Mufflon
MTierart – Säugetiere > Huftiere – Ziegen & Schafe
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Ovis gmelini musimon (europäische Population) / Ovis gmelini (Stammform)
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hornträger (Bovidae)
- Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
- Gattung: Schafe (Ovis)
- Lebensraum: Offene Gebirgslandschaften, lichte Wälder, Macchie, Mittelgebirge
- Schulterhöhe: 65–80 cm
- Gewicht: Widder 35–55 kg, Schafe 25–40 kg
- Lebenserwartung: 12–16 Jahre in freier Wildbahn, bis 20 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Das Mufflon ist das kleinste Wildschaf Europas und zeichnet sich durch einen kompakten, muskulösen Körperbau aus. Das Fell der Widder ist im Winter an Rücken und Flanken dunkelbraun bis rotbraun gefärbt, während sich im Bereich der Flanken ein heller, sattelförmiger Fleck – der sogenannte Sattelfleck – abzeichnet. Dieser helle Bereich tritt besonders bei älteren Widdern deutlich hervor. Im Sommer hellt das Haarkleid insgesamt auf. Weibliche Tiere, die als Schafe bezeichnet werden, sind einheitlicher graubraun gefärbt und wirken insgesamt schlanker.
Das auffälligste Merkmal der Widder sind die schneckenförmig eingedrehten Hörner, die mit zunehmendem Alter an Umfang und Länge gewinnen. Bei ausgewachsenen Widdern können sie über 80 cm lang werden und beschreiben nahezu einen vollständigen Kreis. Weibliche Mufflons sind in der Regel hornlos oder tragen nur kurze, stummelförmige Hornansätze. Die Unterseite des Bauches, die Innenseiten der Beine und der Bereich um das Maul sind hell bis weiß gefärbt. Die Läufe sind verhältnismäßig kurz, aber kräftig, und enden in schmalen, harten Hufen, die dem Tier sicheren Tritt auf felsigem Untergrund ermöglichen.
Lebensraum & Verbreitung
Die Stammform des Mufflons – das Armenische Wildschaf (Ovis gmelini) – ist in Vorderasien beheimatet, mit Vorkommen in der Türkei, dem Iran, Armenien und angrenzenden Regionen. Die europäischen Mufflonpopulationen auf Korsika und Sardinien gehen auf verwilderte frühneolithische Hausschafe zurück, die vor rund 7.000 bis 8.000 Jahren von Siedlern auf die Inseln gebracht wurden und sich anschließend wieder an ein Leben in der Wildnis anpassten. Ob das europäische Mufflon daher als echtes Wildtier oder als verwilderte Haustierform einzuordnen ist, wird in der Zoologie kontrovers diskutiert.
Ab dem 18. Jahrhundert wurde das Mufflon gezielt in zahlreichen Gebieten Mitteleuropas als Jagdwild eingebürgert. Heute existieren stabile Populationen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien, Ungarn und weiteren europäischen Ländern. Das bevorzugte Habitat sind trockene, offene bis halboffene Landschaften mit felsigen Abschnitten. In Mitteleuropa besiedelt das Mufflon vor allem lichte Laub- und Mischwälder in Mittelgebirgslagen sowie Heideflächen. Feuchte Böden und schneereiche Gebiete meidet es, da die weichen Hufe auf nassem Untergrund anfällig für Moderhinke und andere Klauenerkrankungen sind.
Ernährung
Mufflons sind Pflanzenfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum. Sie ernähren sich überwiegend von Gräsern und Kräutern, nehmen aber auch Laub, Knospen, junge Triebe, Eicheln, Bucheckern und Rinde auf. Im Winter, wenn das Nahrungsangebot eingeschränkt ist, weichen sie verstärkt auf Zwergsträucher, Flechten und Baumrinde aus. Die Nahrungssuche erfolgt vorwiegend in den Morgen- und Abendstunden; während der Mittagszeit ruhen die Tiere an geschützten Plätzen und kauen wieder. In Gebieten mit starkem menschlichen Einfluss kann das Mufflon auch dämmerungs- bis nachtaktiv werden.
Verhalten & Lebensweise
Mufflons sind gesellige Tiere und leben in Rudeln, deren Zusammensetzung sich im Jahresverlauf verändert. Außerhalb der Brunftzeit bilden die Weibchen mit ihren Lämmern und den Jungtieren des Vorjahres Gruppen von 5 bis 20 Tieren. Widder schließen sich zu eigenen, meist kleineren Trupps zusammen oder leben als Einzelgänger. Innerhalb der Weibchengruppen besteht eine stabile Rangordnung, die über Drohgebärden und gelegentliche Körperkontakte aufrechterhalten wird.
Bei Gefahr verlassen sich Mufflons in erster Linie auf ihre ausgezeichnete Sehkraft. Sie reagieren auf Bedrohungen mit schneller Flucht über offenes Gelände und suchen erhöhte, felsige Positionen auf. Die Fluchtdistanz ist in Gebieten mit Jagddruck deutlich größer als in Schutzgebieten. Im Vergleich zu Gämsen oder Steinböcken ist das Mufflon weniger gut an steiles, alpines Gelände angepasst und bevorzugt moderateres Terrain.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brunftzeit, auch Brunft genannt, fällt in Mitteleuropa in die Monate Oktober bis Dezember. In dieser Phase suchen die Widder die Weibchengruppen auf und konkurrieren um die Paarung. Rivalisierende Widder tragen dabei eindrucksvolle Kommentkämpfe aus: Die Kontrahenten nehmen Anlauf und prallen mit den Stirnseiten der Hörner aufeinander. Der Aufprall ist über weite Distanz hörbar. Diese Kämpfe dienen der Klärung der Rangordnung und führen in der Regel nicht zu ernsthaften Verletzungen.
Nach einer Tragzeit von etwa 150 Tagen – rund fünf Monaten – setzt das Weibchen meist ein einzelnes Lamm, seltener Zwillinge. Die Geburten fallen in den Zeitraum von März bis Mai. Das Lamm ist ein typischer Nestflüchter: Es kann bereits wenige Stunden nach der Geburt der Mutter folgen.