Leuzismus
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Definition und Überblick
Leuzismus (von altgriechisch leukós – „weiß") bezeichnet eine genetisch bedingte Pigmentstörung, bei der die Haut, das Fell, das Gefieder oder die Schuppen eines Tieres teilweise oder vollständig weiß erscheinen. Anders als beim Albinismus, bei dem die Bildung des Farbstoffs Melanin gestört ist, fehlen beim Leuzismus die farbgebenden Zellen – die sogenannten Melanocyten – in bestimmten Körperregionen ganz oder sind stark reduziert. Das hat eine entscheidende Konsequenz: Die Augen leuzistischer Tiere sind in der Regel normal pigmentiert und erscheinen dunkel, während Albinos typischerweise rote oder rosafarbene Augen haben.
Leuzismus kommt bei zahlreichen Tierarten vor – bei Vögeln, Reptilien, Amphibien, Fischen und Säugetieren. In der Tierzucht wird er bei manchen Rassen gezielt selektiert, etwa bei weißen Pferden, weißen Katzen oder bestimmten Hühnerrassen. In Wildtierpopulationen tritt er als seltene Farbvariante auf und kann je nach Lebensraum Vor- oder Nachteile für das betroffene Tier mit sich bringen.
Genetische Grundlagen
Die Ursache des Leuzismus liegt in einer Störung der Melanoblasten-Wanderung während der Embryonalentwicklung. Melanoblasten sind die Vorläuferzellen der Melanocyten. Sie entstehen in der Neuralleiste und wandern von dort in die verschiedenen Gewebe des Körpers – Haut, Haarfollikel, Federanlagen und Iris. Beim Leuzismus erreichen diese Zellen bestimmte Regionen nicht oder gehen dort zugrunde, sodass in den betroffenen Bereichen keinerlei Pigmentzellen vorhanden sind.
Verantwortlich dafür sind Mutationen in verschiedenen Genen, die an der Differenzierung, Migration oder dem Überleben der Melanoblasten beteiligt sind. Zu den wichtigsten zählen:
- KIT-Gen (auch W-Locus genannt): Codiert einen Tyrosinkinase-Rezeptor, der für die Wanderung und das Überleben von Melanoblasten essenziell ist. Mutationen in diesem Gen verursachen unter anderem die weiße Fellfarbe bei Pferden (Dominant White), weißen Katzen und gescheckten Hunden.
- MITF-Gen (Microphthalmus-assoziierter Transkriptionsfaktor): Steuert die Entwicklung der Melanocyten und spielt bei verschiedenen Säugetierarten eine Rolle beim Auftreten leuzistischer Phänotypen.
- EDNRB- und EDN3-Gene: Codieren Bestandteile des Endothelin-Signalwegs und sind an der Wanderung der Neuralleistenzellen beteiligt.
- PAX3- und SOX10-Gene: Transkriptionsfaktoren, deren Mutationen bei verschiedenen Spezies zu Pigmentdefekten führen.
Der Erbgang variiert je nach betroffenem Gen und Tierart. In vielen Fällen wird Leuzismus autosomal-dominant vererbt – ein einziges mutiertes Allel genügt, um den Phänotyp auszuprägen. Bei einigen Formen liegt jedoch ein autosomal-rezessiver oder ein unvollständig dominanter Erbgang vor. Homozygote Träger bestimmter Mutationen, etwa im KIT-Gen, können eine stärkere Ausprägung zeigen als heterozygote Individuen – bis hin zu embryonaler Letalität.
Abgrenzung zum Albinismus und zu anderen Farbvarianten
Die Verwechslung von Leuzismus und Albinismus ist weit verbreitet, obwohl sich die beiden Phänomene grundlegend unterscheiden. Beim Albinismus sind die Melanocyten vorhanden, können jedoch aufgrund eines Enzymdefekts – meist betrifft er die Tyrosinase – kein oder nur wenig Melanin produzieren. Deshalb fehlt beim Albinismus auch die Pigmentierung der Iris, was zu den charakteristischen roten Augen führt.
Beim Leuzismus hingegen fehlen die Melanocyten selbst. Die Iris enthält jedoch eigene Pigmentzellen, die meist nicht betroffen sind, da sie einen anderen embryonalen Ursprung haben können. Daher behalten leuzistische Tiere gewöhnlich ihre normale Augenfarbe. Eine Ausnahme bilden Fälle, in denen auch die Melanocyten der Iris von der Störung betroffen sind – dann können blaue Augen auftreten, wie es bei manchen weißen Katzen oder weißen Pferden der Fall ist.
Weitere Farbvarianten, die vom Leuzismus abzugrenzen sind:
- Scheckung (Piebaldismus): Eine partielle Form des Leuzismus, bei der nur bestimmte Körperregionen weiß sind, während andere normal pigmentiert bleiben.
- Dilution (Farbverdünnung): Die Melanocyten sind vorhanden und produzieren Melanin, doch die Verteilung der Pigmentgranula ist gestört, was zu aufgehellten Farben führt.
- Grauschimmelung: Ein progressiver Pigmentverlust im Laufe des Lebens, bei dem die Melanocyten nach und nach absterben – genetisch und mechanistisch verschieden vom Leuzismus.
Leuzismus in der Tierzucht
In der Zucht verschiedener Haustierarten wird Leuzismus seit Jahrhunderten gezielt genutzt, um weiße oder gescheckte Farbschläge zu erzeugen. Weiße Pferde vom Typ Dominant White, weiße Katzen mit dem W-Gen, weiße Hunde bestimmter Rassen sowie zahlreiche weiße Geflügelrassen tragen leuzistische Mutationen.
Allerdings sind mit manchen dieser Mutationen gesundheitliche Risiken verbunden. Besonders bekannt ist der Zusammenhang zwischen dem dominanten Weiß-Gen bei Katzen und angeborener Taubheit. Da die Melanocyten auch für die Funktion des Innenohrs eine Rolle spielen, kann deren Fehlen zu einer Degeneration der Stria vascularis in der Cochlea führen. Weiße, blauäugige Katzen sind mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 80 Prozent auf einem oder beiden Ohren taub.
Bei Hunden können extreme Weißscheckung und