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Lungenentzündung

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Tiermedizin & Gesundheit > Krankheiten – allgemein

Definition & Überblick

Die Lungenentzündung – in der tiermedizinischen Fachsprache als Pneumonie bezeichnet – ist eine entzündliche Erkrankung des Lungengewebes (Parenchym), die bei nahezu allen Haus- und Nutztierarten vorkommt. Betroffen sind dabei die Lungenbläschen (Alveolen), das Bindegewebe zwischen den Lungenbläschen (Interstitium) oder die Bronchien mitsamt dem umliegenden Gewebe. Je nach Lokalisation unterscheidet man unter anderem die Bronchopneumonie (Entzündung der Bronchien und angrenzenden Lungenareale), die interstitielle Pneumonie (Entzündung des Lungenzwischengewebes) und die Pleuropneumonie (Lungenentzündung mit Beteiligung des Brustfells).

Die Erkrankung kann akut oder chronisch verlaufen. Besonders gefährdet sind Jungtiere, ältere Tiere und immungeschwächte Individuen. Bei Nutztieren wie Rindern, Schweinen und Geflügel zählt die Pneumonie zu den wirtschaftlich bedeutsamsten Erkrankungen. Bei Hunden, Katzen, Pferden und Kleintieren stellt sie ebenfalls eine ernstzunehmende Diagnose dar, die ohne Behandlung lebensbedrohlich verlaufen kann.

Ursachen & Risikofaktoren

Die Ursachen einer Lungenentzündung beim Tier sind vielfältig. Grundsätzlich unterscheidet man infektiöse von nicht-infektiösen Auslösern:

  • Bakterielle Infektionen: Häufige Erreger sind Pasteurella multocida, Bordetella bronchiseptica, Mannheimia haemolytica (besonders bei Rindern), Streptococcus equi (beim Pferd) sowie Mycoplasma-Spezies. Bakterielle Pneumonien treten oft als Sekundärinfektion nach viraler Vorschädigung auf.
  • Virale Infektionen: Influenzaviren, das Canine Parainfluenzavirus, das Feline Calicivirus, das Bovine Respiratorische Synzytialvirus (BRSV) und viele weitere Viren können die Lunge direkt schädigen oder den Weg für bakterielle Superinfektionen ebnen.
  • Pilzinfektionen: Mykotische Pneumonien durch Erreger wie Aspergillus oder Cryptococcus sind seltener, kommen aber vor allem bei immunsupprimierten Tieren vor.
  • Parasitäre Ursachen: Lungenwürmer (Dictyocaulus, Aelurostrongylus abstrusus bei der Katze) verursachen eine parasitäre Pneumonie (Verminöse Pneumonie).
  • Aspirationspneumonie: Das Einatmen von Fremdmaterial – etwa Futter, Flüssigkeit oder Erbrochenes – führt zu einer chemisch-mechanischen Reizung des Lungengewebes mit nachfolgender bakterieller Infektion. Diese Form tritt gehäuft bei Schluckstörungen, Narkosezwischenfällen oder fehlerhafter Zwangsverabreichung von Medikamenten auf.
  • Allergische und toxische Ursachen: Einatmen von Staub, Schadgasen (z. B. Ammoniak in Ställen) oder Allergenen kann entzündliche Reaktionen im Lungengewebe auslösen.

Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen schlechte Haltungsbedingungen (mangelnde Belüftung, Überbelegung, hohe Luftfeuchtigkeit), Stress durch Transport oder Umgruppierung, unzureichende Kolostrumversorgung bei Neugeborenen, bestehende Grunderkrankungen sowie ein geschwächtes Immunsystem.

Symptome & Erkennung

Die klinischen Anzeichen einer Lungenentzündung variieren je nach Schweregrad, Erreger und Tierart. Typische Symptome umfassen:

  • Husten: anfangs oft trocken, später feucht und produktiv
  • Nasenausfluss: zunächst serös (wässrig), im Verlauf mukopurulent (schleimig-eitrig)
  • Fieber: erhöhte Körpertemperatur, bei Hunden über 39,5 °C, bei Rindern über 39,5 °C, bei Pferden über 38,5 °C
  • Dyspnoe: erschwerte oder beschleunigte Atmung (Tachypnoe), teils mit sichtbarer Bauchatmung oder geblähten Nüstern
  • Reduziertes Allgemeinbefinden: Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Bewegungsunlust
  • Atemgeräusche: rasselnde, giemende oder pfeifende Geräusche, hörbar bei der Auskultation oder in schweren Fällen bereits auf Distanz

Bei Jungtieren kann der Verlauf besonders rasch und schwer sein. Chronische Formen äußern sich durch anhaltenden Husten, Abmagerung und verminderte Leistungsfähigkeit.

Diagnose

Die Diagnosestellung beginnt mit einer gründlichen klinischen Untersuchung. Die Auskultation (Abhören) der Lunge mit dem Stethoskop liefert erste Hinweise: Verschärfte Atemgeräusche, Rasseln, Knistern oder abgeschwächte Lungenbereiche deuten auf eine Pneumonie hin. Die Perkussion (Abklopfen) des Brustkorbs kann gedämpfte Bereiche offenlegen.

Zur weiteren Abklärung stehen folgende diagnostische Verfahren zur Verfügung:

  • Röntgenuntersuchung (Thoraxröntgen): Sie gilt als Standardverfahren bei Kleintieren und Pferden. Verschattungen im Lungenfeld, alveoläre Muster oder Bronchogramme sind typische Befunde.
  • Ultraschalluntersuchung (Thoraxsonographie): Besonders bei Nutztieren und zur Darstellung von Pleuraergüssen bewährt.
  • Blutuntersuchung: Erhöhte Entzündungsparameter (Leukozytose, erhöhtes Serum-Amyloid-A oder Fibrinogen) stützen die Diagnose.