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Rohrdommel

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Reiher & Störche

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Botaurus stellaris
  • Ordnung: Schreitvögel (Pelecaniformes)
  • Familie: Reiher (Ardeidae)
  • Gattung: Botaurus
  • Lebensraum: Ausgedehnte Schilfgebiete, Verlandungszonen, Feuchtgebiete
  • Größe: 69–81 cm Körperlänge, Flügelspannweite 100–130 cm
  • Gewicht: 0,9–1,9 kg
  • Lebenserwartung: Bis zu 11 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Die Rohrdommel ist ein mittelgroßer, gedrungen wirkender Reiher mit einem vergleichsweise kurzen Hals und kräftigen Beinen. Das Gefieder zeigt eine komplexe Tarnzeichnung aus goldbraunen, ockerfarbenen und schwarzen Tönen, die in ihrer Musterung an trockene Schilfhalme erinnert. Oberseits dominieren dunkle Längsstreifen und Querbänderungen auf warmbraunem Grund, die Unterseite ist heller mit markanten dunklen Schaftstrichen. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich kaum, wobei das Männchen im Durchschnitt etwas größer und schwerer ist.

Der Schnabel ist dolchartig, kräftig und gelbgrünlich gefärbt – ein typisches Merkmal vieler Reiherarten, das beim Beutefang durch blitzschnelles Vorstoßen eingesetzt wird. Die Augen sind auffallend gelb und seitlich am Kopf platziert, was ein großes Gesichtsfeld ermöglicht. Die relativ langen Zehen sind grünlich und ohne Schwimmhäute, erlauben aber ein sicheres Greifen auf schwankenden Schilfhalmen und weichem Untergrund. Im Flug wirkt die Rohrdommel eulenähnlich: Die breiten, gerundeten Flügel tragen sie mit langsamen, regelmäßigen Schlägen über das Röhricht, wobei der eingezogene Hals und die nachgezogenen Beine charakteristisch sind.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Großen Rohrdommel – so der vollständige deutsche Name zur Abgrenzung von der deutlich kleineren Zwergdommel (Ixobrychus minutus) – erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Brutpopulationen finden sich von Westeuropa über Mittelasien bis nach Ostasien. In Europa liegen Verbreitungsschwerpunkte in den Niederlanden, im Baltikum, in Polen, Ungarn und am Neusiedler See. In Deutschland brüten schätzungsweise 550–700 Paare, vorwiegend in den großen Schilfgebieten Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und Niedersachsens.

Das bevorzugte Habitat sind ausgedehnte, mehrjährige Schilfbestände (Phragmites australis) mit einer Wassertiefe von 15–50 cm. Entscheidend ist eine ausreichende Flächenausdehnung des Röhrichts: Einzelne Schilfstreifen werden selten besiedelt. Die Rohrdommel benötigt strukturreiche Verlandungszonen mit Übergängen zwischen offenem Wasser, dichtem Schilf und Seggenrieden. Mitteleuropäische Brutvögel sind überwiegend Teilzieher, die im Herbst in mildere Regionen West- und Südeuropas ausweichen. In strengen Wintern kann es zu erhöhter Mortalität kommen, wenn Gewässer vollständig zufrieren.

Ernährung

Die Rohrdommel ernährt sich als Lauerjäger vorwiegend von Fischen, Amphibien und größeren Wasserinsekten. Zu den häufig erbeuteten Fischarten zählen Karausche, Schleie, Rotauge und junge Hechte. Daneben stehen Frösche, Molche, Wasserratten, kleine Schlangen und gelegentlich Jungvögel anderer Sumpfvogelarten auf dem Speiseplan. Die Jagdtechnik gleicht der anderer Reiher: Der Vogel verharrt minutenlang regungslos im flachen Wasser oder am Schilfrand und stößt dann blitzartig mit dem Schnabel zu. Die Beute wird im Ganzen verschlungen, unverdauliche Reste wie Gräten und Chitinpanzer werden als Speiballen hervorgewürgt.

Verhalten & Lebensweise

Die Rohrdommel ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verharrt sie meist regungslos im Schilfbestand und ist dort dank ihrer Tarnfärbung nahezu unsichtbar. Bei Gefahr nimmt sie die sogenannte Pfahlstellung ein: Hals und Schnabel werden senkrecht nach oben gestreckt, der Körper wird schmal gemacht, und der Vogel wiegt sich leicht im Wind – genau wie die umgebenden Schilfhalme. Diese Tarnhaltung ist eine der wirksamsten im gesamten Vogelreich und macht die Rohrdommel selbst aus wenigen Metern Entfernung praktisch nicht erkennbar.

Die Art lebt einzelgängerisch und verteidigt kein festes Revier im engeren Sinne, sondern nutzt ein individuelles Aktionsgebiet innerhalb des Schilfgürtels. Außerhalb der Brutzeit sind Rohrdommeln ausgesprochen heimlich und werden fast ausschließlich durch ihre Rufe nachgewiesen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt in Mitteleuropa ab Februar und erreicht ihren Höhepunkt im März und April. Das Männchen macht dabei durch seinen weithin hörbaren Balzruf auf sich aufmerksam – ein tiefes, dumpfes „Wuump", das in stillen Nächten über mehrere Kilometer trägt. Dieser Ruf, der dem Geräusch ähnelt, das entsteht, wenn man über die Öffnung einer leeren Flasche bläst, gab dem Vogel im Volksmund den Namen „Moorochse" oder „Wasserochse".

Das Männchen ist polygyn und kann sich mit mehreren Weibchen verpaaren, ohne sich an der Brut zu beteiligen. Das Weibchen errichtet das Nest als schwimmende oder auf abgeknicktem Schilf ruhende Plattform, meist gut versteckt im dichtesten Teil des Röhrichts. Das Gelege umfasst drei bis sechs olivbraune Eier, die das Weibchen allein über 25–26 Tage bebrütet. Die Küken schlüpfen asynchron, werden vom Weibchen mit vorgewürgter Nahrung versorgt und verlassen das Nest nach etwa zwei Wochen