Pilzinfektion
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Definition & Überblick
Eine Pilzinfektion – in der tiermedizinischen Fachsprache als Mykose bezeichnet – ist eine Erkrankung, die durch pathogene (krankmachende) Pilze hervorgerufen wird. Pilze gehören weder zu den Bakterien noch zu den Viren, sondern bilden ein eigenständiges Reich von Organismen. Sie kommen in der Umwelt nahezu überall vor: im Erdreich, auf Pflanzen, in der Luft und auf der Haut gesunder Tiere. Erst wenn das Gleichgewicht zwischen Wirt und Pilz gestört wird, kann sich eine Infektion entwickeln.
Grundsätzlich unterscheidet man drei Formen der Mykose nach ihrer Ausbreitung im Körper:
- Oberflächliche Mykosen (Dermatomykosen): Der Pilz befällt Haut, Haare oder Krallen. Typische Vertreter sind Dermatophyten wie Microsporum canis oder Trichophyton mentagrophytes, die den weithin bekannten Hautpilz (Dermatophytose) verursachen.
- Subkutane Mykosen: Der Erreger dringt in tiefere Hautschichten und das Unterhautgewebe ein, etwa bei der Sporotrichose.
- Systemische Mykosen: Der Pilz breitet sich über den Blutweg in innere Organe aus. Beispiele sind Aspergillose, Kryptokokkose oder Histoplasmose. Diese Formen können lebensbedrohlich verlaufen.
Pilzinfektionen betreffen sämtliche Haustierarten – Hunde, Katzen, Pferde, Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel und Reptilien. Einige Erreger, darunter vor allem Dermatophyten, sind zudem Zoonose-Erreger: Sie können vom Tier auf den Menschen übertragen werden.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Ansteckung erfolgt entweder durch direkten Kontakt mit einem infizierten Tier, über kontaminierte Gegenstände wie Bürsten, Decken und Transportboxen (Fomites) oder durch Aufnahme von Pilzsporen aus der Umgebung. Sporen sind extrem widerstandsfähig und können in der Umwelt monatelang infektiös bleiben.
Ob eine Infektion tatsächlich ausbricht, hängt wesentlich vom Immunstatus des Tieres ab. Folgende Risikofaktoren begünstigen eine Mykose:
- Geschwächtes Immunsystem: Jungtiere, sehr alte Tiere und immunsupprimierte Patienten (z. B. durch FIV bei Katzen, Cushing-Syndrom beim Hund oder langfristige Kortisontherapie) sind besonders anfällig.
- Vorerkrankungen: Chronische Krankheiten, Diabetes mellitus oder Tumorerkrankungen schwächen die körpereigene Abwehr.
- Stress und Haltungsbedingungen: Überbelegung in Tierheimen, Zuchtstationen oder Ställen erhöht den Infektionsdruck erheblich.
- Feucht-warmes Milieu: Hautfalten, mangelnde Belüftung und feuchte Einstreu schaffen ideale Wachstumsbedingungen für Pilze.
- Antibiotikatherapie: Langfristige Antibiotikagaben können die natürliche Hautflora stören und Hefepilzen wie Malassezia pachydermatis die Vermehrung erleichtern.
Symptome & Erkennung
Das klinische Bild variiert erheblich je nach Erreger, betroffener Körperregion und Tierart. Bei oberflächlichen Pilzinfektionen zeigen sich häufig:
- Kreisrunde, scharf begrenzte haarlose Stellen (Alopezie), oft mit schuppigem oder krustigem Rand
- Rötung, Schuppenbildung und vermehrte Talgproduktion der Haut
- Juckreiz (Pruritus) – der allerdings bei Dermatophytosen erstaunlich gering sein kann
- Brüchige, verfärbte oder deformierte Krallen (Onychomykose)
- Ranziger oder hefiger Geruch bei Malassezia-Infektionen, besonders an Ohren und Pfoten
Systemische Mykosen äußern sich unspezifischer: Abgeschlagenheit, Fieber, Gewichtsverlust, Atemprobleme (bei pulmonaler Aspergillose), Nasenausfluss, neurologische Ausfälle oder geschwollene Lymphknoten können auftreten. Bei Vögeln fällt häufig eine zunehmende Atemnot durch Befall der Luftsäcke auf.
Diagnose
Die Diagnose einer Pilzinfektion erfordert mehr als eine bloße Blickdiagnose, da viele Hauterkrankungen ähnlich aussehen. Dem Tierarzt stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:
- Wood-Lampe (UV-Lampe): Bestimmte Microsporum-Arten fluoreszieren unter UV-Licht apfelgrün. Allerdings zeigen nicht alle Dermatophyten diese Fluoreszenz – ein negatives Ergebnis schließt eine Pilzinfektion daher nicht aus.
- Trichogramm: Mikroskopische Untersuchung ausgezupfter Haare auf Pilzsporen und -hyphen.
- Pilzkultur (mykologische Kultur): Gilt als Goldstandard. Haarproben und Hautschuppen werden auf speziellen Nährmedien (z. B. Sabouraud-Agar, DTM-Agar) angezüchtet. Ein Ergebnis liegt je nach Erreger nach 7 bis 21 Tagen vor.
- PCR-Diagnostik: Die Polymerase-Kettenreaktion ermöglicht einen schnellen und hochspezifischen Erregernachweis direkt aus Probenmaterial.
- Zytologie: Abklatschpräparate oder Tupferproben werden gefärbt und unter dem Mikroskop beurteilt – besonders hilfreich bei Verdacht auf Malassezia-Dermatitis.
- Bildgebende Verfahren: Bei systemischen Mykosen liefern Röntgen, CT oder Endoskopie wertvolle Hinweise auf Organbefall.