Nashornvogel
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Familie Bucerotidae
- Ordnung: Hornvögel (Bucerotiformes)
- Familie: Nashornvögel (Bucerotidae), mit rund 55 Arten in etwa 14 Gattungen
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, Savannen und Buschland in Afrika und Süd- bzw. Südostasien
- Größe: 30 cm (Zwergtoko) bis 120 cm (Doppelhornvogel); Flügelspannweite bis 180 cm
- Gewicht: 100 g bis über 4 kg, je nach Art
- Lebenserwartung: 25–50 Jahre, in menschlicher Obhut vereinzelt über 50 Jahre
Aussehen & Merkmale
Nashornvögel sind an ihrem überproportional großen, nach unten gebogenen Schnabel sofort zu erkennen. Bei vielen Arten sitzt auf dem Oberschnabel ein auffälliger Aufsatz aus Horn – der sogenannte Casque oder Hornaufsatz –, der dem Schnabel eine helmähnliche Silhouette verleiht und der gesamten Familie ihren deutschen Namen gab. Dieser Aufsatz ist bei den meisten Arten hohl und dient vermutlich als Resonanzkörper zur Verstärkung der Rufe. Einzig beim Schildhornvogel (Rhinoplax vigil) ist der Casque massiv aus dichtem Keratin aufgebaut und macht bis zu zehn Prozent des Körpergewichts aus.
Das Gefieder ist je nach Art sehr unterschiedlich gefärbt: Es reicht von überwiegend Schwarz-Weiß bei vielen Tokos (Tockus) über tiefes Schwarz mit weißem Schwanz beim Rhinozeroshornvogel (Buceros rhinoceros) bis hin zu kräftigen Gelb-, Orange- und Rottönen an Schnabel und nackter Gesichtshaut. Die Augenpartie ist häufig von nackter, leuchtend gefärbter Haut umgeben, die bei der Arterkennung eine Rolle spielt. Die Beine sind kurz und kräftig, die Zehen teilweise verwachsen – ein für diese Vogelgruppe typisches Merkmal, das als Syndaktylie bezeichnet wird.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Nashornvögel erstreckt sich über zwei große Regionen: das tropische Afrika südlich der Sahara und die Wälder Süd- sowie Südostasiens von Indien über die Malaiische Halbinsel bis zu den Philippinen und den Sundainseln. Einige afrikanische Arten wie der Südliche Gelbschnabeltoko (Tockus leucomelas) besiedeln offene Savannenlandschaften und trockenes Buschland. Die meisten asiatischen Vertreter hingegen sind eng an tropischen Regenwald gebunden und kommen nur in geschlossenen Primärwäldern vor. Das Habitat muss in jedem Fall alte, große Bäume mit geeigneten Bruthöhlen bieten, was die Nashornvögel besonders anfällig für Lebensraumverlust durch Abholzung macht. Einzelne Arten wie der Grauhornvogel (Ocyceros birostris) haben sich an Sekundärwälder und parkähnliche Kulturlandschaften angepasst.
Ernährung
Die Ernährung variiert stark zwischen den Arten. Viele Nashornvögel sind überwiegend frugivor und fressen ein breites Spektrum an Früchten, insbesondere Feigen (Ficus spp.), Muskatnüsse und Ölpalmenfrüchte. Damit übernehmen sie eine zentrale Rolle als Samenausbreiter in tropischen Ökosystemen – Studien im asiatischen Regenwald zeigen, dass einzelne Arten die Samen von über 40 Pflanzenarten verbreiten. Kleinere Arten wie die Tokos ergänzen ihren Speiseplan in erheblichem Umfang mit tierischer Kost: Insekten, Spinnen, Skorpione, kleine Eidechsen und gelegentlich Nestlinge anderer Vogelarten. Der Südliche Hornrabe (Bucorvus leadbeateri), der streng genommen zur Schwesterfamilie Bucorvidae gehört und manchmal ebenfalls als Nashornvogel bezeichnet wird, jagt am Boden nach Schlangen, Schildkröten und kleinen Säugetieren.
Verhalten & Lebensweise
Nashornvögel sind tagaktive Vögel mit einem ausgeprägten Sozialleben. Außerhalb der Brutzeit schließen sich viele Arten zu Gruppen von bis zu mehreren Hundert Individuen zusammen, die gemeinsame Schlafbäume aufsuchen. In der Brutzeit beanspruchen Paare ein festes Revier, das sie lautstark mit tiefen, bellenden oder trompetenden Rufen verteidigen. Der Flug großer Nashornvögel ist kraftvoll und geräuschvoll – das Rauschen der Schwingen ist bei Arten wie dem Doppelhornvogel (Buceros bicornis) über mehrere Hundert Meter hörbar, da die Handschwingen an der Basis Lücken aufweisen, durch die Luft strömt.
Die Fortbewegung erfolgt vorwiegend im Kronenbereich der Bäume. Mit ihren langen Schnäbeln pflücken die Vögel Früchte geschickt von Astspitzen und werfen sie durch eine Kopfbewegung in den Schlund. Am Boden bewegen sich Nashornvögel hüpfend und eher unbeholfen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutbiologie der Nashornvögel gehört zu den ungewöhnlichsten unter den Vögeln. Die meisten Arten brüten in natürlichen Baumhöhlen, die das Weibchen nach der Paarung von innen mit einem Gemisch aus Kot, Nahrungsresten und Erdmaterial bis auf einen schmalen Spalt zumauert. Durch diese Öffnung füttert das Männchen seine Partnerin und später die Jungvögel über Wochen bis Monate. Das Weibchen nutzt die geschützte Höhle gleichzeitig zur Vollmauser und ist während dieser Zeit flugunfähig.
Die Gelegegröße beträgt je nach Art ein bis acht Eier. Die Brutdauer liegt bei 25 bis 50 Tagen. Bei großen Arten wie dem Doppelhornvogel bleibt das Weibchen bis zu vier Monate in der Höhle, bevor es die Wand aufbricht. Die Jungvögel verschließen den Eingang anschließend erneut und werden weiter von beiden Elternteilen gefüttert, bis sie flügge sind. Dieses auf