „kämmen" oder „krempeln" bedeutet und auf die Textilindustrie zurückgeht, wo ähnliche Bürsten zur Wollbearbeitung verwendet wurden.
Aufbau und Materialien
Eine Kardätsche besteht aus einem flachen, ovalen oder rechteckigen Bürstenkörper mit einer Handschlaufe oder einem Handriemen auf der Rückseite. Der Bürstenkörper wird traditionell aus Holz gefertigt, während moderne Varianten auch aus Kunststoff oder Gummi erhältlich sind. Die Borsten sitzen dicht an dicht in gleichmäßigen Reihen und sind deutlich kürzer und weicher als die Zinken eines Striegels.
Bei den Borsten unterscheidet man mehrere Materialien:
- Naturborsten – Rosshaar, Ziegenhaar oder Schweineborsten gelten als besonders hautfreundlich und erzeugen einen natürlichen Glanz im Fell. Rosshaarborsten sind weich und eignen sich hervorragend für empfindliche Körperpartien.
- Synthetikborsten – Nylon- oder Polyesterfasern sind langlebig, leicht zu reinigen und preisgünstiger. Sie eignen sich gut für den täglichen Einsatz bei robusten Pferden.
- Mischborsten – Eine Kombination aus Natur- und Kunstfasern vereint die Vorteile beider Materialien und bietet ein ausgewogenes Verhältnis aus Reinigungswirkung und Fellschonung.
Die Handschlaufe auf der Rückseite sorgt dafür, dass die Bürste während des Putzens sicher in der Hand liegt. Manche Modelle verfügen über einen verstellbaren Lederriemen, andere über eine fest eingearbeitete Kunststoffschlaufe.
Anwendung beim Putzen
Die Kardätsche kommt im klassischen Putzvorgang nach dem Striegel zum Einsatz. Der Striegel – meist ein Gummi- oder Metallstriegel mit groben Zacken – löst zunächst festsitzenden Schmutz, verkrusteten Schweiß und lose Haare aus dem Fell. Anschließend wird die Kardätsche in langen, gleichmäßigen Strichen in Wuchsrichtung des Fells über den Pferdekörper geführt, um die gelösten Partikel aufzunehmen und aus dem Fell herauszubefördern.
Die Bürste wird dabei in der führenden Hand gehalten, während die andere Hand den Striegel trägt. Nach jeweils drei bis fünf Bürstenstrichen streift man die Kardätsche über den Striegel ab, um die aufgenommenen Haare und Staubpartikel zu entfernen. Diese Technik wird als Abstreifen bezeichnet und stellt sicher, dass die Borsten ihre Reinigungswirkung behalten.
Besonders geeignet ist die Kardätsche für die empfindlichen Körperstellen des Pferdes, an denen der Striegel nicht oder nur vorsichtig eingesetzt werden sollte. Dazu gehören:
- Der Kopf mit Ganaschen, Stirn und Nüstern
- Die Beine unterhalb des Karpalgelenks und des Sprunggelenks
- Die Sattellage und der Gurtbereich
- Die Innenseiten der Oberschenkel
Für den Kopfbereich werden häufig kleinere, besonders weiche Kardätschen verwendet, die als Kopfbürste oder Gesichtsbürste bezeichnet werden.
Abgrenzung zu anderen Putzwerkzeugen
Die Kardätsche wird häufig mit dem Striegel verwechselt, unterscheidet sich jedoch grundlegend in Funktion und Beschaffenheit. Während der Striegel als grobes Reinigungswerkzeug dient und kreisende Bewegungen erfordert, arbeitet die Kardätsche mit geraden Strichen und übernimmt die feinere Reinigung. Der Wurzelbürste – auch Schmutzbürste genannt – kommt bei stark verschmutztem Fell oder Beinen mit gröberem Dreck zum Einsatz; ihre Borsten sind länger und härter als die der Kardätsche. Die Mähnenbürste ist wiederum speziell auf Langhaar ausgelegt und hat weiter auseinanderstehende Borsten, um Mähne und Schweif schonend zu entwirren.
Im Zusammenspiel dieser Werkzeuge bildet die Kardätsche das Herzstück der Fellpflege: Sie sorgt für die Feinpolitur des Fells und regt durch die Massagewirkung die Talgproduktion der Haut an, was dem Fell seinen typischen seidigen Glanz verleiht.
Pflege und Reinigung der Kardätsche
Damit die Kardätsche ihre Reinigungswirkung dauerhaft behält, sollte sie regelmäßig gepflegt werden. Nach jedem Putzen empfiehlt es sich, die Borsten gründlich vom angesammelten Staub und Haar zu befreien. In regelmäßigen Abständen – etwa alle zwei bis vier Wochen – ist eine Grundreinigung mit lauwarmem Wasser und milder Seife sinnvoll. Bürsten mit Naturborsten sollten anschließend mit den Borsten nach unten getrocknet werden, damit kein Wasser in den Holzkörper eindringt und diesen aufquellen lässt. Synthetikbürsten trocknen schneller und vertragen auch gelegentliches Desinfizieren.
Aus hygienischen Gründen sollte jedes Pferd seine eigene Kardätsche haben. Die gemeinsame Nutzung von Putzzeug kann Hautpilze, Ekzeme oder Parasiten wie Haarlinge von einem Tier auf ein anderes übertragen.
Bedeutung für Gesundheit und Wohlbefinden des Pferdes
Das regelmäßige Bürsten mit der Kardätsche ist weit mehr als eine kosmetische Maßnahme. Die gleichmäßigen Bürstenstriche fördern die Durchblutung der Haut, unterstützen den Hautstoffwechsel und helfen dabei,