Rezessiv
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Definition und Überblick
Als rezessiv (von lateinisch recedere = zurückweichen) bezeichnet man in der Genetik eine Eigenschaft eines Allels, die im heterozygoten Zustand phänotypisch nicht in Erscheinung tritt. Das bedeutet: Ein rezessives Merkmal wird nur dann sichtbar, wenn ein Individuum zwei Kopien des entsprechenden Allels trägt – also homozygot rezessiv (Genotyp aa) ist. Liegt dagegen ein dominantes Allel (A) zusammen mit einem rezessiven Allel (a) vor (Genotyp Aa), setzt sich das dominante Allel durch, und das rezessive Merkmal bleibt verborgen.
In der Tierzucht spielt das Verständnis rezessiver Vererbung eine zentrale Rolle. Viele Fellfarben, Körpermerkmale und auch Erbkrankheiten folgen einem rezessiven Erbgang. Züchter müssen daher nicht nur das äußere Erscheinungsbild (den Phänotyp) eines Tieres kennen, sondern auch dessen genetische Ausstattung (den Genotyp), um fundierte Zuchtentscheidungen treffen zu können.
Grundlagen der rezessiven Vererbung
Die Prinzipien der rezessiven Vererbung gehen auf die Arbeiten von Gregor Mendel zurück. Mendel beschrieb in seinen Kreuzungsversuchen mit Erbsen, dass bestimmte Merkmale in der ersten Filialgeneration (F1) verschwinden, in der zweiten Generation (F2) jedoch wieder auftreten – im klassischen Verhältnis von 3:1. Die verschwundenen Merkmale nannte er rezessiv, die sichtbaren dominant.
Jedes Tier besitzt von jedem Gen zwei Kopien – je eine vom Vater und eine von der Mutter. Diese Genvarianten werden als Allele bezeichnet. Bei der Vererbung gelten folgende Grundprinzipien:
- Homozygot dominant (AA): Beide Allele sind dominant. Das dominante Merkmal ist sichtbar.
- Heterozygot (Aa): Ein dominantes und ein rezessives Allel liegen vor. Das dominante Merkmal ist sichtbar, das rezessive wird verdeckt. Das Tier ist Träger (Konduktor) des rezessiven Allels.
- Homozygot rezessiv (aa): Beide Allele sind rezessiv. Nur in diesem Fall zeigt sich das rezessive Merkmal im Phänotyp.
Wird ein heterozygoter Träger (Aa) mit einem anderen heterozygoten Träger (Aa) verpaart, ergibt sich statistisch eine Aufspaltung von 1 AA : 2 Aa : 1 aa. Das bedeutet: 25 Prozent der Nachkommen sind homozygot rezessiv und zeigen das entsprechende Merkmal, 50 Prozent sind heterozygote Träger, und 25 Prozent sind homozygot dominant.
Rezessive Vererbung in der Tierzucht
In der praktischen Zucht begegnet man rezessiven Merkmalen auf Schritt und Tritt. Ein bekanntes Beispiel ist die Fellfarbe: Bei vielen Hunderassen ist die schwarze Fellfarbe dominant gegenüber der braunen (auch als Schokolade oder Liver bezeichnet). Ein schwarzer Hund kann daher entweder homozygot dominant (BB) oder heterozygot (Bb) sein. Erst wenn zwei heterozygote Träger miteinander verpaart werden, können braune Welpen (bb) im Wurf auftreten – für unerfahrene Züchter mitunter überraschend.
Ähnliche Verhältnisse finden sich bei Katzen, Pferden, Kaninchen und Vögeln. Die Verdünnung (Dilution) von Fellfarben, etwa von Schwarz zu Blau oder von Rot zu Creme, folgt bei zahlreichen Tierarten einem rezessiven Erbgang. Auch die Langhaarigkeit ist bei vielen Hunde- und Katzenrassen rezessiv gegenüber dem Kurzhaar.
Züchter nutzen gezielt sogenannte Testkreuzungen (Rückkreuzungen), um festzustellen, ob ein phänotypisch dominantes Tier ein rezessives Allel verdeckt trägt. Dabei wird das zu testende Tier mit einem homozygot rezessiven Partner verpaart. Treten in der Nachkommenschaft Tiere mit dem rezessiven Phänotyp auf, ist der Trägerstatus des getesteten Elternteils bewiesen.
Rezessive Erbkrankheiten
Besondere Bedeutung hat die rezessive Vererbung bei genetisch bedingten Erkrankungen. Viele Erbkrankheiten bei Haus- und Nutztieren werden autosomal-rezessiv vererbt. Betroffene Tiere müssen zwei defekte Allele tragen, um zu erkranken. Heterozygote Träger sind phänotypisch gesund, geben das schadhafte Allel jedoch an durchschnittlich die Hälfte ihrer Nachkommen weiter.
Beispiele für rezessiv vererbte Erkrankungen sind:
- Progressive Retinaatrophie (PRA) bei verschiedenen Hunderassen, die zur Erblindung führt
- Degenerative Myelopathie (DM), eine fortschreitende Rückenmarkserkrankung beim Hund
- Spinale Muskelatrophie (SMA) bei der Maine Coon-Katze
- Polyzystische Nierenerkrankung (PKD) – bei manchen Rassen rezessiv vererbt
- Overo Lethal White Syndrome (OLWS) beim Paint Horse
In der modernen Zucht stehen Gentests zur Verfügung, mit denen der Trägerstatus für viele rezessive Erkrankungen zuverlässig bestimmt werden kann. Verantwortungsvolle Zuchtverbände schreiben solche Tests vor und vermeiden die Verpaarung zweier Träger, um das Auftreten kranker Nachkommen zu verhindern. Dabei wird nicht zwingend jeder Träger aus der Zucht ausgeschlossen – das würde den Genpool unnötig einengen. Stattdessen werden Träger ausschließlich mit getestet freien (homozygot gesunden) Partnern verpaart.
Abgrenzung zu anderen Erbgängen
Die rezessive Vererbung ist nur einer von mehreren Vererbungsmodi. Davon abzugrenzen sind:
- Dominante Vererbung: Das Merkmal tritt bereits bei Vorhandensein eines einzigen Allels in Erscheinung.
- Unvollständ