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Kurzohrfuchs

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Tierart – Säugetiere > Raubtiere – Hunde (wild)

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Atelocynus microtis
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Familie: Hunde (Canidae)
  • Gattung: Atelocynus (monotypisch)
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder Südamerikas
  • Körperlänge: 72–100 cm (ohne Schwanz)
  • Schwanzlänge: 25–35 cm
  • Gewicht: 9–10 kg
  • Lebenserwartung: In freier Wildbahn vermutlich 8–11 Jahre; in Gefangenschaft kaum Daten verfügbar

Aussehen & Merkmale

Der Kurzohrfuchs ist ein mittelgroßer Wildhund mit einem schlanken, langgestreckten Körperbau und vergleichsweise kurzen Beinen. Sein auffälligstes Merkmal – und Namensgeber – sind die ungewöhnlich kleinen, abgerundeten Ohren, die sich deutlich von den großen Lauschern vieler anderer Caniden unterscheiden. Die Ohrmuscheln ragen kaum über das Niveau des Kopffells hinaus, was dem Tier ein eigenartig stumpfes Kopfprofil verleiht.

Das Fell ist dicht, glatt und relativ kurz. Die Grundfärbung variiert von dunkelbraun bis fast schwarz, wobei die Unterseite etwas heller ausfallen kann. Manche Individuen zeigen einen rötlich-braunen Ton an Flanken und Beinen. Der buschige Schwanz ist dunkel gefärbt und erreicht etwa ein Drittel der Kopf-Rumpf-Länge. Die Pfoten sind teilweise mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen versehen – eine Anpassung an das feuchte Habitat des Regenwaldes. Das Gebiss entspricht dem typischen Caniden-Schema mit 42 Zähnen, wobei die Fangzähne kräftig ausgebildet sind.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Kurzohrfuchses erstreckt sich über das Amazonasbecken und angrenzende tropische Tieflandregenwälder Südamerikas. Nachweise stammen aus Brasilien, Peru, Kolumbien, Ecuador, Bolivien und vereinzelt aus dem südlichen Venezuela sowie den Guyana-Staaten. Die Art bewohnt nahezu ausschließlich dichte, ungestörte Terra-firme-Wälder und Várzea-Wälder (saisonal überflutete Auenwälder). Gelegentlich wird sie auch in Sumpfwäldern und an Flussufern beobachtet.

Im Gegensatz zu vielen anderen südamerikanischen Wildhunden – etwa dem Maikong (Cerdocyon thous) oder dem Waldhund (Speothos venaticus) – meidet der Kurzohrfuchs offene Habitate wie Savannen, Cerrado oder landwirtschaftlich genutzte Flächen konsequent. Diese strenge Bindung an dichten Primärwald macht ihn zu einer der am stärksten waldgebundenen Hundearten weltweit. Die Populationsdichte ist selbst in geeigneten Biotopen gering; Schätzungen gehen von weniger als einem Individuum pro 100 Quadratkilometer aus.

Ernährung

Der Kurzohrfuchs ernährt sich omnivor, wobei tierische Nahrung überwiegt. Zu seinem Beutespektrum gehören Fische, Krebstiere, Frösche, kleine Nagetiere, Agutis und bodenlebende Vögel. Insekten und deren Larven ergänzen den Speiseplan. Daneben frisst er regelmäßig Früchte, die am Waldboden liegen, und dürfte damit auch eine gewisse Rolle als Samenverbreiter im Ökosystem Regenwald spielen.

Die Schwimmhäute zwischen den Zehen deuten darauf hin, dass die Jagd im und am Wasser einen relevanten Teil der Nahrungsbeschaffung ausmacht. Kamerafallenaufnahmen zeigen das Tier häufig in der Nähe kleiner Waldflüsse und temporärer Tümpel. Im Vergleich zu stärker an Rudeljagd angepassten Caniden wie dem Waldhund jagt der Kurzohrfuchs offenbar einzelgängerisch und opportunistisch.

Verhalten & Lebensweise

Über das Verhalten von Atelocynus microtis ist vergleichsweise wenig bekannt, da die Art extrem scheu ist und in schwer zugänglichem Terrain lebt. Die meisten Beobachtungen stammen aus Kamerafallenstudien und wenigen Sichtungen durch Feldbiologen. Der Kurzohrfuchs gilt als überwiegend tagaktiv mit Aktivitätsschwerpunkten in den Morgen- und Nachmittagsstunden, wobei auch nächtliche Aktivität dokumentiert wurde.

Die Tiere leben offenbar vorwiegend einzelgängerisch oder in Paaren. Rudelbildung, wie sie bei manchen anderen Wildhunden vorkommt, wurde nicht beobachtet. Das Revier wird vermutlich über Duftmarkierungen abgegrenzt; genaue Daten zur Reviergröße fehlen, doch dürfte sie angesichts der geringen Populationsdichte beträchtlich sein. Begegnungen mit Artgenossen scheinen selten zu sein. In den wenigen dokumentierten Beobachtungen in Gefangenschaft zeigten die Tiere ein scheues, zurückgezogenes Verhalten und eine ausgeprägte Stressanfälligkeit.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzungsbiologie des Kurzohrfuchses ist nur bruchstückhaft erforscht. Eine definierte Paarungszeit ist nicht sicher belegt; die wenigen Hinweise deuten auf keine strenge Saisonalität hin, was für tropische Caniden-Arten nicht ungewöhnlich ist. Die Wurfgröße beträgt nach bisherigem Wissensstand ein bis zwei Jungtiere, möglicherweise selten auch mehr.

Es wird angenommen, dass die Welpen in natürlichen Höhlen, unter Wurzeltellern umgestürzter Bäume oder in dichten Unterholzstrukturen geboren und aufgezogen werden. Ob beide Elternteile an der Aufzucht beteiligt sind – wie bei vielen Caniden üblich –, ist nicht abschließend geklärt, wird aber aufgrund der paarweisen Sichtungen vermutet. Die Tragzeit dürfte, in Analogie zu verwandten südamerikanischen Hundearten, zwischen 60 und 75 Tagen liegen.

Bedrohung & Schutzstatus

Die IUCN stuft den Kurzohrfuchs als „po