Labrador-retriever
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Steckbrief
- Herkunft: Neufundland (Kanada) / Großbritannien
- FCI-Gruppe: Gruppe 8 – Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde; Sektion 1 – Apportierhunde
- FCI-Standard Nr.: 122
- Größe: Rüden 56–57 cm, Hündinnen 54–56 cm (Widerristhöhe)
- Gewicht: Rüden 29–36 kg, Hündinnen 25–32 kg
- Lebenserwartung: 10–13 Jahre
- Fell: Kurzes, dichtes Stockhaar mit wasserabweisender Unterwolle
- Farben: Schwarz, Gelb (von hellcreme bis fuchsrot), Schokoladenbraun (Chocolate)
Herkunft & Geschichte
Die Abstammung des Labrador Retrievers lässt sich bis ins frühe 19. Jahrhundert nach Neufundland zurückverfolgen. Dort arbeiteten Fischer mit kompakten, wasserfreudigen Hunden, die beim Einholen von Netzen und verlorenem Fang halfen. Diese sogenannten St. John's Dogs – nicht zu verwechseln mit dem deutlich größeren Neufundländer – gelten als direkte Vorfahren der heutigen Rasse.
Britische Adlige und Händler brachten diese Hunde Anfang des 19. Jahrhunderts nach England. Dort begann eine gezielte Zucht, die auf Apportierleistung, Wasserarbeit und ein ausgeglichenes Wesen ausgerichtet war. Der Earl of Malmesbury und der Duke of Buccleuch zählen zu den bedeutendsten frühen Züchtern, die den Typus festigten. Der Name „Labrador" setzte sich durch, obwohl die Hunde ursprünglich von der Insel Neufundland und nicht von der Labrador-Halbinsel stammten.
1903 erkannte der britische Kennel Club den Labrador Retriever als eigenständige Rasse an. Der erste Rassestandard wurde kurz darauf formuliert. Seit den 1960er-Jahren verbreitete sich der Labrador weltweit und stieg zum populärsten Familien- und Gebrauchshund auf. Der zuständige Zuchtverband in Deutschland ist der Deutsche Retriever Club (DRC), der dem VDH und der FCI angeschlossen ist.
Aussehen & Rassemerkmale
Der Labrador Retriever ist ein kräftig gebauter, kompakter Hund mit breitem Schädel, ausgeprägtem Stop und mittelgroßen, haselnuss- bis dunkelbraunen Augen, die einen freundlichen, intelligenten Ausdruck verleihen. Die Ohren sind mittelgroß, hängend und dicht am Kopf anliegend.
Besonders charakteristisch ist die sogenannte Otterrute: Sie ist am Ansatz sehr dick, verjüngt sich zur Spitze hin und ist rundherum mit kurzem, dichtem Fell bedeckt. Die Rute wird in der Regel auf Rückenhöhe getragen, niemals über den Rücken gerollt.
Das Fell besteht aus einem kurzen, harten Deckhaar und einer dichten, weichen Unterwolle, die den Hund hervorragend gegen Kälte und Nässe schützt. Gemäß Rassestandard sind ausschließlich die drei einfarbigen Varianten Schwarz, Gelb und Chocolate zugelassen. Ein kleiner weißer Brustfleck ist toleriert.
Innerhalb der Rasse haben sich zwei Zuchtlinien herausgebildet: Der Show-Typ (auch Bench-Typ) ist kompakter und schwerer gebaut, während der Arbeits-Typ (Field-Trial-Linie) schlanker, leichter und oft triebstärker ist. Beide Linien entsprechen dem Rassestandard, unterscheiden sich aber deutlich in Körperbau und Temperament.
Charakter & Wesen
Der Labrador Retriever gilt als einer der freundlichsten und umgänglichsten Hunde überhaupt. Sein Wesen ist geprägt von Menschenbezogenheit, Kooperationsbereitschaft und einer auffallend hohen Reizschwelle. Er ist treu, verspielt und zeigt so gut wie keine Aggressionsneigung – Eigenschaften, die ihn sowohl für Familien als auch für den professionellen Einsatz prädestinieren.
Seine Intelligenz und sein ausgeprägter Apportiertrieb machen ihn zu einem hervorragenden Arbeitshund. Labradore werden als Blindenführhunde, Rettungshunde, Drogenspürhunde und Therapiehunde eingesetzt. Im jagdlichen Bereich überzeugen sie als zuverlässige Apportierhunde bei der Arbeit nach dem Schuss, insbesondere bei der Wasserarbeit.
Trotz seines gutmütigen Wesens ist der Labrador kein phlegmatischer Hund. Gerade Exemplare aus Arbeitslinien zeigen einen enormen Arbeitswillen und brauchen entsprechende geistige und körperliche Auslastung. Ein unterforderter Labrador kann unerwünschte Verhaltensweisen entwickeln, darunter übermäßiges Bellen, Zerstörungswut oder ein noch stärker ausgeprägtes Fressverhalten. Als wachsam lässt er sich nur bedingt bezeichnen – er meldet zwar Besucher, ist aber kein Wachhund im eigentlichen Sinne.
Haltung & Pflege
Der Labrador Retriever braucht viel Bewegung und geistige Beschäftigung. Mindestens zwei ausgiebige Spaziergänge täglich sind Pflicht, idealerweise ergänzt durch Apportiertraining, Dummyarbeit, Nasenarbeit oder Schwimmeinheiten. Der Auslauf sollte abwechslungsreich gestaltet werden, denn der Labrador möchte arbeiten und nicht nur nebenherlaufen.
Die Fellpflege ist vergleichsweise unkompliziert. Regelmäßiges Bürsten – ein- bis zweimal pro Woche – entfernt lose Haare und fördert die Durchblutung der Haut. Während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst haart der Labrador stark, dann ist tägliches Bürsten ratsam. Baden sollte man den Hund nur bei starker Verschmutzung, um den natürlichen Fettfilm des Fells nicht zu zerstören.
Ohren und Zähne verdienen besondere Aufmerksamkeit. Die Hängeohren neigen bei unzureichender Belüftung zu Entzündungen und sollten regelmäßig kontrolliert werden. Eine Haltung in einer Stadtwohnung ist möglich, sofern der Bewegungsbedarf konsequent gedeckt wird – ein Haus mit Garten kommt dem Naturell des