Niereninsuffizienz
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Definition & Überblick
Als Niereninsuffizienz bezeichnet man die eingeschränkte Funktionsfähigkeit einer oder beider Nieren, bei der das Organ seine Aufgaben – die Filtration von Stoffwechselabfällen aus dem Blut, die Regulation des Wasser- und Elektrolythaushalts sowie die Produktion wichtiger Hormone – nicht mehr ausreichend erfüllen kann. Die Erkrankung zählt zu den häufigsten Organerkrankungen in der Tiermedizin und betrifft vor allem Katzen, Hunde und Kaninchen, kann jedoch bei nahezu allen Tierarten auftreten.
Grundsätzlich wird zwischen zwei Verlaufsformen unterschieden: Die akute Niereninsuffizienz (auch akutes Nierenversagen oder AKI – Acute Kidney Injury) tritt plötzlich auf und ist bei frühzeitiger Behandlung potenziell reversibel. Die chronische Niereninsuffizienz (CNI, auch chronische Nierenerkrankung oder CKD – Chronic Kidney Disease) entwickelt sich schleichend über Monate bis Jahre und führt zu einem irreversiblen, fortschreitenden Verlust funktionsfähigen Nierengewebes. Besonders bei Katzen über zehn Jahren gehört die CNI zu den häufigsten Todesursachen; Studien gehen davon aus, dass bis zu 30 Prozent aller älteren Katzen betroffen sind.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Ursachen einer Niereninsuffizienz sind vielfältig und unterscheiden sich je nach Verlaufsform:
- Akutes Nierenversagen: Vergiftungen (z. B. durch Frostschutzmittel mit Ethylenglykol, Lilien bei Katzen, Rosinen und Trauben bei Hunden, bestimmte Medikamente wie nichtsteroidale Antiphlogistika), schwere Infektionen, Harnwegsobstruktionen, Schockzustände mit verminderter Nierendurchblutung (Ischämie) sowie Leptospirose beim Hund.
- Chronische Niereninsuffizienz: Altersbedingte Degeneration des Nierengewebes, chronische Entzündungen (interstitielle Nephritis), angeborene Fehlbildungen wie polyzystische Nierenerkrankung (PKD, besonders bei Perserkatzen), Amyloidose, langfristiger Bluthochdruck (Hypertonie), Diabetes mellitus sowie immunvermittelte Glomerulonephritis.
Zu den Risikofaktoren zählen hohes Alter, genetische Prädisposition bestimmter Rassen (Perserkatzen, Abessinierkatzen, Berner Sennenhunde, Bull Terrier), Übergewicht, dauerhaft unzureichende Wasseraufnahme, einseitige Ernährung mit überhöhtem Phosphorgehalt sowie der häufige Einsatz nierenschädigender (nephrotoxischer) Medikamente.
Symptome & Erkennung
Das Tückische an der chronischen Niereninsuffizienz: Klinische Symptome zeigen sich in der Regel erst, wenn bereits 65 bis 75 Prozent des funktionellen Nierengewebes zerstört sind. Die verbleibenden Nephrone kompensieren den Verlust lange Zeit, bis die Reservekapazität erschöpft ist.
Typische Anzeichen einer Niereninsuffizienz umfassen:
- Polyurie und Polydipsie: vermehrtes Trinken und vermehrter Harnabsatz als frühes Symptom, da die Nieren den Urin nicht mehr ausreichend konzentrieren können
- Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit (Anorexie), zunehmende Abmagerung trotz Futterangebot
- Erbrechen und Übelkeit durch Ansammlung harnpflichtiger Substanzen im Blut (Urämie)
- Mattigkeit, Lethargie und zunehmende Schwäche, häufig begleitet von stumpfem, glanzlosem Fell
- Mundgeruch mit typisch urämischem Geruch (ammoniakalisch), Mundschleimhautgeschwüre (urämische Stomatitis)
- Dehydratation trotz erhöhter Trinkmenge, erkennbar an stehenden Hautfalten
- Bluthochdruck mit möglichen Folgeschäden an Augen (retinale Ablösung, plötzliche Erblindung), Herz und Gehirn
Bei einem akuten Nierenversagen stehen plötzliche Fressunlust, Erbrechen, stark reduzierter oder vollständig fehlender Harnabsatz (Oligurie bzw. Anurie) sowie rapider Verfall des Allgemeinzustands im Vordergrund. Dieser Zustand ist ein Notfall.
Diagnose
Die Diagnose einer Niereninsuffizienz stützt sich auf mehrere Untersuchungsverfahren, die in der Zusammenschau ein genaues Bild der Nierenfunktion ergeben:
- Blutuntersuchung: Bestimmung der Retentionsparameter Kreatinin und Harnstoff (BUN). Als modernerer und sensitiverer Marker gilt SDMA (symmetrisches Dimethylarginin), der eine Nierenfunktionseinschränkung bereits erkennen kann, wenn erst 25 bis 40 Prozent der Nierenfunktion verloren sind. Zusätzlich werden Elektrolyte (Kalium, Phosphor, Kalzium), Hämatokrit und Gesamteiweiß bestimmt.
- Urinuntersuchung: Bestimmung des spezifischen Gewichts (USG), Protein-Kreatinin-Quotient (UPC) zur Erfassung einer Proteinurie sowie Sedimentanalyse und bakteriologische Kultur bei Verdacht auf Harnwegsinfektionen.
- Bildgebende Verfahren: Abdominaler Ultraschall zur Beurteilung von Nierengröße, Struktur und Durchblutung. Röntgenaufnahmen ergänzen die Diagnostik bei Verdacht auf Nierensteine (Nephrolithiasis) oder Harnleiterobstruktionen.
- Blutdruckmessung: Systematische Messung, da sekundäre Hypertonie bei nierenkranken Tieren häufig vorkommt und gravierende Folgeschäden verursachen kann.
Die Stadieneinteilung der chronischen Nierenerkrankung erfolgt nach dem international anerkannten IRIS-Staging-System (International Renal Interest Society) in die Stadien I bis IV, ergänzt durch Substaging anhand von Proteinurie und Blutdr