T Tierlexikon.net
← Lexikon

Lewitzer

L

Rassen > Pferderassen

Steckbrief

  • Herkunft: Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
  • Rassetyp: Kleinpferd / Pony (Schecke)
  • Zuchtverband: Lewitzer Zuchtverband e.V., anerkannt durch die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN)
  • Stockmaß: 120–148 cm (unterteilt in Sektion I: bis 130 cm, Sektion II: 131–140 cm, Sektion III: 141–148 cm)
  • Gewicht: ca. 350–500 kg je nach Sektion
  • Lebenserwartung: 25–30 Jahre
  • Fell/Farben: Ausschließlich Tobiano-Schecken in allen Grundfarben; erwünscht sind großflächige, klar abgegrenzte Platten

Herkunft & Geschichte

Der Lewitzer ist eine vergleichsweise junge deutsche Ponyrasse, deren Ursprung in der Region um die Stadt Lewitz in Mecklenburg-Vorpommern liegt. Die gezielte Zucht begann in den 1960er-Jahren auf dem Volkseigenen Gut (VEG) Lewitz in der ehemaligen DDR. Ziel war es, ein leistungsfähiges, robustes und optisch ansprechendes Kleinpferd für den Breitensport und die Jugendarbeit zu schaffen.

Die Zuchtgrundlage bildeten einheimische Landstuten, die mit Shetlandpony-Hengsten, Fjordpferde-Hengsten und später gezielt mit Arabern, Trakehner sowie Reitpony-Hengsten angepaart wurden. Das markante Tobiano-Scheckenmuster war von Anfang an ein zentrales Selektionsmerkmal. Durch die konsequente Auswahl auf Farbe, Rittigkeit und Leistungsbereitschaft entstand innerhalb weniger Jahrzehnte ein eigenständiger Pferdetyp mit hohem Wiedererkennungswert.

Nach der deutschen Wiedervereinigung stand die Rasse vor einer Bewährungsprobe, da die zentral gelenkte Zuchtstruktur der DDR wegfiel. Engagierte Züchter gründeten den Lewitzer Zuchtverband e.V., der bis heute die Zuchtarbeit koordiniert und das Stutbuch führt. Mittlerweile ist der Lewitzer als eigenständige Rasse durch die FN anerkannt und erfreut sich bundesweit wachsender Beliebtheit – insbesondere als vielseitiges Familien- und Jugendpferd.

Aussehen & Rassemerkmale

Das auffälligste Merkmal des Lewitzers ist sein Tobiano-Scheckenmuster mit klar abgegrenzten weißen und farbigen Platten. Einfarbige Tiere werden nicht in das Zuchtbuch eingetragen. Die Grundfarben reichen von Braun über Fuchs und Rappe bis hin zu selteneren Farbvarianten.

Der Körperbau orientiert sich am Reitpferdetyp im Kleinpferdeformat. Der Kopf ist edel und trocken mit großen, aufmerksamen Augen und kleinen Ohren. Der Hals ist gut aufgesetzt und muskulös, der Widerrist ausgeprägt. Die Schulter zeigt eine gute Schräge, was raumgreifende Bewegungen ermöglicht. Der Rumpf ist kompakt mit tiefer Brust und gut gerundeter Rippenpartie. Die Kruppe ist leicht abfallend und gut bemuskelt. Das Fundament zeichnet sich durch korrekte, trockene Gliedmaßen mit stabilen Gelenken und harten Hufen aus.

Die Bewegungen sind taktrein, schwungvoll und raumgreifend. Insbesondere Trab und Galopp zeigen eine deutliche Reitpferdemechanik, die den Lewitzer von vielen anderen Ponyrassen abhebt. Durch die Sektionseinteilung nach Stockmaß finden sich sowohl kompaktere Ponytypen als auch elegantere Kleinpferde innerhalb der Rasse.

Charakter & Wesen

Der Lewitzer gilt als ausgesprochen menschenbezogen, freundlich und kooperativ. Er bringt eine hohe Lernbereitschaft mit und zeigt sich im Umgang unkompliziert. Typisch für die Rasse ist ein ausgeglichenes, nervenstabiles Temperament, gepaart mit einer gesunden Portion Vorwärtsdrang und Arbeitswille.

Lewitzer sind intelligent und aufmerksam, ohne dabei hektisch oder schreckhaft zu reagieren. Sie bauen eine enge Bindung zu ihren Bezugspersonen auf und zeigen sich treu und zuverlässig. Jüngere Tiere können durchaus verspielt und neugierig sein, was die Arbeit mit ihnen abwechslungsreich macht. Ihre Gutmütigkeit macht sie besonders im Umgang mit Kindern und Reitanfängern zu verlässlichen Partnern, ohne dabei langweilig oder stumpf zu wirken.

Haltung & Pflege

Als robustes Kleinpferd stellt der Lewitzer keine überzogenen Ansprüche an die Haltung. Optimal ist ein Offenstall oder eine Laufstallhaltung mit großzügigem Auslauf und der Möglichkeit, sich frei zu bewegen. Lewitzer sind gesellige Herdentiere und sollten grundsätzlich nicht einzeln gehalten werden. Kontakt zu Artgenossen ist für ihr psychisches Wohlbefinden unerlässlich.

Die Fellpflege ist unkompliziert. Regelmäßiges Putzen fördert die Durchblutung und stärkt die Bindung zum Pferd. Im Fellwechsel – Frühjahr und Herbst – ist eine intensivere Pflege mit geeigneten Bürsten und Striegeln empfehlenswert. Die Hufe sollten alle sechs bis acht Wochen vom Hufschmied kontrolliert und bearbeitet werden.

Lewitzer brauchen artgerechte Beschäftigung. Ob Dressur, Springen, Fahren, Geländeritte oder Voltigieren – die Rasse ist vielseitig einsetzbar und möchte gefordert werden. Langeweile und Bewegungsmangel können zu Unarten und gesundheitlichen Problemen führen. Ein abwechslungsreiches Training hält den Lewitzer körperlich und mental fit.

Ernährung

Die Fütterung des Lewitzers sollte sich an seinem Bedarf orientieren, der von Größe, Alter, Arbeitseinsatz und Stoffwechsellage abhängt. Die Grundlage bildet qualitativ hochwertiges Heu – mindestens 1,5 kg pro 100 kg Körpergewicht am Tag. Frisches Wasser muss jederzeit zur Verfügung stehen.

Kraftfutter ist nur bei entsprechender Arbeitsbelastung nötig und sollte sparsam eingesetzt werden. Lewitzer neigen wie