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Purpurreiher

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Reiher & Störche

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Ardea purpurea
  • Ordnung: Schreitvögel (Pelecaniformes)
  • Familie: Reiher (Ardeidae)
  • Gattung: Ardea
  • Lebensraum: Ausgedehnte Schilfgebiete, Sümpfe, Flussauen und Feuchtgebiete
  • Größe: 78–90 cm Körperlänge, Flügelspannweite 120–150 cm
  • Gewicht: 600–1.400 g
  • Lebenserwartung: Bis zu 23 Jahre in freier Wildbahn, durchschnittlich etwa 5–10 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Purpurreiher ist ein mittelgroßer Vertreter der Familie Ardeidae, der auf den ersten Blick dem verwandten Graureiher (Ardea cinerea) ähnelt, jedoch deutlich schlanker und kleiner gebaut ist. Das Gefieder zeigt eine auffällige Farbkombination aus Schiefergrau, Rostbraun und namensgebendem Purpurton. Die Oberseite des Körpers ist graubraun gefärbt, während Hals und Brust ein intensives Rotbraun bis Kastanienbraun aufweisen. An den Halsseiten verlaufen schwarze Längsstreifen, die in einem dunklen Scheitelstreifen münden. Im Prachtkleid tragen adulte Vögel verlängerte Schmuckfedern am Hinterkopf und am unteren Hals.

Der lange, dolchförmige Schnabel ist gelblich bis orangebraun gefärbt, die Iris leuchtend gelb bis orange. Die langen Beine und die auffallend großen Zehen sind bräunlich-gelb und ermöglichen dem Vogel das Laufen auf schwimmender Vegetation. Im Flug ist der Purpurreiher an seinem eingezogenen Hals, den durchhängenden Beinen und den relativ breiten, gerundeten Flügeln erkennbar. Seine Silhouette wirkt dabei winkliger und gedrungener als die des Graureihers.

Jungvögel zeigen ein insgesamt matteres, überwiegend sandbraunes Gefieder ohne die purpurroten Farbanteile der Altvögel. Auch die schwarzen Halsstreifen fehlen im Jugendkleid noch weitgehend.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Purpurreihers erstreckt sich über die gemäßigten und subtropischen Zonen der Alten Welt. Die Art brütet in Süd- und Mitteleuropa, Nordafrika, Vorderasien sowie in Teilen Süd- und Südostasiens bis nach China. In Afrika südlich der Sahara kommen standorttreue Populationen vor. Die europäischen Brutvögel sind Langstreckenzieher, die im tropischen Afrika überwintern.

In Mitteleuropa liegt der Verbreitungsschwerpunkt in den Niederlanden, Frankreich, Spanien, Italien und Ungarn. In Deutschland ist der Purpurreiher ein seltener Brutvogel mit wenigen, unregelmäßig besetzten Vorkommen, vor allem am Bodensee, am Oberrhein und in Teilen Bayerns. Die nördliche Verbreitungsgrenze hat sich in den letzten Jahrzehnten – vermutlich im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung – leicht nach Norden verschoben.

Als Habitat bevorzugt der Purpurreiher dichte, großflächige Röhrichtbestände an stehenden oder langsam fließenden Gewässern. Im Gegensatz zum Graureiher meidet er offene Uferbereiche und ist stark an ausgedehnte Schilf- und Rohrkolbenbestände gebunden. Dieses Biotop bietet ihm sowohl Nahrung als auch Deckung und Nistmöglichkeiten.

Ernährung

Der Purpurreiher ernährt sich überwiegend von Fischen, Fröschen, Wasserinsekten und deren Larven. Ergänzt wird das Nahrungsspektrum durch kleine Säugetiere wie Wühlmäuse, Eidechsen, Schlangen und gelegentlich auch junge Vögel. Die Zusammensetzung der Beute variiert je nach Angebot und Jahreszeit.

Die Jagdstrategie entspricht der typischen Lauerjagtechnik vieler Reiherarten: Der Vogel steht regungslos im seichten Wasser oder im Röhricht und stößt mit dem Schnabel blitzschnell zu, sobald ein Beutetier in Reichweite gelangt. Im Unterschied zum Graureiher jagt der Purpurreiher häufiger in dichter Vegetation und watet dabei mit gespreizten Zehen über Schwimmpflanzen und umgeknickte Schilfhalme.

Verhalten & Lebensweise

Der Purpurreiher ist ein scheuer, zurückgezogen lebender Vogel, der sich überwiegend in der Deckung dichter Vegetation aufhält. Seine Aktivitätsphase liegt vorwiegend in der Dämmerung und den frühen Morgenstunden, teilweise jagt er auch nachts. Bei Störung nimmt er häufig die sogenannte Pfahlstellung ein, bei der er mit senkrecht ausgestrecktem Hals und Schnabel im Schilf verharrt und so optisch mit den Halmen verschmilzt.

Außerhalb der Brutzeit ist der Purpurreiher überwiegend einzelgängerisch. Während des Zugs können sich jedoch kleinere Trupps bilden. Die europäischen Populationen verlassen ihre Brutgebiete ab August und ziehen in südwestlicher Richtung über die Iberische Halbinsel oder über Italien und Sizilien nach Westafrika beziehungsweise in das Sahel-Gebiet. Die Rückkehr in die Brutgebiete erfolgt ab März bis April.

Fortpflanzung & Aufzucht

Der Purpurreiher brütet in lockeren Kolonien, die häufig in dichten Schilfbeständen über dem Wasser angelegt werden. Gelegentlich werden auch Mischkolonien mit anderen Reiherarten gebildet. Die Balz beginnt kurz nach der Ankunft im Brutgebiet und umfasst ritualisierte Halsbewegungen, Aufstellen der Schmuckfedern und gegenseitiges Schnabelfechten.

Das Nest wird aus Schilfhalmen, Zweigen und anderem Pflanzenmaterial errichtet, meist in etwa 50 cm bis 1 m Höhe über der Wasseroberfläche direkt im Röhricht. Das Gelege umfasst in der Regel 4 bis 5 bläulich-grüne Eier, die von beiden Elternvögeln über einen Zeitraum von 25 bis 30 Tagen bebrütet