Mähnenkamm
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Definition und Überblick
Der Mähnenkamm bezeichnet den oberen, schmalen Grat des Pferdehalses, an dem die Mähne entspringt. Anatomisch handelt es sich um den Dornfortsatz der Halswirbelsäule, der von Muskulatur, Bindegewebe und Haut bedeckt wird und als natürlicher Kamm die Oberlinie des Halses bildet. Im Kontext der Reitausrüstung und des Reitsports spielt der Mähnenkamm eine zentrale Rolle – sowohl als anatomischer Orientierungspunkt für die korrekte Anpassung von Ausrüstungsgegenständen als auch als Griffhilfe für den Reiter in bestimmten Situationen.
Anatomische Grundlagen
Der Mähnenkamm erstreckt sich vom Genick des Pferdes bis zum Widerrist. Er wird durch das Nackenband (Ligamentum nuchae) gestützt, das als kräftiges elastisches Band vom Hinterhauptbein bis zu den Dornfortsätzen der Brustwirbelsäule verläuft. Die Haarwurzeln der Mähne sind tief in der Haut des Kamms verankert, weshalb grobes Ziehen oder unsachgemäße Mähnenpflege dem Pferd Schmerzen bereiten kann.
Die Ausprägung des Mähnenkamms variiert je nach Rasse, Futterzustand und individueller Veranlagung erheblich. Bei iberischen Rassen wie dem Andalusier oder dem Lusitano sowie bei vielen Kaltblutrassen ist der Kamm häufig stark ausgeprägt und fleischig. Bei Vollblütern und vielen Warmblütern zeigt sich dagegen ein eher schlanker, weniger markanter Kamm. Ein übermäßig fetter Mähnenkamm kann auf Stoffwechselprobleme wie das Equine Metabolische Syndrom (EMS) hindeuten und sollte tierärztlich abgeklärt werden.
Bedeutung für die Reitausrüstung
Bei der Anpassung und Verwendung zahlreicher Ausrüstungsgegenstände dient der Mähnenkamm als wichtiger Bezugspunkt:
- Sattel: Der Sattelbaum darf den Mähnenkamm und die darunterliegenden Dornfortsätze der Wirbelsäule nicht berühren. Zwischen der Unterkante des Vorderzwiesels und dem Widerrist muss ausreichend Kammerfreiheit bestehen. Ein zu enger Sattel drückt auf den Mähnenkamm und verursacht Druckstellen, Schmerzen und langfristig Muskelatrophie.
- Satteldecke und Schabracke: Die Sattelunterlage wird am Mähnenkamm leicht hochgezogen, damit sie nicht auf die Dornfortsätze drückt und im Wirbelkanal des Sattels genügend Luft bleibt. Dieses sogenannte Einstreichen der Satteldecke in den Sattelkanal gehört zur korrekten Sattelpflege.
- Vorgurt und Martingal: Der Verlauf von Hilfszügeln und Martingalen wird am Mähnenkamm entlang kontrolliert, um ein Einschneiden oder Verrutschen zu vermeiden.
- Halsriemen: Der Halsriemen, der bei Vielseitigkeits- und Springsätteln sowie beim Geländereiten verwendet wird, liegt unmittelbar vor dem Widerrist am Mähnenkamm an. Er dient dem Reiter als zusätzlicher Halt.
Der Mähnenkamm als Griffhilfe beim Reiten
In der Reitausbildung wird Anfängern häufig empfohlen, sich am Mähnenkamm festzuhalten, anstatt sich am Zügel abzustützen. Diese Technik schont das empfindliche Pferdemaul und gibt dem Reiter Sicherheit, ohne das Pferd in seiner Bewegung zu stören. Beim Leichttraben, beim Überwinden von Hindernissen oder in unvorhergesehenen Situationen greift der Reiter mit einer Hand in die Mähne oder stützt sich mit den Fingern am Kamm ab.
Auch erfahrene Reiter nutzen den Mähnenkamm als Sicherheitsgriff. Im Geländereiten und beim Springreiten greifen Reiter beim Anreiten steiler Sprünge oder in unwegsamem Gelände gezielt in die Mähne. Der sogenannte Brückengriff – bei dem die Zügel über dem Mähnenkamm verschränkt werden – gibt zusätzliche Stabilität, ohne den Zügelkontakt vollständig aufzugeben.
Mähnenpflege am Kamm
Die Pflege der Mähne am Kamm ist ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Pferdepflege und beeinflusst auch den Sitz der Ausrüstung. Verfilzte oder extrem dichte Mähnenhaare können unter dem Genickstück der Trense oder unter dem Sattel scheuern und Druckstellen verursachen.
Gängige Pflegemethoden umfassen:
- Verlesen: Die Mähne wird mit den Fingern einzeln durchsortiert, um Knoten schonend zu lösen, ohne Haare auszureißen.
- Einkürzen: Durch Verziehen (Auszupfen einzelner Haarsträhnen) oder Schneiden mit einer Ausdünnschere wird die Mähne auf eine gleichmäßige Länge gebracht. Eine Länge von etwa 10 bis 15 Zentimetern gilt bei vielen Reitpferden als Standard für Turnierteilnahmen.
- Einflechten: Vor Turnieren wird die Mähne in gleichmäßige Zöpfe geflochten, die am Mähnenkamm befestigt werden. Diese Flechtfrisuren betonen die Oberlinie des Halses und ermöglichen dem Richter eine bessere Beurteilung der Halsung.
- Mähnenseite: Die Mähne fällt bei den meisten Pferden natürlich auf eine Seite. In der Dressur wird traditionell die rechte Seite bevorzugt, wobei regelmäßiges Einsprühen und Anlegen mit einem feuchten Schwamm oder einem Mähnennetz das Antrainieren der gewünschten Fallrichtung unterstützt.
Probleme und Erkrankungen am Mähnenkamm
Der Mähnenkamm kann von verschiedenen Haut- und Gesundheitsproblemen betroffen sein, die sich auch auf den Einsatz der Reitausrüstung auswirken: