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Räude

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Tiermedizin & Gesundheit > Krankheiten – allgemein

Definition & Überblick

Räude (medizinisch: Acariasis oder Mange) ist eine parasitäre Hauterkrankung, die durch verschiedene Milbenarten hervorgerufen wird und bei zahlreichen Säugetierarten vorkommt. Die mikroskopisch kleinen Spinnentiere befallen die Haut des Wirtstieres, ernähren sich dort von Hautbestandteilen, Gewebeflüssigkeit oder Lymphe und lösen durch ihre Bohrtätigkeit sowie ihre Stoffwechselprodukte eine teils massive Entzündungsreaktion aus. Die Erkrankung zählt zu den ältesten bekannten Tierseuchen und ist in vielen Ländern meldepflichtig – in Deutschland betrifft die Meldepflicht insbesondere die Schafräude (verursacht durch Psoroptes ovis).

Grundsätzlich unterscheidet man je nach Milbenart und befallenem Hautareal mehrere Räudeformen: die Sarkoptesräude (Grabmilbenräude), die Psoroptesräude (Saugmilbenräude), die Chorioptes-Räude (Fußräude, besonders bei Rindern und Pferden), die Demodikose (Haarbalgmilbenräude) sowie die Ohrräude (Otodectes-Befall, häufig bei Katzen und Kaninchen). Obwohl die Erkrankung bei konsequenter Therapie gut behandelbar ist, kann sie unbehandelt zu schwerem Leiden, Abmagerung und bei Wildtieren sogar zum Tod führen.

Ursachen & Risikofaktoren

Auslöser der Räude sind stets Milben (Ordnung: Acari), die zur Klasse der Spinnentiere gehören. Die wichtigsten Erreger im Überblick:

  • Sarcoptes scabiei – Grabmilbe, bohrt Gänge in die obere Hautschicht (Epidermis). Befällt Hunde, Füchse, Schweine, Wildwiederkäuer und viele weitere Arten. Ist als Zoonose auf den Menschen übertragbar (sogenannte Pseudokrätze).
  • Psoroptes-Arten – Saugmilben, die auf der Hautoberfläche leben und sich von Gewebeflüssigkeit ernähren. Hauptwirte sind Schafe, Rinder und Kaninchen.
  • Chorioptes bovis – verursacht die Fußräude vor allem bei Rindern und Pferden, bevorzugt die Fesselbeuge.
  • Demodex-Arten – Haarbalgmilben, die in Haarfollikeln und Talgdrüsen leben. Die Demodikose beim Hund betrifft besonders junge oder immungeschwächte Tiere.
  • Otodectes cynotis – Ohrmilbe, häufig bei Katzen, Hunden und Frettchen.

Die Übertragung erfolgt überwiegend durch direkten Kontakt zwischen Tieren, kann jedoch auch indirekt über kontaminierte Einstreu, Decken, Halfter oder Bürsten geschehen. Begünstigende Risikofaktoren sind ein geschwächtes Immunsystem, mangelnde Hygiene, hohe Besatzdichten in Ställen, Unterernährung, Stress sowie kalte, feuchte Witterung. Jungtiere und ältere Tiere erkranken häufiger schwer. Bei Wildtieren – insbesondere beim Rotfuchs und beim Steinbock – kann die Sarkoptesräude ganze Populationen dezimieren.

Symptome & Erkennung

Das klinische Bild variiert je nach Milbenart, betroffener Tierart und Schweregrad, zeigt jedoch einige charakteristische Gemeinsamkeiten:

  • Intensiver Juckreiz (Pruritus) – das Leitsymptom. Betroffene Tiere kratzen, beißen und scheuern sich unablässig. Bei der Sarkoptesräude ist der Juckreiz besonders quälend.
  • Haarausfall (Alopezie) – zunächst fokal, später großflächig. Beim Hund beginnt die Sarkoptesräude typischerweise an den Ohrrändern, Ellbogen und dem Bauch.
  • Hautrötung und Papelbildung – entzündliche Knötchen und Pusteln als Reaktion auf die Milbenaktivität.
  • Krusten- und Borkenbildung – durch eingetrocknetes Exsudat, abgestorbene Hautzellen und Milbenkot. Die Haut wird zunehmend verdickt und faltig (Lichenifikation).
  • Sekundärinfektionen – bakterielle Hautentzündungen (Pyodermie) durch Aufkratzen der Haut sind häufig.
  • Allgemeinsymptome – bei schwerem Befall: Gewichtsverlust, Apathie, Fieber, Lymphknotenschwellung.

Bei der Ohrräude fallen dunkle, kaffeesatzartige Beläge im Gehörgang auf, begleitet von Kopfschütteln und Kratzen an den Ohren. Die Demodikose verläuft oft weniger juckend, zeigt sich aber durch multifokale haarlose Stellen, Komedonen (Mitesser) und in der generalisierten Form durch schwere eitrige Hautentzündungen.

Diagnose

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus dem klinischen Bild, der Lokalisation der Veränderungen und der Anamnese (Kontakt zu befallenen Tieren, Haltungsbedingungen). Zur Sicherung der Diagnose stehen folgende Verfahren zur Verfügung:

  • Hautgeschabsel (Skin Scraping) – die wichtigste diagnostische Methode. Mit einem Skalpell wird oberflächlich Haut abgeschabt und das Probenmaterial unter dem Mikroskop auf Milben, Eier und Larven untersucht. Bei Sarcoptes sind tiefe Geschabsel nötig, da die Milben in der Epidermis graben. Die Sensitivität liegt bei nur etwa 50 %, ein negativer Befund schließt Räude daher nicht aus.
  • Trichogramm – Untersuchung ausgezupfter Haare unter dem Mikroskop, besonders hilfreich bei der Demodikose.
  • Otoskopie