T Tierlexikon.net
← Lexikon

Pura-raza-española

P

Rassen > Pferderassen

Steckbrief

  • Herkunft: Spanien (Andalusien)
  • Rassestandard: ANCCE (Asociación Nacional de Criadores de Caballos de Pura Raza Española)
  • Zuchtverband international: PRE Mundial / Landesverbände in über 60 Ländern
  • Stockmaß: Hengste ab 155 cm, Stuten ab 153 cm (Mindestmaße laut Rassestandard)
  • Gewicht: 400–550 kg
  • Lebenserwartung: 25–30 Jahre
  • Fell/Farben: Überwiegend Schimmel, daneben Rappen, Braune, Falben und selten Füchse; langes, üppiges Langhaar

Herkunft & Geschichte

Die Pura Raza Española – kurz PRE – gilt als eine der ältesten Kulturpferderassen der Welt. Ihre Wurzeln reichen bis zu den iberischen Pferden zurück, die bereits in der Antike für ihre Wendigkeit und Eleganz berühmt waren. Auf der Iberischen Halbinsel kreuzten sich über Jahrhunderte hinweg Einflüsse nordafrikanischer Berber, orientalischer Pferde und einheimischer Landschläge zu einem einzigartigen Typ.

Einen entscheidenden Wendepunkt markierte das 15. Jahrhundert, als die kartäusischen Mönche in Jerez de la Frontera, Sevilla und Cazalla begannen, die Zucht systematisch zu betreiben. Diese sogenannten Cartujano-Linien legten den Grundstein für den heutigen PRE. Die spanische Krone erkannte früh den Wert dieser Pferde: Als Kriegspferde, als Prestigeobjekte des Adels und als Lehrmeister der klassischen Reitkunst erlangten sie europaweit Berühmtheit. Die Hofreitschulen in Wien und Versailles bezogen ihre Pferde jahrhundertelang aus spanischen Gestüten.

Das offizielle Zuchtbuch – das Libro de Registro – wurde 1912 vom spanischen Verteidigungsministerium eingerichtet und wird seit 2007 von der ANCCE als anerkanntem Zuchtverband geführt. Heute sind weltweit über 250.000 Pferde im Zuchtbuch eingetragen, wobei Spanien mit Abstand die größte Population beherbergt. Die Abstammung jedes PRE lässt sich lückenlos über das zentrale Register in Madrid nachverfolgen.

Aussehen & Rassemerkmale

Der PRE verkörpert barocke Eleganz in Reinform. Der Kopf ist ausdrucksstark mit großen, lebhaften Augen, kleinen, fein gezeichneten Ohren und einem leicht konvexen oder geraden Profil – das sogenannte Ramsprofil ist beim modernen PRE seltener geworden. Der Hals setzt hoch an, ist kräftig gewölbt und geht in einen kompakten, gut bemuskelten Rumpf über. Der Widerrist ist mittelhoch, der Rücken kurz und tragfähig.

Besonders auffällig ist die breite, gerundete Kruppe, die dem PRE seine charakteristische Versammlungsfähigkeit verleiht. Die Gliedmaßen sind trocken, mit klar definierten Gelenken und harten Hufen. Das üppige Langhaar – bestehend aus dichter Mähne, vollem Schweif und teilweise ausgeprägtem Behang – gehört zu den markantesten Rassemerkmalen.

Die Bewegungen des PRE zeichnen sich durch natürliche Aufrichtung, hohe Knieaktion und deutlichen Schub aus der Hinterhand aus. Der Schritt ist raumgreifend und taktmäßig, der Trab erhoben und kadenziert, der Galopp bergauf mit natürlicher Balance. Diese Veranlagung macht den PRE zu einem geborenen Versammlungspferd.

Charakter & Wesen

Der PRE ist für sein ausgeglichenes, menschenbezogenes Wesen bekannt. Diese Pferde gelten als intelligent, lernwillig und bemerkenswert sensibel, ohne dabei nervös oder schreckhaft zu sein. Sie bauen eine enge Bindung zu ihrer Bezugsperson auf und zeigen sich im Umgang treu und kooperativ.

Trotz ihres sanften Temperaments besitzen PRE durchaus Temperament und Arbeitseifer. Sie sind wachsam, reagieren fein auf Hilfen und bringen eine natürliche Arbeitsfreude mit, die das Training erleichtert. Ihre Gelassenheit in Stresssituationen machte sie historisch zu hervorragenden Kriegspferden und macht sie heute zu verlässlichen Partnern auf Turnieren, bei Festumzügen und in der Therapie.

Die Rasse zeigt zudem eine bemerkenswerte Ausdauer und Zähigkeit, die auf ihre Entwicklung im heißen, trockenen Klima Andalusiens zurückgeht. Im Herdenverband verhalten sich PRE sozial und verträglich.

Haltung & Pflege

Der PRE stellt keine überzogenen Ansprüche an die Haltung, profitiert aber deutlich von durchdachtem Management. Eine Kombination aus Offenstall oder Laufstall mit ausreichend Weidegang entspricht dem Bewegungsbedürfnis der Rasse am besten. Reine Boxenhaltung ohne täglichen Auslauf ist nicht artgerecht und führt bei diesem intelligenten Pferd schnell zu Unzufriedenheit.

Die Fellpflege ist beim PRE etwas aufwendiger als bei vielen anderen Rassen. Das üppige Langhaar neigt zu Verfilzungen und muss regelmäßig verlesen und gebürstet werden. Viele Besitzer flechten Mähne und Schweif zum Schutz ein. Die Hufe sind in der Regel hart und unproblematisch, sollten aber wie bei jedem Pferd alle sechs bis acht Wochen vom Hufschmied bearbeitet werden.

Geistige Beschäftigung ist für den PRE ebenso wichtig wie körperliche Arbeit. Abwechslungsreiches Training – von Dressurarbeit über Bodenarbeit bis hin zu Geländeritten – hält diese klugen Pferde motiviert und zufrieden.

Ernährung

Der PRE gehört zu den leichtfuttrigen Rassen. Sein Stoffwechsel ist an karge Bedingungen angepasst, weshalb eine Überversorgung mit energiereichem Futter schnell zu Übergewicht und damit verbundenen Gesundheitsproblemen führt. Die Basis der Fütterung sollte hochwertiges Raufutter bilden – also Heu und Stroh in ausreichender Menge. Kraftfutter ist nur bei tatsächlich erhöhtem Leistungsbedarf notwendig.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Mineralstoffversorgung. Da viele PRE auf eher mageren W