Markhor
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Capra falconeri
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hornträger (Bovidae)
- Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
- Gattung: Ziegen (Capra)
- Lebensraum: Steile Gebirgsregionen Zentralasiens, vorwiegend zwischen 600 und 3.600 Metern Höhe
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 140–180 cm, Schulterhöhe 65–115 cm
- Gewicht: Weibchen 32–50 kg, Böcke 80–110 kg
- Lebenserwartung: 12–13 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Markhor – auch Schraubenziege genannt – zählt zu den größten und auffälligsten Vertretern der Gattung Capra. Das namensgebende Merkmal sind die spiralförmig gedrehten Hörner der Böcke, die eine Länge von bis zu 160 cm erreichen können. Je nach Unterart winden sich die Hörner entweder eng korkenzieherartig oder in weiten, flachen Spiralen. Weibchen tragen ebenfalls Hörner, die jedoch deutlich kürzer und schlanker ausfallen und selten mehr als 25 cm messen.
Das Fell variiert je nach Jahreszeit stark. Im Winter entwickelt der Markhor ein dichtes, langhaariges Winterfell in graubraunen bis dunkelbraunen Tönen. Im Sommer wird es deutlich kürzer und heller, oft rötlich-braun. Böcke tragen eine ausgeprägte, lange Mähne an Kinn, Hals und Brust, die bis über die Vorderbeine reichen kann. Dieser Bart verleiht ihnen ein imposantes Erscheinungsbild und dient als sekundäres Geschlechtsmerkmal. Die Läufe sind vergleichsweise kurz und kräftig, die Hufe schmal und hart – eine Anpassung an das Leben in steilem, felsigem Gelände.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Markhors erstreckt sich über die Gebirgsregionen Zentralasiens. Die Art kommt in Afghanistan, Pakistan, Tadschikistan, Usbekistan sowie in den nordwestlichen Teilen Indiens (Jammu und Kaschmir) vor. Historisch reichte das Areal weiter, doch durch Bejagung und Lebensraumverlust sind viele Populationen erloschen oder stark fragmentiert.
Das bevorzugte Habitat sind steile, felsige Hänge mit lichtem Wald- oder Buschbestand. Typische Biotope umfassen Eichen- und Nadelwälder an Berghängen, offene Felslandschaften und Schluchten. Der Markhor hält sich überwiegend in Höhenlagen zwischen 600 und 3.600 Metern auf, wobei saisonale Wanderungen stattfinden: Im Sommer steigen die Tiere in höhere Lagen auf, im Winter ziehen sie in tiefere, geschütztere Täler hinab.
Ernährung
Markhors sind Pflanzenfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum. Im Frühling und Sommer besteht die Nahrung vorwiegend aus Gräsern, Kräutern und frischem Laub. Im Herbst und Winter, wenn die Vegetation spärlicher wird, stellen sich die Tiere stärker auf Zweige, Rinde, Blätter immergrüner Sträucher und trockenes Gras um. Eine Besonderheit ist das sogenannte Äsen in Bäumen: Markhors richten sich auf die Hinterbeine auf oder klettern in niedrige Bäume, um an höher gelegene Blätter und Triebe zu gelangen – ein Verhalten, das sie mit der Wildziege und der Bezoarziege teilen.
Wie alle Wiederkäuer besitzen Markhors einen mehrkammerigen Magen, der die Verdauung der zellulosereichen Pflanzennahrung ermöglicht. Salz- und Minerallecken werden regelmäßig aufgesucht und stellen wichtige Anlaufpunkte im Revier dar.
Verhalten & Lebensweise
Markhors sind überwiegend tagaktiv, wobei die Hauptaktivitätsphasen in den frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden liegen. Während der heißen Mittagszeit ruhen die Tiere im Schatten von Felsen oder unter Baumkronen.
Außerhalb der Paarungszeit leben die Geschlechter weitgehend getrennt. Weibchen bilden mit ihren Jungtieren kleine Gruppen von 5 bis 15 Individuen, die gemeinsam Nahrungsgebiete nutzen. Adulte Böcke leben einzelgängerisch oder schließen sich zu losen Junggesellengruppen zusammen. Die Tiere sind hervorragende Kletterer und bewegen sich mit großer Sicherheit in steilem, unwegsamen Gelände. Bei Gefahr flüchten sie bevorzugt hangaufwärts in schwer zugängliche Felspartien.
Zu den natürlichen Feinden zählen Schneeleopard, Wolf und Luchs. Adler stellen gelegentlich eine Bedrohung für Jungtiere dar.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brunftzeit – bei Ziegenartigen auch als Paarungszeit oder Balz bezeichnet – fällt in die Monate Dezember bis März. In dieser Phase kehren die Böcke zu den Weibchengruppen zurück und tragen untereinander heftige Rivalenkämpfe aus. Dabei stellen sich zwei Böcke auf die Hinterbeine und lassen ihre Hörner mit großer Wucht aufeinanderprallen. Diese Kommentkämpfe entscheiden über den Zugang zu paarungsbereiten Weibchen und verlaufen in der Regel ohne schwere Verletzungen.
Nach einer Tragzeit von rund 135 bis 170 Tagen bringt das Weibchen ein bis zwei, selten drei Kitze zur Welt. Die Geburten fallen typischerweise in die Monate Mai und Juni, wenn die Vegetation das beste Nahrungsangebot bietet. Die Jungtiere sind Nestflüchter und können bereits kurz nach der Geburt der Mutter in steilem Gelände folgen. Sie werden etwa fünf bis sechs Monate gesäugt. Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa 18 Monaten, Böcke erst mit drei bis vier Jahren, wobei sie aufgrund der Konkurrenz durch ältere Männchen oft erst deutlich später zum Zug kommen.