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Rheinisch-deutsches-kaltblut

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Rassen > Pferderassen

Steckbrief

  • Herkunft: Rheinland, Deutschland
  • Rassestandard: Zuchtverband Rheinisches Pferdestammbuch e.V. / Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN)
  • Stockmaß: 158–170 cm
  • Gewicht: 700–1.000 kg
  • Lebenserwartung: 20–25 Jahre
  • Fell/Farben: Vorwiegend Füchse, Braune und Rappen; seltener Schimmel. Häufig mit deutlichen Abzeichen an Kopf und Beinen. Dichtes, kräftiges Langhaar an Mähne, Schweif und Fesseln (Behang).

Herkunft & Geschichte

Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut gehört zu den ältesten und traditionsreichsten Kaltblutrassen Deutschlands. Seine Wiege liegt im Rheinland, wo bereits im 19. Jahrhundert ein leistungsfähiges, schweres Arbeitspferd für die Landwirtschaft, den Bergbau und das Transportwesen gezüchtet wurde. Die Abstammung geht maßgeblich auf belgische Kaltblüter – insbesondere das Brabanter Pferd – zurück, die ab den 1860er-Jahren gezielt mit einheimischen Stuten gekreuzt wurden. Auch Einflüsse des Ardenners und vereinzelt des Boulonnais lassen sich in der frühen Zuchtgeschichte nachweisen.

Mit der Gründung des Rheinischen Pferdestammbuchs im Jahr 1892 erhielt die Zucht eine organisierte Struktur. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte die Rasse ihre Blütezeit: Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut war das meistverbreitete Arbeitspferd in den westdeutschen Industriegebieten und in der rheinischen Landwirtschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die zunehmende Mechanisierung zu einem dramatischen Bestandsrückgang. In den 1970er- und 1980er-Jahren war die Rasse akut vom Aussterben bedroht.

Erst engagierte Züchter und Erhaltungszuchtprogramme konnten den Bestand stabilisieren. Heute wird das Rheinisch-Deutsche Kaltblut von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) als gefährdete Nutztierrasse geführt. Der zuständige Zuchtverband ist das Rheinische Pferdestammbuch, wobei die Zucht auch in anderen deutschen Landgestüten und Zuchtverbänden betrieben wird.

Aussehen & Rassemerkmale

Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut ist ein kompaktes, massiges Pferd mit beeindruckender Substanz. Der Kopf ist mittelgroß, eher trocken und zeigt ein gerades bis leicht ramsnasiges Profil mit großen, wachen Augen und breiten Nüstern. Der Hals ist kurz, kräftig und gut aufgesetzt, wobei er harmonisch in eine breite, muskulöse Schulter übergeht.

Der Rumpf zeichnet sich durch eine tiefe, breite Brust, einen kurzen, festen Rücken und eine gut bemuskelte, leicht abfallende Kruppe aus. Die Rippen sind gut gewölbt und geben dem Pferd seine charakteristische Tonnigkeit. Besonders auffällig ist die enorme Breite der Hinterhand, die dem Tier seine außergewöhnliche Zugkraft verleiht.

Die Beine sind kurz, trocken und starkknochig mit kräftigen Gelenken und harten Hufen. An den Fesseln findet sich der rassetypische Kötenbehang, der je nach Zuchtlinie unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Die Hufe sind groß, flach und widerstandsfähig. Das Langhaar an Mähne und Schweif ist üppig und dicht. Vorherrschende Fellfarben sind Fuchs und Braun, wobei helle Abzeichen am Kopf und weiße Fesseln häufig vorkommen.

Charakter & Wesen

Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut besticht durch sein ausgeglichenes, gutmütiges Temperament. Diese Pferde gelten als ausgesprochen nervenstark, geduldig und arbeitswillig. Trotz ihrer imposanten Erscheinung zeigen sie ein sanftes, menschenbezogenes Wesen, das sie zu zuverlässigen Partnern in nahezu allen Situationen macht.

Charakteristisch ist ihre Gelassenheit: Rheinische Kaltblüter lassen sich von ungewohnten Umgebungen, Lärm oder hektischem Treiben kaum aus der Ruhe bringen. Diese Eigenschaft machte sie historisch zu idealen Arbeitspferden in lärmintensiven Umgebungen wie Bergwerken und Stadtzentren. Gleichzeitig sind sie keineswegs stumpf oder phlegmatisch – sie zeigen durchaus Neugier, Lernbereitschaft und eine enge Bindung an ihre Bezugspersonen. Im Umgang sind sie treu, umgänglich und kooperativ, was besonders im Fahrsport und bei der Arbeit im Wald geschätzt wird.

Haltung & Pflege

Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut ist ein robustes, genügsames Pferd, das sich für verschiedene Haltungsformen eignet. Ideal ist eine Offenstallhaltung oder Laufstallhaltung mit großzügigem Auslauf und Weidegang. Die Pferde brauchen Bewegung, um gesund zu bleiben, auch wenn ihr Aktivitätsbedürfnis geringer ist als bei Warmblütern. Täglicher Weidegang oder Bewegung im Paddock sind dennoch unverzichtbar.

Die Fellpflege erfordert besondere Aufmerksamkeit beim Kötenbehang: Dieser muss regelmäßig auf Feuchtigkeit, Schmutz und Milbenbefall kontrolliert werden, da sich unter dem dichten Behang leicht Mauke entwickeln kann. Mähne und Schweif sollten regelmäßig entwirrt und von Verfilzungen befreit werden. Die großen Hufe benötigen eine sorgfältige und regelmäßige Hufpflege durch einen erfahrenen Hufschmied im Abstand von sechs bis acht Wochen.

Für sinnvolle Beschäftigung eignen sich Kutschfahrten, Holzrückearbeiten, Showauftritte, therapeutisches Reiten und gemütliche Ausritte. Diese Pferde schätzen Routine und eine klare, ruhige Führung.

Ernährung

Trotz ihrer Größe und ihres Gewichts ist das Rheinisch-Deutsche Kaltblut ein ausgesprochen leichtfuttriger Typ. Die Grundversorgung sollte aus qualitativ hochwertigem Heu bestehen, das in ausreichender Menge –