Pfuhlschnepfe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Limosa lapponica
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
- Gattung: Limosa
- Lebensraum: Arktische Tundra (Brutgebiet), Wattenmeer und Küstenzonen (Rast- und Überwinterungsgebiet)
- Größe: 37–41 cm Körperlänge, Flügelspannweite 70–80 cm
- Gewicht: 190–400 g (vor dem Zug bis über 600 g)
- Lebenserwartung: Bis zu 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Pfuhlschnepfe ist ein mittelgroßer Watvogel mit einem langen, leicht nach oben gebogenen Schnabel, der an der Basis rosa bis fleischfarben und zur Spitze hin dunkel gefärbt ist. Dieser Schnabel unterscheidet sie deutlich von der nah verwandten Uferschnepfe (Limosa limosa), deren Schnabel gerader und länger ist. Die Beine der Pfuhlschnepfe sind vergleichsweise kurz und dunkelgrau bis schwärzlich – auch hierin unterscheidet sie sich von der Uferschnepfe mit ihren langen, schwarzen Beinen.
Im Prachtkleid zeigt das Männchen eine tief kastanienrote bis rotbraune Unterseite, die sich von der Kehle bis zu den Unterschwanzdecken erstreckt. Die Oberseite ist dunkelbraun mit rötlichen Federsäumen. Das Weibchen ist im Brutkleid deutlich blasser gefärbt und zeigt allenfalls einen leicht rötlichen Anflug. Im Schlichtkleid ähneln sich beide Geschlechter: Das Gefieder ist oberseits graubraun, unterseits weißlich mit einer leichten Strichelung an Brust und Flanken. Ein heller Überaugenstreif ist in allen Kleidern erkennbar. Im Flug fallen der weiße Bürzel und die fehlende weiße Flügelbinde auf – ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zur Uferschnepfe.
Lebensraum & Verbreitung
Das Brutgebiet der Pfuhlschnepfe erstreckt sich über die subarktischen und arktischen Zonen Eurasiens – von Nordskandinavien über Nordrussland bis nach Alaska und Westalaska. Die Art besiedelt dort offene, feuchte Tundra- und Moorlandschaften mit niedriger Vegetation, oft in der Nähe von Gewässern.
Außerhalb der Brutzeit ist die Pfuhlschnepfe ein ausgesprochener Küstenvogel. Ihr Überwinterungsgebiet reicht von den Küsten Westeuropas und Westafrikas über den Persischen Golf und den Indischen Subkontinent bis nach Australien und Neuseeland. Das Wattenmeer der Nordsee – insbesondere das niederländische, deutsche und dänische Wattenmeer – stellt eines der wichtigsten Rast- und Durchzugsgebiete dar. Hier nutzen die Vögel die ausgedehnten Wattflächen während des Herbst- und Frühjahrszugs als Habitat zur Nahrungsaufnahme und Fettanreicherung. In Mitteleuropa ist die Pfuhlschnepfe kein Brutvogel, sondern regelmäßiger Durchzügler und spärlicher Überwinterer.
Ernährung
Die Pfuhlschnepfe ernährt sich überwiegend von wirbellosen Tieren, die sie mit ihrem langen Schnabel im weichen Substrat ertastet. In den Brutgebieten stehen Insekten und deren Larven, besonders Schnaken und Käfer, auf dem Speiseplan. In den Küstenhabitaten der Rast- und Überwinterungsgebiete dominieren Wattwürmer (Arenicola marina), Muscheln, kleine Schnecken, Krebstiere und Polychaeten die Nahrung. Die Nahrungssuche erfolgt typischerweise durch tiefes Stochern im Schlick und Sand – eine Technik, die als Sondieren bezeichnet wird. Die empfindliche Schnabelspitze ermöglicht es dem Vogel, Beutetiere auch ohne Sichtkontakt aufzuspüren.
Verhalten & Lebensweise
Pfuhlschnepfen sind gesellige Vögel, die außerhalb der Brutzeit in teils großen Schwärmen auftreten. An günstigen Rastplätzen im Wattenmeer versammeln sich Tausende von Individuen. Die Aktivität richtet sich stark nach den Gezeiten: Bei Niedrigwasser suchen die Vögel auf den freiliegenden Wattflächen nach Nahrung, bei Hochwasser ziehen sie sich auf höher gelegene Ruheplätze – sogenannte Hochwasserrastplätze – zurück. Ein ausgeprägtes Territorialverhalten zeigen Pfuhlschnepfen vor allem im Brutgebiet, wo die Männchen ihr Revier durch auffällige Balzflüge markieren.
Der Zug der Pfuhlschnepfe gehört zu den längsten Nonstop-Flügen im gesamten Tierreich. Die Unterart Limosa lapponica baueri, die in Alaska brütet und in Neuseeland überwintert, legt dabei Strecken von über 11.000 Kilometern ohne Zwischenlandung über den offenen Pazifik zurück. Für diese Leistung legen die Vögel vor dem Abflug enorme Fettreserven an und reduzieren die Masse ihrer inneren Organe – ein einzigartiger physiologischer Anpassungsmechanismus.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit beginnt je nach Verbreitungsgebiet im Mai oder Juni. Die Balz der Männchen umfasst eindrucksvolle Singflüge, bei denen sie in wellenförmigem Flug über dem Brutrevier kreisen und dabei melodische, repetitive Rufe ausstoßen. Das Nest ist eine flache Mulde am Boden, spärlich mit Pflanzenmaterial ausgepolstert und in niedriger Tundra-Vegetation verborgen.
Das Gelege besteht in der Regel aus vier olivgrünen bis bräunlichen Eiern mit dunkler Fleckung. Beide Altvögel bebrüten die Eier über einen Zeitraum von etwa 20 bis 21 Tagen. Die Küken sind Nestflüchter: Sie verlassen das Nest kurz nach dem Schlupf und sind mit einem tarnfarbenen Dunengefieder ausgestattet, das sie im Tundra-Habitat nahezu unsichtbar macht. Die Jungvögel sind nach etwa 28 bis 30 Tagen flugfähig. Das Weibchen verlässt die Familie häufig schon vor dem