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Lahmheit

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Tiermedizin & Gesundheit > Krankheiten – allgemein

Definition & Überblick

Lahmheit (medizinisch Claudicatio) bezeichnet jede Abweichung vom normalen, gleichmäßigen Gangbild eines Tieres. Sie ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom, das auf eine Vielzahl zugrunde liegender Erkrankungen oder Verletzungen hinweist. Betroffen sein können Knochen, Gelenke, Sehnen, Bänder, Muskeln, Nerven oder auch die Klauen bzw. Hufe. Lahmheit tritt bei nahezu allen Tierarten auf – von Hunden und Katzen über Pferde bis hin zu Rindern, Schafen und Vögeln. Die Ausprägung reicht von einem kaum sichtbaren Taktfehler bis zur vollständigen Entlastung einer Gliedmaße (hochgradige Lahmheit).

In der Tiermedizin wird zwischen Stützbeinlahmheit (Schmerz beim Auftreten und Belasten der Gliedmaße) und Hangbeinlahmheit (Schmerz beim Vorführen der Gliedmaße in der Schwungphase) unterschieden. Mischformen kommen häufig vor. Eine frühzeitige Erkennung und Abklärung sind entscheidend, da verschleppte Lahmheiten zu chronischen Schäden, Fehlbelastungen und erheblichem Leidensdruck führen können.

Ursachen & Risikofaktoren

Die Ursachen für Lahmheit sind außerordentlich vielfältig. Sie lassen sich grob in folgende Kategorien einteilen:

  • Traumatische Ursachen: Prellungen, Verstauchungen (Distorsionen), Zerrungen, Frakturen, Luxationen (Gelenkverrenkungen), Pfotenverletzungen durch Fremdkörper wie Dornen oder Glasscherben
  • Orthopädische Erkrankungen: Arthrose (degenerative Gelenkerkrankung), Hüftgelenksdysplasie (HD), Ellbogendysplasie (ED), Patellaluxation (Kniescheibenverrenkung), Kreuzbandriss, Osteochondrosis dissecans (OCD)
  • Infektiöse Ursachen: Borreliose, septische Arthritis (bakterielle Gelenkentzündung), Klauenfäule bei Wiederkäuern, Hufabszesse bei Pferden
  • Neurologische Ursachen: Bandscheibenvorfälle, degenerative Myelopathie, Nervenverletzungen, Cauda-equina-Syndrom
  • Neoplastische Ursachen: Knochentumore wie das Osteosarkom, Weichteiltumore
  • Metabolische Ursachen: Rachitis, Hufrehe (Laminitis) beim Pferd, ernährungsbedingte Knochenstoffwechselstörungen bei Jungtieren

Zu den Risikofaktoren zählen Übergewicht, übermäßige körperliche Belastung – besonders bei noch wachsenden Tieren –, rassebedingte Prädispositionen (etwa Hüftgelenksdysplasie bei großen Hunderassen), mangelnde Huf- oder Klauenpflege, ungeeignete Bodenverhältnisse und höheres Alter.

Symptome & Erkennung

Das offensichtlichste Anzeichen ist ein ungleichmäßiges Gangbild. Je nach Schweregrad und betroffener Struktur zeigen Tiere unterschiedliche Symptome:

  • Schonhaltung: Das Tier verlagert das Gewicht auf die gesunden Gliedmaßen und entlastet die betroffene Seite. Bei der Stützbeinlahmheit „nickt" ein Pferd beispielsweise mit dem Kopf nach unten, wenn die gesunde Vordergliedmaße belastet wird.
  • Bewegungsunlust: Hunde verweigern Spaziergänge, springen nicht mehr auf das Sofa oder steigen ungern Treppen. Katzen springen weniger oder ziehen sich zurück.
  • Schwellung und Wärme: Entzündete Gelenke oder verletzte Weichteile sind oft geschwollen, vermehrt warm und berührungsempfindlich.
  • Muskelatrophie: Bei länger bestehender Lahmheit baut die Muskulatur der betroffenen Gliedmaße ab – ein sichtbarer Seitenunterschied entsteht.
  • Krepitation: Ein fühlbares oder hörbares Knirschen im Gelenk kann auf Arthrose, Frakturen oder freie Gelenkkörper hinweisen.
  • Verhaltensänderungen: Vermehrtes Lecken an einer bestimmten Stelle, Appetitlosigkeit, Aggressivität bei Berührung oder Lautäußerungen wie Winseln und Jaulen.

Lahmheiten werden in Schweregrade eingeteilt – beim Pferd etwa auf einer Skala von 0 (lahmheitsfrei) bis 5 (keine Belastung der Gliedmaße möglich). Diese Einteilung hilft bei der Verlaufskontrolle und Therapieplanung.

Diagnose

Die Diagnostik beginnt mit einer gründlichen Anamnese: Seit wann besteht die Lahmheit? Trat sie plötzlich auf oder schleichend? Verschlechtert sie sich nach Belastung oder beim Aufstehen nach Ruhephasen? Es folgt die klinische Untersuchung mit Adspektion (Betrachtung des Gangbildes im Schritt und Trab, auf gerader Linie und in Wendungen) und Palpation (Abtasten der Gliedmaßen auf Schwellungen, Wärme, Schmerzhaftigkeit und Instabilität).

Spezifische Provokationsproben wie der Schubladentest beim Kreuzbandriss oder Beugeproben beim Pferd helfen, die betroffene Struktur einzugrenzen. Bei Pferden kommen diagnostische Anästhesien (Leitungs- und Gelenkbetäubungen) zum Einsatz, um den Schmerzort systematisch einzugrenzen.

Bildgebende Verfahren sind häufig unerlässlich:

  • Röntgen: Standardverfahren zur Beurteilung von Knochen und Gelenken, Nachweis von Frakturen, Arthrosen oder Tumoren
  • Ultraschall (Sonographie): Darstellung von S