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Mausvogel

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Tierart – Vögel > Sonstige Vögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Coliiformes (Ordnung) / Coliidae (Familie)
  • Ordnung: Mausvögel (Coliiformes)
  • Familie: Mausvögel (Coliidae)
  • Gattungen: Colius (4 Arten) und Urocolius (2 Arten)
  • Lebensraum: Savannen, Buschland, Waldränder und Gärten im subsaharischen Afrika
  • Größe: 29–38 cm (davon etwa die Hälfte bis zwei Drittel Schwanz)
  • Gewicht: 40–70 g
  • Lebenserwartung: ca. 8–11 Jahre in Gefangenschaft; in freier Wildbahn vermutlich kürzer

Aussehen & Merkmale

Mausvögel verdanken ihren Namen dem Gesamteindruck, den sie beim Klettern im Geäst hinterlassen: Mit ihrem langen, steifen Schwanz, dem weichen, haarartigen Gefieder und der Angewohnheit, sich eng an Äste zu schmiegen, erinnern sie an Mäuse, die durch das Gezweig huschen. Das Gefieder ist bei den meisten Arten unauffällig grau bis bräunlich gefärbt, je nach Art mit blauen, roten oder weißen Partien im Gesicht oder am Nacken. Die Federn besitzen eine ungewöhnlich lockere Struktur mit verlängerten Afterschäften, was ihnen eine pelzige Textur verleiht.

Der Schnabel ist kurz, kräftig und leicht nach unten gebogen – bei einigen Arten an der Basis auffallend rot oder schwarz gefärbt. Die Füße sind zygodaktyl, das heißt, zwei Zehen zeigen nach vorn und zwei nach hinten, ähnlich wie bei Papageien. Allerdings können Mausvögel die äußere Vorderzehe und die äußere Hinterzehe flexibel nach vorn oder hinten schwenken, was ihnen eine außergewöhnliche Kletterfähigkeit verleiht. Diese pamprodaktyle Fußstellung – alle vier Zehen nach vorn gerichtet – ist unter Vögeln selten und ermöglicht es ihnen, in nahezu jeder Position an Zweigen zu hängen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Mausvögel beschränkt sich vollständig auf das subsaharische Afrika. Dort besiedeln die sechs rezenten Arten ein breites Spektrum an Habitaten: offene Buschsavannen, Akaziensteppen, Waldränder, Galeriewälder entlang von Flussläufen sowie Kulturlandschaften, Obstplantagen und Hausgärten. Dichte geschlossene Regenwälder meiden sie ebenso wie sehr trockene Wüstengebiete.

Der Braunflügel-Mausvogel (Colius striatus) besitzt das größte Verbreitungsgebiet und kommt von Ost- bis Südafrika vor. Der Blaunacken-Mausvogel (Urocolius macrourus) bewohnt dagegen vorwiegend die Trockensavannen der Sahelzone und Ostafrikas. Der Rotrücken-Mausvogel (Colius castanotus) ist auf Angola und Teile der Demokratischen Republik Kongo beschränkt. Die übrigen Arten – Weißkopf-Mausvogel (Colius leucocephalus), Rotwangen-Mausvogel (Urocolius indicus) und Weißrücken-Mausvogel (Colius colius) – nehmen jeweils eigene geographische Nischen ein.

Ernährung

Mausvögel sind überwiegend Pflanzenfresser. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Früchten, Beeren, Knospen, Blüten und jungen Blättern. In Obstplantagen können sie als Ernteschädlinge auftreten, weil Schwärme in kurzer Zeit erhebliche Mengen an Feigen, Bananen, Guaven oder anderen Kulturfrüchten verzehren. Gelegentlich nehmen sie auch Insekten und deren Larven auf, insbesondere während der Brutzeit, wenn der Proteinbedarf für die heranwachsenden Küken steigt.

Ein ungewöhnliches Verhalten ist die Koprophagie: Mausvögel fressen regelmäßig den Kot anderer Individuen, vermutlich um Nährstoffe aufzunehmen, die beim ersten Verdauungsdurchgang nicht vollständig erschlossen wurden. Auch die Aufnahme von Lehm und Asche wurde beobachtet – ein Verhalten, das als Geophagie bekannt ist und möglicherweise der Neutralisierung pflanzlicher Toxine dient.

Verhalten & Lebensweise

Mausvögel sind ausgesprochen gesellige Vögel. Sie leben in Gruppen von sechs bis zwanzig Individuen und zeigen ein stark ausgeprägtes Kontaktverhalten. Typisch ist das gemeinsame Ruhen in dicht gedrängten Gruppen, bei dem die Tiere eng nebeneinander sitzen und sich gegenseitig wärmen. In kalten Nächten verfallen Mausvögel in eine Torpor-artige Hypothermie: Sie senken ihre Körpertemperatur deutlich ab, um Energie zu sparen, und wärmen sich am nächsten Morgen durch Sonnenbaden wieder auf. Dabei hängen sie oft mit dem Rücken zur Sonne an Ästen und sträuben ihr Gefieder, um die Bauchseite der Strahlung auszusetzen.

Der Flug der Mausvögel wirkt unbeholfen – kurze Flügelschlagphasen wechseln sich mit langen Gleitphasen ab, wobei der lange Schwanz als Steuerruder dient. Am Boden bewegen sie sich hüpfend fort. Ihre Hauptaktivität liegt in den Morgen- und Nachmittagsstunden; die Mittagshitze verbringen sie ruhend im Schatten. Mausvögel sind standorttreu und verteidigen kein festes Revier, sondern durchstreifen als Gruppe ein relativ großes Streifgebiet auf der Suche nach fruchtenden Bäumen und Sträuchern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutsaison variiert je nach Art und Region, fällt aber häufig in die Regenzeit, wenn das Nahrungsangebot am größten ist. Eine ausgeprägte Balz im engeren Sinne gibt es nicht; Paare bilden sich innerhalb der bestehenden Gruppe. Das Nest ist eine einfache, flache Plattform aus Zweigen, Gräsern und Blättern, die in Büschen oder niedrigen Bäumen angelegt wird.