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Mistelfresser

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Tierart – Vögel > Sonstige Vögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Dicaeum (Gattung); zahlreiche Arten, z. B. Rotbrust-Mistelfresser (Dicaeum ignipectus)
  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Familie: Mistelfresser (Dicaeidae)
  • Gattungen: Dicaeum (ca. 48 Arten), Prionochilus (6 Arten)
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, Waldränder, Gärten, Mangroven
  • Größe: 7–12 cm Körperlänge
  • Gewicht: 5–12 g
  • Lebenserwartung: Etwa 5–8 Jahre (Freiland, geschätzt)

Aussehen & Merkmale

Mistelfresser zählen zu den kleinsten Vertretern der Ordnung der Sperlingsvögel. Ihr Körperbau ist gedrungen und kompakt, mit einem kurzen Schwanz und einem relativ kräftigen, leicht nach unten gebogenen Schnabel. Dieser Schnabel ist an der Basis breit und zur Spitze hin spitz zulaufend – eine Anpassung an die Aufnahme kleiner Beeren und Früchte. Die Beine sind kurz, die Zehen jedoch kräftig genug, um sich geschickt an dünnen Zweigen festzuhalten.

Das Gefieder variiert je nach Art und Geschlecht erheblich. Viele Arten zeigen einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus: Männchen tragen häufig leuchtende Farben in Rot, Orange oder Gelb auf Brust, Scheitel oder Bürzel, während die Oberseite dunkelblau bis schwarz glänzt. Weibchen sind dagegen überwiegend olivgrün bis graubraun gefärbt und damit deutlich unscheinbarer. Beim Rotbrust-Mistelfresser (Dicaeum ignipectus) etwa zeigt das Männchen einen auffälligen scharlachroten Brustfleck, der dem Vogel seinen deutschen Namen verleiht. Die Gattung Prionochilus, die sogenannten Blumenpicker, ist insgesamt etwas schlichter gefärbt und zeigt häufig feine Strichelungen an Kehle und Brust.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Familie Dicaeidae erstreckt sich über weite Teile Süd- und Südostasiens sowie Australasiens. Mistelfresser kommen vom indischen Subkontinent über Südchina, die Philippinen und den Malaiischen Archipel bis nach Neuguinea und Australien vor. Einige Arten besiedeln auch Inselgruppen im westlichen Pazifik.

Ihr bevorzugtes Habitat sind tropische Tiefland- und Bergwälder, wobei verschiedene Arten unterschiedliche Höhenstufen bewohnen. Der Rotbrust-Mistelfresser etwa besiedelt Bergwälder des Himalajas in Höhen zwischen 1.000 und 3.500 Metern. Andere Arten bevorzugen Mangrovenwälder, offene Kulturlandschaften mit Baumbestand, Sekundärwälder oder parkähnliche Gärten in urbanen Gebieten. Entscheidend für das Vorkommen ist stets die Verfügbarkeit von Beerenpflanzen, insbesondere von Mistelgewächsen und anderen epiphytischen Früchten.

Ernährung

Die Ernährung gibt der Familie ihren Namen: Mistelfresser sind auf den Verzehr von Mistelbeeren spezialisiert. Die Früchte verschiedener Loranthaceae- und Viscaceae-Arten bilden einen wesentlichen Bestandteil ihres Speiseplans. Der Verdauungstrakt ist an diese Nahrung angepasst – der Magen ist so konstruiert, dass die klebrigen Mistelsamen den eigentlichen Muskelmagen umgehen und über einen Nebenschluss direkt in den Darm gelangen. Dort werden die Samen nur kurz verweilt und nahezu unverdaut wieder ausgeschieden. Die Darmpassage dauert bei manchen Arten nur etwa 25 Minuten.

Neben Mistelbeeren fressen Mistelfresser auch andere kleine Früchte und Beeren. Ergänzend nehmen sie Nektar auf, wobei sie ähnlich wie Nektarvögel (Nectariniidae) Blüten besuchen, und erbeuten kleine Insekten und Spinnen, die vor allem während der Brutzeit eine wichtige Proteinquelle für die heranwachsenden Jungvögel darstellen.

Verhalten & Lebensweise

Mistelfresser sind tagaktive Vögel, die sich überwiegend in den Baumkronen aufhalten. Dort bewegen sie sich unruhig und wendig durch das Blattwerk, oft in der Nähe fruchtender Mistelbüsche oder anderer Beerenpflanzen. Sie leben meist einzeln oder paarweise, schließen sich gelegentlich aber gemischten Schwärmen mit anderen kleinen Vogelarten an, insbesondere mit Nektarvögeln und Brillenvögeln (Zosteropidae).

Ihr Gesang ist typischerweise dünn und hochfrequent – ein schnelles, metallisches Zwitschern oder Ticken, das aus der Baumkrone herab zu hören ist. Viele Arten verteidigen kleine Reviere rund um ergiebige Nahrungsquellen, die sie mit energischen Verfolgungsflügen gegen Artgenossen und andere Fruchtfresser durchsetzen. Die meisten Arten sind Standvögel; lediglich Populationen in den höheren Berglagen zeigen saisonale Wanderungen in tiefere Lagen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit variiert je nach Art und Region und fällt häufig mit dem Fruchtungsmaximum der Nahrungspflanzen zusammen. Die Balz ist bei den meisten Arten schlicht und umfasst Singflüge und Flügelzittern des Männchens. Das Nest ist ein charakteristischer, beutelförmiger Bau aus Pflanzenfasern, Spinnweben und feinen Grassamen, der an einem dünnen Zweig aufgehängt wird und oft einem kleinen Beutel mit seitlichem Eingang gleicht. Manche Arten polstern das Innere mit Pflanzenwolle oder Daunen aus.

Das Gelege umfasst in der Regel ein bis drei Eier, die weiß bis blassrosa gefärbt sind. Die Brutdauer beträgt etwa 10 bis 12 Tage. Beide Elternvögel beteiligen sich an der Fütterung der Nestlinge, die nach rund 15 Tagen flügge werden. Pro Saison sind bei tropischen Arten mehrere Bruten möglich.