Ohrentzündung
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Definition & Überblick
Unter einer Ohrentzündung versteht man eine entzündliche Erkrankung des äußeren Gehörgangs, des Mittelohrs oder – seltener – des Innenohrs bei Tieren. In der tiermedizinischen Fachsprache wird die Entzündung des äußeren Gehörgangs als Otitis externa bezeichnet, die des Mittelohrs als Otitis media und die des Innenohrs als Otitis interna. Ohrentzündungen gehören zu den häufigsten Vorstellungsgründen in der tierärztlichen Praxis und betreffen vor allem Hunde und Katzen, kommen jedoch auch bei Kaninchen, Meerschweinchen, Frettchen und anderen Heimtieren vor.
Besonders Hunderassen mit langen, hängenden Ohren wie Cocker Spaniel, Basset Hound oder Beagle sind überdurchschnittlich häufig betroffen. Die eingeschränkte Luftzirkulation im Gehörgang schafft ein feucht-warmes Milieu, das die Vermehrung von Krankheitserregern begünstigt. Unbehandelt kann eine einfache Ohrentzündung chronisch werden, auf tiefere Strukturen übergreifen und im schlimmsten Fall zu dauerhaftem Hörverlust oder neurologischen Störungen führen.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Ursachen einer Ohrentzündung sind vielfältig und werden in der Veterinärmedizin in primäre, sekundäre und prädisponierende Faktoren unterteilt:
- Parasiten: Ohrmilben (Otodectes cynotis) sind besonders bei Katzen, Welpen und Kaninchen eine häufige Ursache. Sie lösen starken Juckreiz und eine charakteristische dunkelbraune, krümelige Sekretbildung aus.
- Allergien: Futtermittelallergien und Umweltallergien (atopische Dermatitis) zählen zu den häufigsten primären Auslösern chronisch wiederkehrender Ohrentzündungen beim Hund. Die allergische Reaktion verändert das Milieu im Gehörgang und begünstigt sekundäre Infektionen.
- Bakterielle Infektionen: Bakterien wie Staphylococcus, Streptococcus oder Pseudomonas aeruginosa besiedeln den vorgeschädigten Gehörgang sekundär und verschlimmern die Entzündung erheblich.
- Hefepilze: Malassezia pachydermatis ist ein häufiger sekundärer Erreger, der ein typisch süßlich-ranziges Sekret produziert.
- Fremdkörper: Grannen von Gräsern (insbesondere im Sommer und Herbst) können tief in den Gehörgang eindringen und akute, einseitige Ohrentzündungen verursachen.
- Anatomische Besonderheiten: Enge Gehörgänge, übermäßige Behaarung im Ohr und Hängeohren reduzieren die Belüftung und fördern die Sekretansammlung.
- Feuchtigkeit: Häufiges Schwimmen oder unsachgemäße Ohrreinigung kann Wasser im Gehörgang zurücklassen und das Wachstum von Keimen fördern.
- Hormonelle Erkrankungen: Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder Cushing-Syndrom (Hyperadrenokortizismus) können die Hautbarriere schwächen und Ohrentzündungen begünstigen.
Symptome & Erkennung
Die Symptome einer Ohrentzündung variieren je nach Schweregrad und betroffener Struktur. Typische Anzeichen, die Tierhalter beobachten können, sind:
- Häufiges Kopfschütteln und Kratzen am betroffenen Ohr
- Schiefhaltung des Kopfes (Kopfschiefhaltung, Torticollis) – besonders bei Mittel- und Innenohrentzündungen
- Vermehrter Ohrausfluss (Otorrhoe): je nach Erreger gelblich-eitrig, dunkelbraun-krümelig oder wachsartig
- Unangenehmer Geruch aus dem Ohr
- Rötung und Schwellung der Ohrmuschel und des Gehörgangs
- Schmerzreaktion bei Berührung des Ohrs – das Tier weicht aus, winselt oder zeigt Aggressivität
- Hörverlust oder verminderte Reaktion auf akustische Reize
- Gleichgewichtsstörungen, Nystagmus (unwillkürliches Augenzittern) und Kreislaufen bei Beteiligung des Innenohrs
Manche Tiere zeigen zunächst nur subtile Verhaltensänderungen wie vermehrtes Reiben des Kopfes an Möbeln oder eine allgemeine Unruhe. Einseitige Symptome deuten häufig auf einen Fremdkörper hin, während beidseitige Beschwerden eher für eine allergische oder parasitäre Grunderkrankung sprechen.
Diagnose
Die tierärztliche Diagnose einer Ohrentzündung erfolgt systematisch in mehreren Schritten:
- Anamnese: Erfassung der Krankengeschichte, Dauer der Beschwerden, vorangegangene Episoden, Fütterung und Haltungsbedingungen.
- Otoskopie: Mit einem Otoskop untersucht der Tierarzt den Gehörgang und das Trommelfell (Membrana tympani). Veränderungen wie Rötung, Schwellung, Sekretansammlungen, Fremdkörper oder eine Perforation des Trommelfells werden beurteilt. Bei starken Schmerzen kann eine Sedierung notwendig sein.
- Zytologische Untersuchung: Ein Abstrich des Ohrsekrets wird auf einen Objektträger aufgebracht, gefärbt und unter dem Mikroskop analysiert. So lassen sich Bakterien, Hefepilze, Entzündungszellen und Milben identifizieren.
- Bakteriologische Kultur mit Antibiogramm: Bei schweren, rezidivierenden oder therapieresistenten Infektionen wird eine mikrobiologische Kultur angelegt, um den Erreger genau zu bestimmen und die Wirksamkeit verschiedener Antibiotika zu testen.
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