Marderhund
MTierart – Säugetiere > Raubtiere – Hunde (wild)
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Nyctereutes procyonoides
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Hunde (Canidae)
- Gattung: Nyctereutes
- Lebensraum: Laub- und Mischwälder, Feuchtgebiete, Flussauen, Kulturlandschaften
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 50–68 cm, Schwanzlänge 13–25 cm
- Gewicht: 4–10 kg (im Herbst vor der Winterruhe bis 14 kg)
- Lebenserwartung: 6–8 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 11 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Marderhund ist ein mittelgroßer Vertreter der Familie der Hundeartigen (Canidae), dessen äußere Erscheinung eher an einen Waschbären als an einen typischen Wildhund erinnert. Der Körperbau wirkt gedrungen und kompakt, die Beine sind im Verhältnis zum Rumpf auffallend kurz. Das dichte, lange Fell variiert in der Grundfärbung zwischen gelblich-braun und graubraun; die Unterseite ist deutlich heller. Über den Rücken zieht sich ein dunklerer Aalstrich. Die Unterwolle ist besonders dicht, was dem Marderhund eine gute Kälteisolation verschafft.
Das markanteste Erkennungsmerkmal ist die dunkle Gesichtszeichnung: Beidseitig der Schnauze verlaufen breite, schwärzliche Streifen, die sich unter den Ohren fortsetzen und dem Tier eine maskenartige Zeichnung verleihen – ganz ähnlich dem nordamerikanischen Waschbären (Procyon lotor), auf den auch der Artname procyonoides („waschbärähnlich") anspielt. Die Ohren sind klein und rundlich, die Schnauze kurz und spitz. Der buschige Schwanz ist vergleichsweise kurz und ohne die bei anderen Caniden übliche weiße Spitze.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Marderhundes umfasst Ostasien: Japan (dort als „Tanuki" kulturell tief verankert), Korea, Ostchina, die Mandschurei sowie Teile des russischen Fernen Ostens. In Japan werden die dortigen Populationen teilweise als eigene Unterart (Nyctereutes procyonoides viverrinus) geführt; neuere molekulargenetische Studien diskutieren sogar einen eigenständigen Artstatus.
Ab den 1920er-Jahren wurden Marderhunde in großem Umfang in der westlichen Sowjetunion zu Pelzzwecken ausgesetzt oder entkamen aus Pelztierfarmen. Von dort breiteten sie sich rasch nach Westen aus. Heute besiedelt die Art weite Teile Nord- und Mitteleuropas – von Finnland und den baltischen Staaten über Polen und Deutschland bis nach Frankreich und Norditalien. In Deutschland gilt der Marderhund als etablierter Neozoon; die höchsten Populationsdichten finden sich in den nordöstlichen Bundesländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Der Marderhund ist bei der Wahl seines Habitats ausgesprochen flexibel. Bevorzugt werden feuchte Biotope wie Auwälder, Bruch- und Sumpflandschaften, Ufergehölze sowie lichte Laubwälder mit dichtem Unterwuchs. Zunehmend nutzt er auch Kulturlandschaften, Siedlungsränder und Gärten.
Ernährung
Der Marderhund ist ein typischer Allesfresser (Omnivor) mit einem sehr breiten Nahrungsspektrum. Pflanzliche Kost macht über das Jahr hinweg einen erheblichen Anteil der Nahrung aus: Beeren, Früchte, Eicheln, Getreide und Wurzeln werden regelmäßig gefressen. Daneben stehen Amphibien, Fische, Insekten, Regenwürmer, Schnecken, Kleinsäuger, Eier und Jungvögel auf dem Speiseplan. Aas wird ebenfalls nicht verschmäht. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert stark je nach Jahreszeit und regionalem Angebot. Im Herbst frisst sich der Marderhund eine ausgeprägte Fettreserve an, die für die Winterruhe überlebenswichtig ist.
Verhalten & Lebensweise
Marderhunde sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in selbstgegrabenen Erdbauen, verlassenen Fuchs- oder Dachsbauten, unter Reisighaufen oder in dichter Vegetation. Eigene Baue graben sie selten selbst; häufiger werden bestehende Strukturen übernommen. Anders als viele andere Caniden bilden Marderhunde keine Rudel. Sie leben in der Regel als monogame Paare, die ein gemeinsames Streifgebiet nutzen. Dieses Revier wird weniger streng verteidigt als bei Füchsen; die Streifgebiete verschiedener Paare können sich überlappen.
Eine unter den Hundeartigen einmalige Eigenschaft ist die Winterruhe: In nördlichen Regionen ziehen sich Marderhunde bei anhaltend niedrigen Temperaturen und geschlossener Schneedecke für Wochen bis Monate in ihren Bau zurück. Es handelt sich dabei nicht um einen echten Winterschlaf mit stark abgesenkter Körpertemperatur, sondern um eine Phase reduzierter Aktivität, während der die im Herbst angelegten Fettreserven aufgezehrt werden. Kein anderer rezenter Vertreter der Canidae zeigt dieses Verhalten in vergleichbarer Ausprägung.
Die Lautäußerungen des Marderhundes unterscheiden sich deutlich von denen anderer Wildhunde. Typisch ist ein hohes, lang gezogenes Winseln oder Fiepen; Bellen ist selten und wird hauptsächlich bei Konfrontationen eingesetzt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit (Ranz) fällt in Mitteleuropa in den Februar und März. Die Tragzeit beträgt rund 60 bis 70 Tage. Das Weibchen bringt zwischen April und Juni durchschnittlich sechs bis acht Welpen zur Welt, in seltenen Fällen bis zu zwölf. Die Jungtiere sind bei der Geburt blind und mit einem feinen, dunklen Fell bedeckt. Sie öffnen nach etwa zehn Tagen die Augen und werden rund acht Wochen lang gesäugt.
Beide Elternteile beteiligen sich aktiv an der Aufzucht – ein bei