Reitkappe
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Definition und Überblick
Die Reitkappe, auch als Reithelm oder Reitschutzhelm bezeichnet, ist ein speziell für den Reitsport entwickelter Kopfschutz. Sie gehört zur grundlegenden Reitausrüstung und dient dem Schutz des Reiters vor Kopfverletzungen bei Stürzen, Tritten oder Kollisionen mit Hindernissen. Im Turniersport ist das Tragen einer geprüften Reitkappe in nahezu allen Disziplinen vorgeschrieben. Auch im Freizeitbereich hat sich die Reitkappe als unverzichtbarer Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung durchgesetzt, da Kopfverletzungen beim Reiten zu den häufigsten und zugleich gefährlichsten Verletzungsarten zählen.
Geschichte und Entwicklung
Historisch betrachtet trugen Reiter jahrhundertelang keinen speziellen Kopfschutz oder griffen auf einfache Hüte und Kappen zurück, die keinerlei Schutzfunktion boten. Der klassische Reiterzylinder, wie er in der Dressur lange üblich war, diente ausschließlich repräsentativen Zwecken. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, dass ein geeigneter Kopfschutz beim Reiten lebensrettend sein kann. Die ersten modernen Reitkappen bestanden aus einfachen Hartschalen ohne nennenswerte Dämpfung. Im Laufe der Jahrzehnte wurden Materialien und Konstruktion kontinuierlich verbessert. Heute kommen hochentwickelte Verbundmaterialien, stoßabsorbierende Innenschalen und ausgefeilte Belüftungssysteme zum Einsatz. Seit 2021 ist der Zylinder bei Dressurturnieren der Fédération Équestre Internationale (FEI) nicht mehr zugelassen – stattdessen ist ein Schutzhelm Pflicht.
Aufbau und Materialien
Eine moderne Reitkappe besteht aus mehreren funktionalen Schichten:
- Außenschale: Die äußere Hülle besteht in der Regel aus ABS-Kunststoff, Polycarbonat oder bei hochwertigen Modellen aus Fiberglas- oder Carbonverbundstoffen. Sie verteilt die Aufprallenergie großflächig und schützt vor spitzen Gegenständen.
- Stoßabsorbierende Innenschale: Unter der Außenschale befindet sich eine Schicht aus expandiertem Polystyrol (EPS), das bei einem Aufprall kontrolliert verformt wird und so die einwirkende Energie absorbiert, bevor sie den Kopf erreicht.
- Innenpolsterung: Weiche, oft herausnehmbare und waschbare Polster sorgen für Tragekomfort und eine individuelle Passform. Hochwertige Modelle verwenden feuchtigkeitsableitende, antibakterielle Materialien.
- Kinnriemen: Ein verstellbarer Kinnriemen mit Dreipunkt- oder Vierpunktbefestigung hält den Helm sicher auf dem Kopf. Viele Modelle verfügen über einen Magnetverschluss oder einen Ratschenverschluss für schnelles und einfaches Öffnen und Schließen.
- Belüftungssystem: Ventilationsöffnungen an der Ober- und Rückseite ermöglichen die Luftzirkulation und verhindern übermäßiges Schwitzen beim Reiten.
Normen und Sicherheitsstandards
Reitkappen unterliegen strengen Sicherheitsnormen, die durch unabhängige Prüfinstitute zertifiziert werden. In Europa gilt die Norm EN 1384 als Basisstandard für Reithelme, wobei diese inzwischen von der aktuelleren Norm VG1 01.040 ergänzt bzw. abgelöst wurde. Die VG1-Norm stellt höhere Anforderungen an die Stoßdämpfung und Durchdringungsfestigkeit. Daneben existieren internationale Standards wie die britische PAS 015, die US-amerikanische ASTM F1163 und die australisch-neuseeländische AS/NZS 3838. Für den FEI-Turniersport müssen Reithelme eine der anerkannten Normen erfüllen und ein entsprechendes Prüfsiegel tragen. Das CE-Kennzeichen allein reicht nicht als Nachweis ausreichender Schutzwirkung aus.
Nach einem Sturz, bei dem der Helm einem Aufprall ausgesetzt war, muss die Reitkappe zwingend ersetzt werden. Die EPS-Innenschale kann durch nicht sichtbare Mikrorisse ihre Schutzwirkung verloren haben, auch wenn äußerlich keine Schäden erkennbar sind. Hersteller empfehlen zudem einen Austausch des Helms nach spätestens fünf Jahren, da UV-Strahlung und Alterungsprozesse die Materialien mit der Zeit spröde machen.
Passform und Anprobe
Die Schutzwirkung einer Reitkappe hängt entscheidend von der richtigen Passform ab. Der Helm muss fest und gleichmäßig auf dem Kopf sitzen, ohne zu drücken oder zu wackeln. Bei der Anprobe sollte der Helm waagerecht auf dem Kopf positioniert werden, sodass die Stirnkante etwa zwei Fingerbreit über den Augenbrauen liegt. Ein korrekt sitzender Helm lässt sich bei geöffnetem Kinnriemen nicht durch Kopfschütteln verschieben. Der Kinnriemen wird so eingestellt, dass ein Finger zwischen Riemen und Kinn passt.
Da die Kopfform individuell sehr unterschiedlich ist – von oval über rund bis hin zu länglichen Formen – bieten viele Hersteller Modelle in verschiedenen Passformvarianten an. Einige Reitkappen verfügen über ein Anpassungssystem mit Drehrad am Hinterkopf, das eine stufenlose Feinjustierung der Weite ermöglicht. Für Kinder sind spezielle Jugend-Reithelme erhältlich, die dem kleineren Kopfumfang und den besonderen Proportionen gerecht werden.
Reitkappen im Turniersport
Bei Reitturnieren schreiben die Reglements der nationalen Verbände und der FEI das Tragen einer normgerechten Reitkappe vor. In der Dressur sind Helme in klassischem Schwarz oder Dunkelblau mit samtartiger oder matter Oberfläche üblich. Im Springreiten und in der Vielseitigkeit dominieren robuste Modelle, wobei im Gelände der Vielseitigkeitsreiterei zusätzlich ein fester Helmüberzug vorgeschrieben sein kann. Im Westernreiten haben sich speziell geformte Reithelme etabliert, die optisch an den traditionellen Cowboyh