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Lippenbär

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Tierart – Säugetiere > Raubtiere – Bären

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Melursus ursinus
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Familie: Bären (Ursidae)
  • Gattung: Melursus
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, Grasland und felsige Gebiete des indischen Subkontinents
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 150–190 cm, Schulterhöhe 60–90 cm
  • Gewicht: Männchen 80–145 kg, Weibchen 55–95 kg
  • Lebenserwartung: In freier Wildbahn etwa 20–25 Jahre, in Gefangenschaft bis zu 40 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Lippenbär unterscheidet sich in seiner Erscheinung deutlich von anderen Vertretern der Familie Ursidae. Sein Fell ist lang, zottelig und überwiegend schwarz gefärbt, wobei es bei manchen Individuen einen bräunlichen oder rötlichen Schimmer aufweisen kann. Auf der Brust trägt er eine charakteristische, hufeisenförmige oder V-förmige weiße bis gelbliche Zeichnung, die individuell variiert und zur Identifikation einzelner Tiere herangezogen werden kann. Die Schnauze ist lang, schmal und grau bis weißlich gefärbt, was dem Tier ein unverwechselbares Profil verleiht.

Namensgebend sind die beweglichen, wulstigen Lippen sowie eine lange, bewegliche Zunge. Die Nasenlöcher können willkürlich verschlossen werden – eine Anpassung an die spezialisierte Nahrungsaufnahme. Die Vorderpfoten tragen stark gebogene, bis zu sieben Zentimeter lange Krallen, die hervorragend zum Graben und Aufbrechen von Termitenbauten geeignet sind. Im Vergleich zu anderen Bärenarten fehlen dem Lippenbär die beiden inneren oberen Schneidezähne, was die Bildung einer Lücke ermöglicht, durch die er beim Saugen an Insektennestern Luft und Beute einsaugen kann.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Lippenbären erstreckt sich über den indischen Subkontinent. Die Art kommt in Indien, Sri Lanka, Nepal und möglicherweise in kleinen Restpopulationen in Bangladesch und Bhutan vor. Als Habitat bevorzugt der Lippenbär tropische und subtropische Trockenwälder, feuchte Laubwälder, Dornbuschsavannen sowie felsige Hanglagen mit dichtem Unterwuchs. In Sri Lanka besiedelt die Unterart Melursus ursinus inornatus auch tiefergelegene Trockenzonen. Die Höhenverbreitung reicht vom Tiefland bis auf etwa 1.500 Meter, vereinzelt auch höher.

Die Tiere benötigen Gebiete mit ausreichend Deckung, Felsen oder hohlen Bäumen als Ruheplätze sowie ein zuverlässiges Angebot an Insekten und Früchten. Durch die zunehmende Fragmentierung ihres Lebensraums sind viele Populationen heute isoliert und auf Schutzgebiete beschränkt.

Ernährung

Der Lippenbär ist ein Allesfresser mit einer ausgeprägten Spezialisierung auf Insekten, insbesondere Termiten und Ameisen. Er bricht mit seinen kräftigen Krallen Termitenhügel auf, bläst den Staub weg und saugt die Insekten mit seinen röhrenförmig vorstülpbaren Lippen und der langen Zunge ein. Die dabei entstehenden Geräusche sind noch in beträchtlicher Entfernung hörbar. Diese hochspezialisierte Nahrungsaufnahme ist im gesamten Tierreich nahezu einzigartig unter den Bären und erinnert funktionell an Ameisenbären oder Pangoline.

Neben Insekten frisst der Lippenbär je nach Jahreszeit verschiedene Früchte, darunter Beeren von Ziziphus-Sträuchern, Mangos, Feigen und die Blüten des Mahua-Baums (Madhuca longifolia), deren süßer Nektar eine wichtige saisonale Nahrungsquelle darstellt. Honig wird ebenfalls gerne aufgenommen; in manchen Regionen wird der Lippenbär daher auch als „Honigbär" bezeichnet. Gelegentlich ergänzen Eier, Aas und pflanzliche Knollen den Speiseplan.

Verhalten & Lebensweise

Lippenbären sind überwiegend nachtaktiv, wobei sie in Gebieten mit geringer menschlicher Störung auch in der Dämmerung und am frühen Morgen aktiv sein können. Tagsüber ziehen sie sich in Felshöhlen, dichtes Gebüsch oder unter umgestürzte Bäume zurück. Im Gegensatz zu vielen anderen Bärenarten halten Lippenbären keinen Winterschlaf, da ihr tropisches Verbreitungsgebiet keine entsprechenden klimatischen Bedingungen aufweist.

Die Art gilt als weitgehend einzelgängerisch. Erwachsene Tiere bewohnen individuelle Streifgebiete, die sich mit denen anderer Individuen überlappen können. Feste Reviere im engeren Sinne werden nicht verteidigt. Weibchen mit Jungtieren bilden zeitweilig kleine Familiengruppen. Lippenbären sind gute Kletterer; Jungtiere klettern häufig auf Bäume, um Raubtieren zu entgehen. Die Tiere kommunizieren über eine Reihe von Lautäußerungen, darunter Schnaufen, Brummen und bei Bedrohung lautes, schrilles Schreien.

Im Kontakt mit Menschen reagieren Lippenbären häufig aggressiv – in Indien gelten sie als die Bärenart, die am häufigsten Menschen angreift. Dieses Verhalten wird auf ihre schlechte Sehkraft und die daraus resultierende Neigung zu Schreck- und Verteidigungsreaktionen zurückgeführt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit variiert je nach Region. In Indien findet sie vorwiegend zwischen Mai und Juli statt, auf Sri Lanka scheint die Fortpflanzung weniger saisonal gebunden zu sein. Nach einer Tragzeit von etwa sechs bis sieben Monaten bringt das Weibchen in einer geschützten Höhle oder einem Erdbau ein bis drei Jungtiere zur Welt, in der Regel zwei. Die Neugeborenen sind blind, nahezu haarlos und wiegen nur etwa 300 bis 500 Gramm.

Die Jungtiere öffnen nach rund drei Wochen die Augen und werden etwa vier bis fünf