Reithelm
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Definition und Bedeutung
Der Reithelm ist ein Kopfschutz, der beim Reiten getragen wird, um den Reiter bei Stürzen oder Tritten vor schweren Kopfverletzungen zu schützen. Er zählt zur grundlegenden Reitausrüstung und ist in den meisten Reitdisziplinen – von der Dressur über das Springreiten bis zum Vielseitigkeitsreiten – vorgeschrieben oder dringend empfohlen. Besonders für Kinder und Jugendliche besteht in vielen Ländern und Reitverbänden eine Helmpflicht. Der Reithelm unterscheidet sich in seiner Konstruktion wesentlich von Fahrradhelmen oder anderen Sporthelmen, da er auf die spezifischen Belastungen beim Reitsport ausgelegt ist.
Aufbau und Konstruktion
Ein moderner Reithelm besteht aus mehreren Schichten, die jeweils eine bestimmte Schutzfunktion erfüllen:
- Außenschale: Die äußere Hülle besteht je nach Preisklasse aus ABS-Kunststoff, Polycarbonat oder bei hochwertigen Modellen aus Carbonfaser beziehungsweise Fiberglas. Sie verteilt die Aufprallenergie großflächig und schützt vor spitzen Gegenständen wie Hufbeschlägen oder Steinen.
- Innenschale: Unter der Außenschale befindet sich eine Schicht aus expandiertem Polystyrol (EPS), das bei einem Aufprall die Stoßenergie absorbiert, indem es sich kontrolliert verformt. Dieses Prinzip ähnelt einer Knautschzone beim Auto.
- Innenpolsterung: Weiche Schaumstoffpolster sorgen für Tragekomfort und eine individuelle Passform. Bei vielen Helmen sind diese Polster herausnehmbar und waschbar.
- Kinnriemen: Ein verstellbarer Drei-Punkt- oder Vier-Punkt-Kinnriemen fixiert den Helm sicher am Kopf. Hochwertige Modelle verfügen über ein Magnetschloss oder ein Rasterband-Verschlusssystem für schnelles Öffnen und Schließen.
- Belüftungssystem: Integrierte Ventilationsöffnungen leiten Wärme und Feuchtigkeit ab, was besonders bei längeren Trainingseinheiten oder hohen Außentemperaturen relevant ist.
Viele Reithelme verfügen zusätzlich über ein verstellbares Größenanpassungssystem im Hinterkopfbereich – ein Drehrad, mit dem sich der Helm stufenlos an den Kopfumfang anpassen lässt. Einige Hersteller bieten zudem Modelle mit MIPS-Technologie (Multi-directional Impact Protection System) an, die Rotationskräfte bei schrägen Aufprällen reduzieren soll.
Normen und Sicherheitsstandards
Reithelme müssen in Europa der Norm EN 1384 oder der aktuelleren VG1 01.040 entsprechen, die von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und anderen europäischen Verbänden anerkannt wird. Die VG1-Norm stellt strengere Anforderungen an die Stoßdämpfung, die Durchdringungsfestigkeit und die Reißfestigkeit des Kinnriemens als ihr Vorgänger.
Für den internationalen Turniersport gelten die Vorgaben der Fédération Équestre Internationale (FEI), die bestimmte Zertifizierungen voraussetzt. In Nordamerika sind Helme mit ASTM/SEI-Zertifizierung gebräuchlich, in Großbritannien die Norm PAS 015 sowie der Kitemark-Standard.
Grundsätzlich gilt: Ein Reithelm, der einen heftigen Sturz oder Aufprall erlitten hat, muss sofort ersetzt werden – selbst wenn äußerlich keine Beschädigung sichtbar ist. Die EPS-Innenschale kann bereits durch einen einzigen starken Stoß ihre Schutzwirkung verlieren. Hersteller empfehlen darüber hinaus, einen Helm spätestens nach fünf Jahren auszutauschen, da das Material durch UV-Strahlung, Schweiß und Temperaturschwankungen altert.
Passform und Auswahl
Die Schutzwirkung eines Reithelms hängt entscheidend von der korrekten Passform ab. Ein schlecht sitzender Helm kann bei einem Sturz verrutschen und den Kopf ungeschützt lassen. Beim Kauf sollten folgende Punkte beachtet werden:
- Der Helm sollte waagerecht auf dem Kopf sitzen und die Stirn bis etwa zwei Fingerbreit über den Augenbrauen bedecken.
- Er darf weder drücken noch wackeln. Beim leichten Kopfschütteln ohne geschlossenen Kinnriemen sollte der Helm an Ort und Stelle bleiben.
- Der Kinnriemen muss straff genug sitzen, dass maximal ein Finger zwischen Riemen und Kinn passt.
- Die Kopfform spielt eine Rolle: Manche Hersteller bieten ovale und runde Passformen an, die unterschiedlichen Kopfformen gerecht werden.
Der Kopfumfang wird mit einem Maßband etwa einen Zentimeter über den Augenbrauen gemessen. Die Größen reichen typischerweise von 49 cm (Kinder) bis über 63 cm (Erwachsene). Anprobieren im Fachhandel ist einem reinen Online-Kauf vorzuziehen, da die Passform zwischen Herstellern erheblich variiert.
Helmtypen nach Disziplin
Je nach Reitsportdisziplin unterscheiden sich Reithelme in Form und Ausstattung:
- Dressur- und Springreithelm: Klassische Reitkappe mit glatter oder samtartiger Oberfläche, oft in gedeckten Farben wie Schwarz oder Dunkelblau. Diese Modelle betonen eine elegante Optik und sind auf Turnieren die Standardwahl.
- Vielseitigkeitshelm (Cross-Country-Helm): Bietet erweiterten Schutz im Nacken- und Schläfenbereich. Die robustere Bauweise trägt dem höheren Verletzungsrisiko bei Geländeritten Rechnung. Häufig in auffälligen Farben oder mit individualisierbaren Covers erhältlich.
- Westernreithelm: Lange Zeit war das Tragen eines Helms in der Westernreitszene unüblich. Inzwischen bieten mehrere Hersteller Modelle an, die optisch an den klassischen Cowboyhut angelehnt sind und trotzdem den geltenden Sicherheitsnormen entsprechen.
- Kinderreithelm: